Fahrzeug-Sharing könnte nachträglich von Corona-Krise profitieren

Viele wollen nicht mehr den ÖPNV nutzen – auch aus Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus. Für die gebeutelte Sharing-Branche könnte das ein Segen sein.

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(Bild: Peeradontax/Shutterstock.com)

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Fahrräder, Autos und E-Tretroller mit anderen Menschen teilen – in der Corona-Pandemie scheint das eine schlechte Idee zu sein. Wer steigt schon auf oder in ein Fahrzeug, von dem man nicht weiß, wie gesund der Vornutzer war? Oder wann es zuletzt desinfiziert wurde? Tatsächlich hat die Corona-Krise dem Geschäft mit der "Shared Mobility" zugesetzt. Forscher halten es jedoch für möglich, dass sie am Ende sogar Profiteur der Pandemie sein könnte.

E-Tretroller, die im Weg stehen – seit einem Jahr gehört das vielerorts zum Stadtbild. Monatelang wuchs die Zahl der Fahrzeuge, dann war plötzlich Schluss: In der Corona-Krise reduzierten Anbieter die Zahl ihrer Roller oder zogen sie wie der Scooter-Verleiher Lime zunächst komplett aus dem Verkehr. Inzwischen sind die Lime-Roller in sieben Städten bundesweit wieder auf den Straßen. Vor der Krise waren es rund 25.000 Roller in 15 Städten. Nun sei sukzessive eine Rückkehr geplant, sagt Alexander Pfeil, General Manager bei Lime in Deutschland. Die Nachfrage steige wieder.

Ob Lockdown, Virusangst oder beides zusammen die Nachfrage sinken ließen, bleibt unklar. Sicher ist: Andere Leihsysteme wurden ebenso getroffen. So gingen laut einer Umfrage des Bundesverbands Carsharing die Buchungszahlen bei den Mitgliedsunternehmen von Mitte März bis Mitte April um 50 Prozent, teilweise um bis zu 80 Prozent zurück.

Von einer "zeitweise geringeren Nachfrage als üblich" spricht die Deutsche Bahn. Sie ist Anbieter des Carsharing-Netzwerks "Flinkster" mit 4500 Fahrzeugen und des Leihradsystems "Call a Bike" mit 16.000 Rädern. Doch das Tief sei vorbei: "Mittlerweile nähert sich die Nachfrage wieder dem Vorjahresniveau", sagte ein Sprecher. Im Fahrrad-Bereich würden die Neuregistrierungen erheblich zunehmen.

Laut Martina Hertel vom Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin kommen nicht alle Mobilitätsangebote gleichermaßen durch die Krise: "Je nach Verkehrsmittel ist das Bild sehr unterschiedlich." So gehen Fachleute und Anbieter schon länger von einer Marktbereinigung bei den E-Rollern aus. Doch dieser Konzentrationsprozess wäre auch ohne Corona-Pandemie gekommen, sagt Hertel: "Die Krise wirkt nun wie ein Brandbeschleuniger."

Nicht nur innerhalb, sondern auch zwischen den Mobilitätsangeboten gibt es Verschiebungen. So registriert Roller-Anbieter Lime derzeit längere Fahrten als vor der Pandemie – vermutlich, weil sich die Nutzer scheuen, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. "Der vorgeschriebene Abstand lässt sich in vielen Fahrzeugen nicht einhalten, und nicht jeder hat ein Auto", sagt Lime-Manager Pfeil.

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Auch Hertel hält eine Verlagerung zulasten von Bus und Bahn für möglich – zugunsten des Leihrads: "Soweit wir das verfolgen können, ist in den Städten, in denen es zu Lockerungen kommt, ein Umstieg vom ÖPNV auf Leihräder zu verzeichnen." Das Fahrrad sei besser für Fahrten mit Gepäck aufgestellt als der E-Tretroller.

Das Alter der "Shared Mobility"-Nutzer könnte ebenfalls eine Rolle spielen: So schätzen laut dem Bundesamt für Risikobewertung gerade Menschen ab 60 Jahre die Auswirkungen des Coronavirus auf die eigene Gesundheit als groß ein. Die Nutzer der Leihsysteme sind aber oft jung. Bei den E-Tretrollern nimmt mit zunehmendem Alter die Nutzerzahl schnell ab, hat die Unternehmensberatung "The Nunatak Group" in einer Umfrage ermittelt.