FairTEC: Fairphone bietet mit Partnern nachhaltigeres Mobilfunk-Ökosystem an

Fairphone hat sich mit Anbietern wie /e/, Commown und WEtell zusammengeschlossen, um aus einer Hand ethisch korrekten Mobilfunk zu vermarkten.

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Nachhaltig produzierte Mobiltelefone mit entsprechenden Tarifen können Verbraucher auch mieten.

(Bild: Fairphone)

Von
  • Stefan Krempl

Der Amsterdamer Smartphone-Bauer Fairphone, der Pariser Betriebssystem-Produzent /e/, der Straßburger Hardware-Vermittler Commown sowie alternative Mobilfunkanbieter wie WEtell aus Freiburg machen seit Mittwoch gemeinsame Sache. Sie haben das Kollektiv FairTEC gegründet und bieten damit eine zentrale Plattform, auf der Nutzer ein faires Smartphone mieten oder kaufen sowie einen nachhaltigeren Mobilfunktarif auswählen können.

Ziel der Allianz europäischer Firmen ist es, einen Paradigmenwechsel hin zu einem verantwortlichen Umgang mit Mobilgeräten und einer nachhaltigeren Produktion im Technologiesektor zu erreichen. Dabei soll es nicht nur um Hard- und Software, sondern auch um nachhaltigere Geschäftsmodelle gehen. Diese schützen ihrem Anspruch nach nicht nur die Daten der Nutzer, sondern auch die Umwelt. Angestrebt wird so ein ganzes digitales Ökosystem, das die unterschiedlichsten Bereiche der Wertschöpfungskette eines Smartphones einschließt.

Zugpferd der Initiative ist die niederländische Firma Fairphone. Bei ihr erstreckt sich der Anspruch, nachhaltiger und sozialer zu produzieren, auf den gesamten Lebenslauf des Telefons von den Rohstoffen über die Fertigung bis zum Recycling. Mit dem aktuellen Fairphone 3, das derzeit mit Preisen ab rund 370 Euro gehandelt wird, sollen die FairTEC-Kunden ein modulares und reparables Design wählen können, "das aus ethisch und verantwortungsvoll gewonnenen Materialien besteht und auf Langlebigkeit ausgerichtet ist".

Dazu kommt mit dem Google-freien Android-Ableger /e/OS, hinter der französische Software-Entwickler Gaël Duval mit einer eigenen Stiftung steht, ein Privatsphäre-freundlicheres Betriebssystem, das keine großen Datenmengen der User speichert und keine unerwünschte Werbung ausspielt. In einem c't-Test im vorigen Jahr wirkte die Software zwar noch nicht ganz ausgereift, sie soll sich mittelfristig aber als Alternative zu Apple und Google auch für den "durchschnittlichen Nutzer" etablieren.

Nachhaltige Geräte als Dienstleistung ("Hardware-as-a-Service") im Sinne der Kreislaufwirtschaft steuert Commown bei. Die Franzosen bieten das Fairphone 3 für 19,80 Euro im Monat bei einer Laufzeit von einem Jahr zur Miete an. Kunden sollen dabei von Serviceleistungen wie der Kostenübernahme bei Schäden und Störungen, Reparaturen, Akkuwechsel mindestens einmal im Jahr, Diebstahlschutz und gezielter Benutzerunterstützung profitieren, die mit dem Tarif verknüpft sind.

FairTEC-Interessenten sollen ferner einen Handyvertrag wählen können, der auf Klimaschutz und Datensicherheit fokussiert ist sowie einen fairen, transparenten Service bietet. Für Deutschland ist dabei WEtell am Start. Der Anbieter operiert nach eigenen Angaben klimaneutral mit 100 Prozent Ökostrom über 1000 installierte Solarmodule. Damit der Dienst rechnerisch keine CO2-Emissionen verursacht, wollte die Firma ihrem Plan nach zusammen mit dem Versorger EWS Schönau neue Anlagen für erneuerbaren Strom errichten.

Der billigste Tarif schlägt bei den Freiburgern mit 15 Euro im Monat einschließlich 100 Freiminuten und 1 GB Daten zu Buche, der teuerste mit 30 Euro für 20 GB und Flatrate. Für Kunden in Frankreich steht der dortige Telekommunikationsbetreiber TeleCoop zur Verfügung, in Großbritannien der Anbieter Phone Co-op. Andere Länder in Europa und auf anderen Kontinenten werden bislang nicht mit einer vergleichbaren Kombi abgedeckt.

"Ohne radikale Veränderung wird die Technologiebranche schon bald mit einer existenziellen Krise zu kämpfen haben – genau wie die Luftfahrtbranche aktuell", erklärte Adrien Montagut, Co-Gründer von Commown, zum Start des Verbunds. Kooperationen von engagierten Partnern auf europäischer Ebene seien daher essenziell, "um einen neuen, nachhaltigen Weg zu eröffnen". Fairphone-Chefin Eva Gouwens betonte, dass die Branche selbst nachhaltige Lösungen und Services fördern müsse, "damit wir die Auswirkungen unserer Industrie auf Gesellschaft und Umwelt mindern". FairTEC lenke die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen auf diese Schlüsselthemen.

(olb)