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Farbkopiert: Negative per Digitalkamera digitalisieren

Wer schon einmal ein typisches Farbnegativ abfotografiert und dann ratlos mit dem Ergebnis herumexperimentiert hat, wird feststellen, dass es mit einer einfachen Tonwertumkehr wie beim Schwarzseißbild nicht getan ist.

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Inhaltsverzeichnis

Wer aber schon einmal ein typisches Farbnegativ abfotografiert und dann ratlos mit dem Ergebnis herumexperimentiert hat, wird möglicherweise das Handtuch geworfen haben. Wir beschreiben im Folgenden zwei grundsätzliche Wege, wie man einigermaßen zuverlässig und nach einem festen Workflow zu guten Positiven gelangt, die es mit Papierabzügen aus dem Supermarkt allemal aufnehmen, sie sogar deutlich übertreffen können. Die verwendete Software ist Photoshop CS2 mit Bridge und Camera RAW (alle von Adobe). Die geschilderten Verfahren lassen sich in der Regel in ähnlicher Weise auf entsprechende andere Software übertragen.

Wäre das Bild auf einem Farbnegativfilm demjenigen vergleichbar, das man in einem Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop durch „Umkehren“ erhält, fiele der Vorgang so einfach aus wie bei einem Schwarzweiß-Negativ. Leider ist das Arbeiten mit Farbnegativfilmen aber komplizierter. Auf einem Farbnegativfilm sieht man fast nur braune und orange bis purpurrote Farben, hin und wieder eine Andeutung von Grün. Hauttöne erscheinen in schmutzigen Grautönen von Purpur bis bläulich.

Wenn Sie aufmerksam hinschauen, sehen Sie, dass der Filmträger selbst, also am Rand oder bei den unbelichteten Balken zwischen den Aufnahmen, stark gelborange bis rotorange erscheint (diese so genannte Maskierung ist je nach Filmsorte unterschiedlich gefärbt). Aus diesem Grund ergibt ein einfaches Umkehren blau- bis blaugrünstichige Bilder, auf denen man die wahren Farben eher erraten muss und die zudem recht blass aussehen. Der erste Schritt bei der Reproduktion muss daher darin bestehen, diese Orange-Maske zu kompensieren. Sie dient eigentlich dazu, in Verwendung mit entsprechend angepasstem Fotopapier die Farbwiedergabe zu verbessern.

Dazu ist der Weißabgleich einer Digitalkamera nur bedingt in der Lage, vor allem würde er bei automatischer Einstellung sehr instabile Werte liefern. Der einzig hochwertige Weg führt über Aufnahmen im Raw-Format und nachträgliche Bearbeitung auf dem PC. Aber auch hier sind die Korrekturmöglichkeiten mehr oder weniger begrenzt und führen nur manchmal zu einigermaßen akzeptablen Farben. Bessere Resultate erhält man, wenn bei der Aufnahme ein blaues Konversionsfilter verwendet wird, wie man es aus der Analogfotografie kennt, um Kunstlicht für Tageslicht-(Dia-)Film anzupassen, beispielsweise KB 12 von Heliopan oder stärker. Ein solches Filter beseitigt den Orangestich zwar nicht vollständig, verschiebt ihn aber in den Arbeitsbereich von Sensor und Verarbeitungssoftware.