Fehlendes iPhone-Netzteil: Apple soll in Brasilien 20 Millionen Euro zahlen

Ein Gericht in Sao Paulo hat Apple zu einer "sozialen Strafe" verdonnert, weil der Konzern beim iPhone kein Netzteil mitliefert.

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iPhone-Netzteil (hier die EU-Version) mit brasilianischer Flagge.

(Bild: Apple)

Von
  • Ben Schwan

Apple hat in Brasilien eine empfindliche Strafe aufgebrummt bekommen, weil der Konzern sich seit zwei Jahren weigert, bei seinem iPhone ein Netzteil beizulegen. Der schon seit Längerem brodelnde Streit hatte zuvor auch zu einem Verkaufsverbot der Geräte in dem Land geführt, gegen das Apples Anwälte vorgingen.

Nun entschied das Landesgericht in Sao Paulo, dass Apple eine "soziale Strafe" von insgesamt 100 Millionen Reais zu entrichten hat. Das entspricht rund 20 Millionen Euro. Gleichzeitig wurde der iPhone-Konzern dazu verdonnert, allen neuen iPhones wieder ein Netzteil beizulegen, will er sie in Brasilien verkaufen. Die Klage war vom Verband der Kreditnehmer, Verbraucher und Steuerzahler des Landes eingereicht werden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Der Vorwurf: Apple betreibe "missbräuchliche Praktiken durch den Verkauf seines Produkts ohne ein Ladegerät".

Apple kündigte an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Der Konzern betont stets, man lasse das Netzteil aus Umweltschutzgründen weg. Die Praxis war mit dem iPhone 12 im Jahr 2020 eingeführt worden. Nach und nach wurden auch die Netzteile aus anderen iPhone-Produktverpackungen gestrichen. Apple behauptet, dass so der Kohlendioxidausstoß von 500.000 Autos vermieden wird – einerseits durch die so verkleinerte Verpackung (= mehr Produkte auf geringerem Laderaum), andererseits durch die so reduzierte Produktion, die wiederum selbst Klimagas erzeugt. Apple geht davon aus, dass die meisten Nutzer bereits über ein USB-Netzteil verfügen. Beim iPhone liegt seither nur noch ein Lightning-auf-USB-C-Kabel bei; Apple nutzt beim iPhone nach wie vor seinen veralteten proprietären Stecker.

In der Entscheidung des Landesgerichts heißt es laut Reuters, es sei "offensichtlich, dass die Beklagte den Verbrauchern unter dem Vorwand einer 'grünen Initiative' den Kauf von Ladeadaptern auferlegt, die zuvor zusammen mit dem Produkt geliefert wurden". Tatsächlich zahlt man für Apples 20-Watt-Stromversorgung nun 25 Euro zusätzlich, wenn man diese doch noch benötigt.

Die Klage in Sao Paolo ist indes nicht Apples einziges Netzteilproblem in Brasilien. Das Justizministerium des Landes hatte Anfang September bereits einen Verkaufsstopp für iPhones erlassen, die ohne Netzteil ausgeliefert werden. Auch schon damals war eine Millionenstrafe ausgesprochen worden, die mit rund 2,4 Millionen Euro aber deutlich geringer ausfiel. Der Verkaufsstopp betraf nicht nur iPhone 12 und iPhone 13, sondern alle Modelle, denen ein beigelegtes USB-Netzteil fehlt – inklusive des iPhones 14. Dieses soll eigentlich in Brasilien heute offiziell auf den Markt kommen – das iPhone 14 Plus erscheint dort später.

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(bsc)