Ferrofluid-Display mit Elektromagneten

Auf zwei Jahre fortgeschrittenes Tüfteln brachte es die Maker-Gruppe "Applied Procastination" für ihr spektakuläres Projekt, ein großes Ferrofluid-Display.

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Von
  • Carsten Meyer

Einen ganz besonderen "organischen" Look hat das "Fetch" genannte Display, das auf in einem Medium schwebenden Ferrofluid-Blasen basiert: Die wabernde, magnetische Flüssigkeit kämpft ständig mit der Schwerkraft und den angelegten Magnetfeldern, wobei die zur Darstellung der Zeichen nötige Menge aus einem Ferrofluid-Sumpf am Gefäßboden entnommen und über rückseitig angebrachte Elektromagnete Schritt für Schritt an die richtige Stelle weitergereicht wird.

Das Prinzip ist einfach, die Umsetzung förderte etliche Probleme zu Tage: Die studentische Maker-Gruppe aus Oslo mit dem bezeichnenden Namen verbrachte ganze zwei Jahre mit Grundlagenforschung und etlichen Versuchsaufbauten. So warf das Projekt anfangs schon die Frage auf, in welchem Medium sich das Ferrofluid leicht bewegt, ohne sich zu zersetzen (abgestandenes Salzwasser) oder welches Material sich als Gefäß eignet, damit kein Ferrofluid haften bleibt (Glas oder Acryl mit hydrophober Beschichtung).

252 einzeln angesteuerte Elektromagnete ziehen das Ferrofluid in beliebige Formen.

Der Algorithmus zur Darstellung von Zeichen und einfachen Grafiken ist auch nicht ohne: Schließlich muss eine genau bemessene Ferrofluid-Menge dem Boden entnommen werden, die dann von Magnet zu Magnet weitergereicht wird. Applied Procastination hatte sich vorgenommen, nicht mit Spiegeln und einer horizontalen Ferrofluid-Fläche zu "schummeln" – das Gefäß sollte unbedingt senkrecht stehen. Außerdem wollten die Maker bei dynamischen "Bildschirminhalten" (z.B. einer Uhr) die bereits benutzten Ferrofluid-Blasen weiterverwenden. Das war nur mit stufenlos gesteuerten Magneten möglich, im Projekt bewerkstelligt durch 252 PWM-Spannungsquellen. Die Pulsweitensteuerung ermöglicht es, die von jedem einzelnen Magneten angezogene Ferrofluid-Menge in gewissen Grenzen zu beeinflussen.

Die Sourcen für die PlatformIO-IDE, Schaltpläne und Konstruktionszeichnungen hat die Gruppe auf Github veröffentlicht. (cm)