FibreCo: Vodafone und Altice bauen deutsches Glasfasernetz

Vodafones Suche nach einem Partner für den Glasfaserausbau war erfolgreich: Ein Joint Venture mit Altice soll ein Netz für sieben Millionen Haushalte bauen.​

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(Bild: ChiccoDodiFC/Shutterstock.com)

Von
  • Volker Briegleb

Auch Vodafone will in Deutschland groß in den Glasfaserausbau einsteigen. Ein Gemeinschaftsunternehmen mit Altice soll bis zu sieben Milliarden Euro in den Ausbau eines Glasfasernetzes für sieben Millionen Haushalte investieren, teilte Vodafone am Montag mit. Die "FibreCo" genannte Tochtergesellschaft solle im ersten Halbjahr 2023 gegründet werden; das Vorhaben steht unter Vorbehalt der behördlichen Zustimmung.

Mit dem Großteil des neuen Netzes werden Haushalte im Bereich des deutschen Kabelnetzes erschlossen, teilte das Unternehmen mit. Die restlichen 20 Prozent will Vodafone in benachbarten Bereichen neu erschließen. Mit Ausbau und Wartung des Netzes soll die Altice-Tochter Geodesia beauftragt werden. Finanziert wird das überwiegend durch Schulden, die FibreCo aufnimmt.

"Wir starten die größte Glasfaser-Allianz der Republik. Gemeinsam mit unserem starken Partner Altice bringen wir noch mehr Netz aufs Land und in die Metropolen", sagte der neue Vodafone-Deutschlandchef Philippe Rogge. "So schaffen wir bis zu 7 Millionen neue Glasfaser-Anschlüssen für Deutschland und bringen Gigabit-Geschwindigkeit auch in zahlreiche Haushalte, wo bislang noch kein eigenes Vodafone Netz verfügbar ist."

Vodafone wird Glasfaseranschlüsse auf dem Netz der FibreCo an Privatkunden und die Wohnungswirtschaft vermarkten, hat aber keine Zielvorgaben für Umsatz oder Anschlusszahlen. Bestandskunden werden weiter im Koaxialnetz mit Anschlüssen versorgt. Darüber hinaus soll das Glasfasernetz anderen Telekommunikationsanbietern offenstehen, die ihre Dienste auf der Infrastruktur vermarkten können.

Dem Joint Venture gibt Vodafone eine moderate Finanzspritze mit, der Großteil der Investitionen soll über Schulden des Gemeinschaftsunternehmens finanziert werden. Für den Zugang zu den Fernsehkabel-Kunden bekommt Vodafone im Laufe der Jahre bis zu 1,2 Milliarden Euro von Altice. Die Finanzspritze, die Vodafone zur Firmengründung gibt, wird den Angaben zufolge geringer sein als der Gesamtbetrag, den die Firma bekommt.

Altice ist eine Holding, zu der Kabelnetzbetreiber und Mobilfunkanbieter in mehreren Ländern und den USA gehören, darunter die französische SFR und die Altice Portugal, die ehemalige Portugal Telecom. Altice unterhält bereits Glasfaser-Gemeinschaftsunternehmen in Frankreich, Portugal und Israel.

Vodafone hat beim Glasfaserausbau bisher überwiegend die Zuführung zu Kabelnetzknoten im Blick, um Flaschenhälse in den Anschlussbereichen zu erweitern. Mit der Docsis-Technik sind im TV-Kupferkabel heute 1 Gbit/s und mehr möglich, in den kommenden Jahren sollen es laut Vodafone bis zu 10 Gbit/s sein. Direkte FTTH-Anschlüsse hat Vodafone bisher nur etwas mehr als 40.000. Seit dem Frühjahr hatte Vodafone die Möglichkeiten für ein stärkeres Engagement beim Glasfaserausbau sondiert.

Auch andere Netzbetreiber holen sich finanzstarke Partner ins Boot, um den Glasfaserausbau voranzutreiben. Telefónica und der Versicherungskonzern Allianz verkündeten vor zwei Jahren die Gründung eines Joint Ventures, das fünf Milliarden Euro binnen sechs Jahren investieren will. Auch die Deutsche Telekom fährt ihre Investitionen in Glasfaser hoch und erreicht mittlerweile rund 4 Millionen Haushalte mit FTTH. Zudem investieren zahlreiche regionale Anbieter in den Netzausbau.

(vbr)