Finanzbranche kritisiert grünes EU-Label für Atomkraft

Atomkraft und Erdgas als "nachhaltige Investitionen" einzustufen, ist überhaupt nicht im Sinne der Finanzbranche, zumal "nachhaltige Investitionen" boomen.

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Investitionen in Atomkraft zu begünstigen ist nicht im Sinne vieler Unternehmen aus der Finanzbranche.

(Bild: FNG)

Die zum Jahreswechsel von der EU-Kommission vorgelegten Vorschläge für eine Taxonomie-Verordnung wird nicht nur von der Bundesregierung und Umweltschutzorganisationen kritisiert, sie stoßen auch in der Finanzwelt auf Widerstand. Anlageprodukte wie Fonds bekämen auch dann einen Nachhaltigkeits-Stempel, wenn sie in Atomkraft oder Erdgas investieren. Atomenergie als nachhaltig zu bezeichnen sei ein No-Go, sagte Ingo Speich, Leiter Corporate Governance und Nachhaltigkeit bei der Dekabank, der Fondsgesellschaft der Sparkassen laut einem Bericht des Wirtschaftsmagazins Capital.

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), in dem neben Deka Investments 200 weitere Unternehmen und Organisationen wie Allianz, die Bethmann Bank, Consorsbank, LBBW, MSCI und Swiss Life vertreten sind, hatte sich bereits im August vorigen Jahres in einem offenen Brief an die EU-Kommission gewandt. Darin schreibt das FNG, eine Kategorisierung von Atomkraft als nachhaltige Wirtschaftsaktivität würde das EU-Vorhaben, Finanzströme in nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten zu lenken, nicht unterstützen, sondern hindern.

"Spätestens seit der Nuklearkatastrophe in Fukushima im Jahre 2011, aber auch durch das ungelöste Problem zur Lagerung von Atommüll, steht Atomkraft im Widerspruch zur Nachhaltigkeit. Atomkraft ist zusätzlich europaweit eines der wichtigsten Ausschlusskriterien für Sustainable Finance", heißt es in dem offenen Brief des FNG. Auch der europäische Dachverband zur Förderung ehtischen Investments Eurosif hatte sich voriges Jahr dagegen ausgesprochen, Atomkraft und Erdgas in die Taxonomie einzubeziehen.

"Mit dieser Taxonomie lädt die EU-Kommission Probleme wie die Entsorgung des Atommülls auf künftige Generationen ab", sagte Speich nun laut Capital. Die Taxonomie sei politisch gekapert worden, die Regeln dafür würden von der Industriepolitik einzelner Länder getrieben. So habe die EU-Kommission Glaubwürdigkeit verspielt.

Die Taxonomie soll Anlegern helfen, ihre Investitionen auf nachhaltigere Technik und Unternehmen umzustellen. Das soll mit dabei helfen, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen. Die Taxonomie dürfte weitreichende Auswirkungen haben, denn als nachhaltig eingestufte Projekte werden bei Investoren immer beliebter.

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Nach den bisherigen Plänen der EU-Kommission könnten Anleihen von Unternehmen, die mit Atomkraft und Erdgas zu tun haben, als Green Bonds gehandelt werden. Atomkraft würde als grünes Wertpapier gelten, sagte Speich. Die Nachfrage nach Green Bonds sei sehr hoch, damit wäre die Liquidität dieser Firmen am Kapitalmarkt sichergestellt.

Auf die Finanzprodukte der Deka werde die vorläufige Entscheidung laut Speich nicht auswirken. "Stand heute bleiben unsere Filter für nachhaltige Finanzprodukte wie sie sind. Wir weiten sie nicht auf Firmen aus dem Atomsektor auf."

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke hatten bereits die Taxonomie-Vorschläge kritisiert. Ihnen gesellte sich der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hinzu, allerdings sieht er Erdgas für eine Übergangszeit als notwendig an. Die Windenergie-Branche hält die Vorschläge der EU-Kommission für einen "schlechten Witz". Wie berichtet wird, wurden die Weichen für die Taxonomie-Verordnung bereits unter der vorigen Bundesregierung gestellt. Dabei sollen sich Frankreich für die Atomkraft, Deutschland für das Erdgas eingsetzt haben.

(anw)