Flächenbrand im Kryptofinanzland: Kundengeld gesperrt und Hedgefonds insolvent

Kreditplattformen und andere Finanzdienstleister der Kryptowährungsszene scheinen gerade reihenweise umzukippen. Vor allem eine Hedgefonds-Pleite trifft viele.

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(Bild: Chinnapong / Shutterstock.com)

Von
  • Axel Kannenberg

Die Zahl der Kryptodienstleister, die nach dem Kursrutsch der vergangenen Wochen ins Trudeln geraten sind, steigt weiter: Jüngstes Beispiel ist die Kreditplattform Vauld aus Singapur, die seit Montag alle Abhebungen, Einzahlungen sowie den Handel sperrt. Seit dem 12. Juni sei massiv Kapital durch die Nutzer abgezogen worden, teilte Vauld mit – insgesamt über 197 Millionen US-Dollar. Am genannten Datum hatte die Kreditplattform Celsius die Auszahlungen eingestellt und damit wohl für Panik am Markt gesorgt.

Vauld habe sich nun finanzielle und rechtliche Beratung ins Boot geholt, um alle Optionen wie etwa eine Restrukturierung auszuloten, hieß es. Bereits im Juni wurde bekannt, dass Vauld 30 Prozent seiner Belegschaft feuert.

Vergangenen Freitag hat auch der Kryptobroker Voyager Digital Kundengelder sowie den Handel über die Plattform eingefroren. Ende Juni hatte das Unternehmen eine ausbleibende Zahlung vom Krypto-Hedgefonds Three Arrows Capital über 15.250 Bitcoin sowie 350 Millionen Einheiten des Stablecoins UDC vermelden müssen – umgerechnet derzeit über 600 Millionen Euro.

Three Arrows hat seinerseits vergangene Woche Insolvenz angemeldet. Der Hedgefonds aus Singapur hatte sich offenbar massiv mit Krediten versorgt, um gehebelt auf Kryptowährungsbewegungen zu spekulieren. Die Verbindlichkeiten konnte man wohl aber nicht mehr bedienen, als die Marktlage ungemütlicher wurde. Und das hat neben Voyager Digital unter anderem auch die Firmen Genesis Trading, Blockfi und Babel Finance in Schieflage gebracht. Three Arrows soll zwischenzeitlich umgerechnet rund 10 Milliarden US-Dollar verwaltet haben.

Genesis Trading, ein Marketmaker und Kreditgeber, muss laut Berichten Verluste von mehreren hundert Millionen US-Dollar verdauen, die durch ausfallende Zahlung von Three Arrows sowie Einlagen in Babel Finance entstanden sind. Die Kreditplattform Babel Finance wiederum hatte bereits Mitte Juni einen Stopp für Abhebungen verhängt; wie es mit dem Unternehmen weitergeht, ist noch offen.

Darlehens-Dienst Blockfi wurde durch eine massive Geldspritze von Sam Bankman-Fried und seiner Börse FTX gerettet. Der Deal umfasst einen Kredit von 400 Millionen US-Dollar sowie eine Option zum Kauf von Blockfi für 240 Millionen US-Dollar, wie Chef Zac Prince mitteilte. Berichten zufolge wurde der Unternehmenswert von Blockfi noch vor einem Jahr auf rund 5 Milliarden US-Dollar taxiert.

Und bereits seit drei Wochen haben die Kunden der Finanzplattform Celsius keinen Zugriff mehr auf ihr Geld. Celsius ist eine Plattform, auf der Nutzer Kryptogeld auf einer Wallet lagern können und dafür Zinsen einstreichen. Wie der Fachdienst The Block unter Berufung auf Insider berichtet, soll FTX auch hier an einem Rettungsdeal interessiert gewesen sein. Nach Blick in die Bilanzen mit einem Loch von 2 Milliarden US-Dollar habe man davon aber Abstand genommen. Berichte, die US-Großbank Goldmann Sachs an einer Übernahme von Celsius interessiert sei, wollten beide Parteien nicht kommentieren.

An Celsius wiederum hängen auch die Kundengelder auf den "Bitcoin-Ertragskonten" beim Berliner Startup Nuri. Sollte es zu einer Insolvenz bei Celsius kommen, wird wohl der Verlust an der Nuri-Kundschaft hängengeblieben – Einlagensicherung gibt es nicht und Nuri wird laut den eigenen Risikohinweisen ebenfalls nicht einspringen.

Begonnen hatte die derzeit durch die Kryptobranche ziehende Schockwelle beim Stablecoin TerraUSD, der Anfang Mai implodierte. Dutzende Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung gingen dabei verloren. In Südkorea ermitteln bereits die Behörden in der Sache gegen den Betreiber Terraform Labs, auch die US-Finanzaufsicht SEC habe Berichten nach schon Herausgabe von Dokumenten eingefordert.

Ob die Krise am Kryptomarkt noch weitere Firmen zur Strecke bringt, bleibt abzuwarten. Die bisherige Jahresentwicklung vieler Coins fällt jedenfalls wenig erfreulich aus. Seit Jahresbeginn hat der Bitcoin fast 60 Prozent seines Werts eingebüßt, Ether hat sogar mehr als 70 Prozent an Wert verloren. Der Sinkflug hat sich vor allem in den vergangenen Wochen beschleunigt, als Bitcoin & Co in den Abwärtssog einer allgemein schlechten Stimmung an den Finanzmärkten geraten sind. Trotz der zuletzt massiven Verluste konnte der Bitcoin in den vergangenen zehn Jahren deutlich an Wert zulegen. Aktuell liegt der Bitcoin-Kurs bei knapp unter 20.000 US-Dollar, Ether notiert bei etwas über 1000 US-Dollar.

Die Gründe für die hohen Kursverluste in den vergangenen Monaten sind zum Teil von der Rückkehr des Zinses beeinflusst. Auf der ganzen Welt heben viele Notenbanken ihre Leitzinsen an, um der hohen Inflation Herr zu werden. An den Kapitalmärkten steigen deshalb die Zinsen in historisch hohem Tempo. Riskante Anlagen, zu denen Kryptowerte gehören, werden durch die Entwicklung belastet, weil sie keine laufenden Erträge abwerfen.

(axk)