Forschende erradeln Daten für autonome Mikromobile

Künftige Lieferdienste könnten autonom unterwegs sein. In Freiberg und Magdeburg wurde per Fahrrad eruiert, wie die Bedingungen auf Rad- und Gehwegen aussehen.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 15 Beiträge

Eines der Fahrräder, mit denen Freiberg und Magdeburg erkundet wurden.

(Bild: TU Bergakademie Freiberg / C. Mokry)

Von
  • Andreas Wilkens

10.000 km Strecke haben Mitarbeitende und Studierende der TU Bergakademie Freiberg mit speziell ausgerüsteten Fahrrädern abgefahren, um der Frage nachzugehen: Sie die Geh- und Fahrradwege bereit für die Zukunft der Lieferdienste, insbesondere für autonome Mikromobile? Bisher öffentlich verfügbare Datensätze wie zum Beispiel Open Street Map reichten nicht aus, um sie zu beantworten, zumal auch Passanten berücksichtigt werden müssten. Die Daten müssten also an jedem Standort aufwändig manuell erhoben werden. Daher haben Forschende des Projekts AK_hoch_2 die Radler auf den Weg geschickt.

Ziel war es, auf Umgebungsparameter anhand von Datensätzen zu schließen. Die Fahrräder hatten eigens entwickelte Messboxen an Bord, die Beschleunigungswerte und Drehraten erfassen und Fotos knipsen sollten. Die Radfahrenden speicherten die Datensätze über ein Webportal in einer Datenbank, die im Hintergrund verarbeitet wurde. Die Datensätze wurden zum Beispiel durch Entfernen von Ziel- und Anfangspunkten anonymisiert und die individuellen Messdaten einzelnen Wegsegmenten zugeordnet.

Um die Bewegungsdaten in Bezug zu Höhenunterschieden im Untergrund abzubilden, erstellten die Forschenden ein Referenzmodell. Ausgehend von den Fahrradkonfigurationen konnten sie so die Geschwindigkeit und die Rauheit des Untergrundes quantifizieren. Die Wegbreiten und das Passantenaufkommen erfassten die Forschenden mit prototypischen Applikationen an den Fahrrädern. So sollten wichtige Grundlagen für die Diskussion möglicher Regularien für den Einsatz von Robotern in urbanen Szenarien entwickelt werden, erläutert Prof. Sebastian Zug von der Professur für Softwaretechnologie und Robotik der TU Bergakademie Freiberg.

Seine Arbeitsgruppe kümmert sich um autonome Mikromobile in verschiedenen Einsatzszenarien. Sie entwirft Methoden zur fehlertoleranten Umgebungserfassung, der Pfad- und Energieplanung sowie der Evaluation von Szenarien. "Wenn Post, Pakete oder Pizza in der Zukunft statt vom klassischen Lieferwagen von autonomen Robotern bis vor unsere Haustür geliefert werden, wird es auf den Geh- und Radwegen in Städten zu einer Konkurrenz-Situation kommen", erläutert Zug. Daher hat sich sein Team zusammen mit Forschenden der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg der Frage angenommen, wie sich Geh- und Radwege in typischen deutschen Städten eignen und wie sich zur Beantwortung dieser Frage die notwendigen Daten generieren lassen.

Übersicht des Nutzerinneninterface zur Verwaltung der pro Wegsegment aggregierten und gelabelten Daten.

(Bild: TU Bergakademie Freiberg)

Dr. Tom Assmann vom Institut für Logistik und Materialflusstechnik der Otto-von-Guericke-Universität sieht in autonomen Liefermobilen eine Alternative zu klassischen Lieferdiensten. Autonome Kleinstfahrzeuge könnten den Verkehr deutlich entlasten. Dabei müssten nicht nur Gehwegbreite und -beschaffenheit erfasst werden, sondern auch das mögliche Passantenaufkommen und die übliche Geschwindigkeit von Radfahrenden. Gleichzeitig könnten auf der Basis von autonom operierenden Systemen effizientere Verleihsysteme für Fahrräder entworfen werden.

Autonome Lieferdienste sind in Deutschland noch nicht üblich. Anders sieht es in den USA aus, wo Amazon beispielsweise vor gut zwei Jahren damit begann, Pakete mit einem autonomen Mikromobil auszuliefern. Diverse Unternehmen testen seit diversen Jahren solche Liefermöglichkeiten.

(anw)