Forscher wollen Reste des ersten interstellaren Meteoriten aus dem Meer bergen

2014 ist ein Meteorit in der Erdatmosphäre verglüht, der wohl nicht aus dem Sonnensystem stammte. Überreste davon sollen vom Meeresgrund geborgen werden.

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(Bild: Marko Aliaksandr/Shutterstock.com)

Eine Forschungsgruppe aus den USA will die Überreste des ersten beobachteten interstellaren Objekts bergen, das im August 2014 auf die Erde gestürzt ist. Die Gruppe um den Astrophysiker Amir Siraj ist überzeugt, den Einschlagsort des Meteoriten auf ein Areal von 10 km × 10 km in der Bismarcksee am Rande des Pazifiks eingegrenzt zu haben. Weil das Objekt ihrer Überzeugung nach magnetisch sein sollte, gehen sie davon aus, dass sie es innerhalb von zehn Tagen bei einer systematischen Suche mit einem speziellen Schlitten finden und bergen können.

Die Analyse des ersten interstellaren Meteoriten verspreche wichtige Erkenntnisse über unsere kosmische Nachbarschaft. Die Expedition nach Papua-Neuguinea zur Bergung kleinster Fragmente werde jedenfalls bereits geplant.

Das Objekt mit der Bezeichnung CNEOS 2014-01-08 war 2014 auf die Erde gestürzt und von automatischen Überwachungssystemen beobachtet worden. Siraj hatte den Einschlag in einer Meteoriten-Datenbank der NASA entdeckt. Die immense Geschwindigkeit von 200.000 Kilometern pro Stunde war der ausschlaggebende Hinweis dafür, dass der Meteorit seinen Ursprung nicht im Sonnensystem gehabt haben dürfte.

Die wissenschaftliche Arbeit zu der Entdeckung wartet aber seit Jahren auf eine Veröffentlichung: Weil einige der Sensoren, mit denen Meteoriten und Feuerbälle automatisch erfasst werden, dem US-Militär gehören und auch zur Suche nach Nukleardetonationen dienen, sind die damit gesammelten Daten geheim. Erst im April hatte das US-Militär den Fund überhaupt bestätigt und damit die weitere Forschung ermöglicht.

Sollten tatsächlich Fragmente des Meteoriten existieren, wäre ihr wissenschaftlicher Wert unermesslich. Es wäre das erste Material von außerhalb unseres Sonnensystems, das direkt analysiert werden könnte. Überhaupt ist CNEOS 2014-01-08 erst das dritte interstellare Objekt, das im Sonnensystem entdeckt wird, er schlug aber Jahre vor den Durchflügen von 2I/Borisov und ʻOumuamua ein.

Zusammen mit dem Ozeanografen Timothy Gallaudet haben Siraj und sein Professor Avi Loeb ermittelt, dass der Meteorit etwa 300 km nördlich der Insel Manus in die Bismarcksee gestürzt sein muss. Dort sei das Meer etwa 1,7 km tief. Mit dem magnetischen Schlitten wollen sie Fragmente bergen, die lediglich 0,1 mm groß sind. Die Erläuterung ihres Plans hat die Gruppe beim Fachmagazin Journal of Astronomical Instrumentation eingereicht, noch ist die nicht unabhängig überprüft.

(mho)