Forschung: Sexismus-Vorwürfe gegen Max-Planck-Gesellschaft

Nachdem die Direktorin eines Max-Planck-Instituts abberufen wurde, wird Kritik laut. Frauen in Führungsrollen würden anders beurteilt als Männer.

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(Bild: Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte)

Von
  • Martin Holland

Nachdem eine Direktorin am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte ihren Posten verloren hat, wächst der Druck auf die Max-Planck-Gesellschaft. 145 Wissenschaftlerinnen aus aller Welt kritisieren die Forschungsgesellschaft und erheben den Vorwurf, dass weibliche Führungskräfte strenger beurteilt würden. Frauen würde außerdem öfter vorgeworfen, ihre Führungsrolle nicht auszufüllen. Die Gesellschaft solle ihre Statistiken überprüfen und ermitteln, ob Frauen überproportional häufig vor dem Ruhestand ihre Stellen verlieren oder Sanktionen beziehungsweise Herabstufungen über sich ergehen lassen müssten, zitiert das US-Wissenschaftsmagazin Nature aus dem Brief. Die Max-Planck-Gesellschaft hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Anlass für die Kritik ist der Fall der aus Kanada stammenden Archäologin Nicole Boivin. Ihr war Ende Oktober die Leitungsfunktion über das Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena entzogen worden. Dort war sie neben zwei Männern Direktorin. Ihrer Abberufung ging der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge eine mehrjährige Untersuchung von Mobbing-Vorwürfen voraus, außerdem hätten sich wohl Forscherinnen untergraben und respektlos behandelt gefühlt. Boivin wehrt sich vor Gericht gegen ihre Abberufung, eine erste Entscheidung wird laut Nature Anfang Dezember erwartet.

Die Debatte ist kompliziert und öffentlich nur zum Teil nachzuvollziehen, weil wichtige Dokumente vertraulich sind. Für Bovin gibt es viel Unterstützung, das Vorgehen der Max-Planck-Gesellschaft finde aber auch Unterstützung. Nature zitiert unter anderem die erste deutsche Medizin-Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard vom Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, die eine Rücknahme der Abberufung fordert. Sie meint, dass es offensichtlich tiefsietzende, nicht anerkannte Vorurteile gegen Frauen in Führungsrollen gebe, aufgrund derer sie anders – und harscher – beurteilt würden als Männer. Auch von Angestellten ihres Instituts bekommt Boivin Unterstützung.

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(mho)