Fotobuch: Bilder für die Pressefreiheit 2021

Reporter ohne Grenzen berichten jährlich am 3. Mai, dem Tag der Pressefreiheit, über deren Situation weltweit mit einem Fotobuch.

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(Bild: Violetta Savchits)

Von
  • Christine Bruns

Presse- und Meinungsfreiheit sind Grundrechte, die in vielen Länder und für viele Menschen keinesfalls selbstverständlich sind. Reporter ohne Grenzen e.V. (RSF) beobachtet die Situation von Journalistinnen und Jounalisten weltweit, informiert über Verstöße und hilft Betroffenen. Das jährlich zum Tag der Pressefreiheit erscheinende Buch soll dazu beitragen, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren.

Mit dem 19. Artikel der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948 startet das Buch die Auflistung einschneidender Ereignisse verschiedener Berichterstatter:

"Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten zu vertreten sowie Informationen und Ideen mit allen Kommunikationsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten."

Durch die Covid-19-Pandemie hat sich die vielerorts bereits bedenkliche oder schwierige Situation zusätzlich verschärft. Das Infektionsgeschehen erlaubt eine Abschirmung von Missständen unter dem Vorwand von Gesundheitsschutz. Welche Auswirkungen dies hat, zeigen die Bilder von Lalo De Almeida aus den Slums von Brasilien, Yasin Akgüls Fotos aus der Türkei oder Lindokuhle Sobekwas Reportage aus Südafrikas Township Thokoza.

Bilder Für die Pressefreiheit (6 Bilder)

Das Fotobuch „Fotos für die Pressefreiheit 2021“ versammelt bewegende Bilder von wichtigen Brennpunkten aus dem zurückliegenden Jahr. Renommierte Fotografinnen und Fotografen dokumentieren darin die dramatischen Auswirkungen der Corona-Pandemie in Brasilien oder Südafrika, die Freiheitsbewegung in Belarus und das zunehmende Elend von Geflüchteten an den Grenzen der Europäischen Union.
(Bild: STR/ AFP/ Getty Images/ Reporter ohne Grenzen)

Die Ausgabe wird mit einem Titelbild eingeführt, welches das vergangene Jahr symbolisiert. Krankenschwestern stehen in Wuhan in einer verordneten Zeremonie in Reih und Glied – gefeiert wird der weltweite Tag der Pflege. Unbekannt bleibt der Fotograf – aus Sicherheitsgründen. Denn seit Ausbruch der Pandemie verschwanden in China nach dem RSF bereits verschiedenen Medienschaffende sowie deren Informanten, da sie die Missstände aufzeigen wollten. 199 inhaftierte Journalisten zählt der RSF im Land. Dazu kommen Filter, die das Internet und soziale Medien nach ungewollten Inhalten scannen und eine weitreichende Zensur der Medien.

China steht mit diesem Vorgehen zwar an vorderster Front, leider aber nicht allein. Wo immer Machthaber sich selbst legitimieren, entsteht auch eine Gleichschaltung oder Einschüchterung der Presse. In Belarus geht beispielsweise Machthaber Alexander Lukaschenko mit Spezialeinheiten brutal gegen Demonstranten und Medienschaffende vor. Violetta Savchits beschreibt in einer offenen Reportage ihre eigenen Erlebnisse und Beobachtungen. Eindrucksvolle Fotos geben dem Betrachter einen sehr persönlichen Eindruck der Situation. Tim Franco porträtiert in einfühlsamer Weise Flüchtlinge aus Nordkorea, die heute in Seoul leben. Ihr Schicksal ist oft geprägt von jahrelangen Fluchtversuchen, Hunger und Angst und trotz allem auch Heimweh und der ständigen gefühlten Bedrohung durch den Norden.

Freie Medien werden in vielen Ländern zunehmend als Gefahr oder Störfaktor wahrgenommen. Bei Regimen wie dem von Kim Jong-un in Nordkorea erwartet dies jeder. Doch viel näher, innerhalb Europas, ändert sich die Lage Stück für Stück. In Ungarn werden freie Medien zum Teil von regierungsnahen Unternehmern finanziell abhängig gemacht, einflussreiche Positionen entsprechend besetzt. Sender verlieren Lizenzen und Werbeeinnahmen. Der RSF setzt sich derzeit dafür ein, dass die Europäische Union hier verstärkt eingreift, um dem entgegenzuwirken.

Anfang 2021 stand der Wikileaks-Gründer Julian Assange in Großbritannien vor Gericht. Die USA bestehen weiterhin auf einer Auslieferung. Diese wurde lediglich im Hinblick auf seine Gesundheit abgelehnt. Assange, der 2010 Hunderttausende brisanter Militär- und Diplomatendokumente veröffentlichte, sitzt derzeit weiterhin in einem Hochsicherheitsgefängnis bei London und soll unter Depressionen und Suizidgedanken leiden. Der RSF sieht hier die Gefahr, Investigativjournalisten weltweit einzuschüchtern.

Auch wenn die Pressefreiheit in Deutschland im weltweiten Durchschnitt sehr gut abschneidet, gibt es auch hier Versuche, sie zu untergraben. So klagte Reporter ohne Grenzen erfolgreich gegen das neue BND-Gesetz, dass die Massenüberwachung auch von Journalisten erlauben sollte. Medienschaffende wurden auf Demos angegriffen, Künstler aufgrund freier Meinungsäußerung diffamiert. Stufte der RSF Deutschland im Zuge der Pressefreiheit bisher als gut ein, fiel die Bundesrepublik nun auf befriedigend zurück.

Das Fotobuch "Bilder für die Pressefreiheit" erhalten Sie ab heute im Online-Shop des RSF. Das Buch ist mit einem Softcover gebunden, und umfasst 105 Seiten mit zum Teil großflächig gedruckten Schwarz-Weiß- sowie Farbfotos. Sie finden es auch im Buchhandel unter der ISBN 978-3-937683-90-4. Der Preis liegt bei 16 Euro.

(cbr)