Foxconn kauft Lordstown-Fabrik in den USA, steigt in Elektroauto-Produktion ein

Taiwanischer Hersteller investiert in kriselndes E-Auto-Startup, übernimmt Fabrik für 230 Millionen Dollar. Beide Firmen unterstützen sich damit gegenseitig.

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Ex-Vizepräsident Mike Pence neben Lordstown Motors Endurance Pickup 2020 in der Fabrik von Lordstown Motors in Lordstown, Ohio

Ex-Vizepräsident Mike Pence neben Lordstown Motors Endurance Pickup 2020 in der Fabrik von Lordstown Motors in Lordstown, Ohio.

(Bild: Official White House Photo by D. Myles Cullen)

Von
  • Frank Schräer

Der taiwanische Foxconn-Konzern steigt mit der Übernahme der Autofabrik von Lordstown Motors konkret in die Produktion von Elektrofahrzeugen ein. Das lässt sich Foxconn insgesamt 230 Millionen US-Dollar (umgerechnet 201 Millionen Euro) kosten. Damit bekommen die Taiwaner eine Fertigungsanlage für ihre Elektroauto-Ambitionen, während das Lordstown-Startup dringend benötigtes Kapital erhält.

Außerdem planen beide Unternehmen eine Vereinbarung zur Fertigung von Lordstowns erstem Produkt, dem Elektro-Pickup namens Endurance, in der Fabrik im US-Bundesstaat Ohio. Dies soll bis Ende April 2022 unterzeichnet werden. Lordstown Motors hatte die Autofabrik im gleichnamigen Ort 2019 seinerseits von General Motors übernommen, nachdem der US-Autobauer diese im gleichen Jahr geschlossen hatte.

In diesem Jahr geriet Lordstown Motors in die Krise. Dem US-Startup ging trotz Unterstützung des Ex-Präsidenten Trump und einiger Investoren das Geld aus, um die Produktion in Stückzahlen aufzunehmen und den Marktauftritt solcher Fahrzeuge zu finanzieren. Im Juni dieses Jahres wurden bei Lordstown Motors CEO und Finanzchef entlassen. Die Produktion des Pickups sollte aber anlaufen, wenn auch in geringerem Umfang. Das ebenfalls geplante elektrische Wohnmobil auf Basis des Endurance wurde dagegen auf die lange Bank geschoben.

Der bislang vorwiegend für die Fertigung von Elektronikgeräten wie Apples iPhones bekannte Foxconn-Konzern hat kürzlich erst seinen Einstieg in die E-Auto-Produktion proklamiert. Dafür wurden neben eigenen Fahrzeugen wie Limousine, SUV und Bus auch eine Fahrzeugplattform für Elektroautos entwickelt: Die "MIH EV Open Platform" umfasst Fahrgestell, Elektronikarchitektur und Unterstützung für autonomes Fahren. Dieses Paket bietet das Unternehmen auch anderen Firmen an.

Im Sommer wurde berichtet, dass Foxconn Elektroautos in den USA, Thailand und vielleicht Europa bauen will und dafür Standorte suche. Mit der Autofabrik in Lordstown wird nun ein Anfang gemacht. Neben Lordstowns Pickup sollen dort laut Vereinbarung auch Elektrofahrzeuge der PEAR-Serie (Personal Electric Automotive Revolution) von Fisker produziert werden. Diese E-Autos sollen bereits für weniger als 30.000 Dollar in den Handel kommen.

Lordstown Motors verspricht sich von der Kooperation mit Foxconn durch die Erfahrung der Taiwanesen in der Lieferkette und der Integration von Software und Hardware – bei Elektroautos wichtiger als bei Verbrennern – Kosten- und Marktvorteile. Nachdem der Aktienkurs von Lordstown Motors im Laufe dieses Jahres deutlich nachgegeben hatte, ist er in den letzten Tagen um mehr als 20 Prozent angestiegen.

Foxconn hat neben dem Fabrikkauf außerdem Lordstown-Aktien im Wert von 50 Millionen Dollar erworben und bekommt im Rahmen der Vereinbarung nach Abschluss außerdem 1,7 Millionen Aktienoptionsscheine von Lordstown Motors. Die erste Rate für die Autofabrik in Höhe von 100 Millionen Dollar wird am 18. November 2021 fällig. Die Übernahme der Fabrik soll im April 2022 abgeschlossen werden.

(fds)