Frankreich führt "Reparierbarkeits-Index" für Elektronikprodukte ein

Von Januar an müssen Hersteller von Smartphones, TVs und weiteren Geräten mitteilen, wie reparaturfreundlich ihre Produkte sind.

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Smartphone wird repariert

(Bild: Shutterstock)

Von
  • Christian Wölbert

Frankreich will zum europäischen Vorreiter in Sachen umweltfreundlicher Elektronik werden. Am 1. Januar 2021 führt das Land einen verpflichtenden "Reparierbarkeits-Index" für eine Reihe von Produkten ein – und zwar für Smartphones, PCs, Fernseher, Waschmaschinen und elektrische Rasenmäher. Der "Indice de réparabilité" soll Verbrauchern zeigen, wie einfach und günstig ein Gerät repariert werden kann.

Die Skala reicht von eins bis zehn.

Die Grundlage des Index' ist das im Februar erlassene Gesetz zu Abfallbekämpfung und Kreislaufwirtschaft. In die Berechnung fließen Dutzende Kriterien ein, zum Beispiel die Zahl der Arbeitsschritte, die nötig ist, um den Akku, das Display oder die Kamera auszutauschen. Auch die Verfügbarkeit und die Preise der Ersatzteile werden berücksichtigt. Dabei werden die Ersatzteilpreise ins Verhältnis zum Kaufpreis des gesamten Gerätes gesetzt.

Die Hersteller müssen ihren Punktwert anhand des offiziellen Kriterienkatalogs ermitteln und an Händler weitergeben. Diese wiederum müssen die Verbraucher informieren. Falschangaben sollen von 2022 an bestraft werden können.

Aus Sicht der französischen Verbraucherschutzorganisation HOP ist der Index „nicht perfekt“, aber ein guter erster Schritt. Die Kriterien müssten regelmäßig nachgeschärft werden, fordern die Aktivisten. Außerdem müssten Verbraucher außer dem Gesamtwert auch Details erfahren, etwa zur Verfügbarkeit von Ersatzteilen.

Von Anfang 2024 an plant Frankreich einen verpflichtenden "Haltbarkeitsindex". Dieser soll die Zuverlässigkeit und Robustheit von Produkten anzeigen und den Reparaturindex ergänzen oder ersetzen, heißt es in Artikel 16 des Umweltgesetzes vom Februar.

Die Europäische Kommission will ebenfalls die Reparierbarkeit von Elektronikprodukten vereinfachen: Sie verpflichtet zum Beispiel Hersteller von Fernsehern und Haushaltsgeräten, Ersatzteile vorrätig zu halten. Einen europaweiten Reparierbarkeits-Index gibt es aber noch nicht.

(cwo)