Freelancer: SAP-Skills fürstlich entlohnt, Pandemiesorgen abgelegt

Die neue Studie von freelancermap zeigt positive Trends: Stundensätze von IT- und Engineering-Freelancern steigen, Corona beeinflusst die Geschäfte kaum noch.

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(Bild: fizkes/Shutterstock.com)

Von
  • Achim Born

Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie legte der Stundensatz, den Freiberufler und Selbstständige mit IT-Fokus aktuell erzielen, wieder kräftig zu. Mit einem Plus von knapp zwei Euro auf 96 Euro erklimmt der durchschnittlichen Satz einen neuen Höchststand. Zu diesem Resultat gelangt der jüngste Freelancer-Kompass, für den die Projekt-Pattform freelancemap die Antworten von über 2100 Teilnehmenden aus der DACH-Region auswertete.

Absolute Topverdienende sind Menschen mit SAP-Skills, deren Stundenlohn sich im Schnitt auf stolze 116 Euro beläuft und damit elf Euro höher als 2021 liegt. Das beachtliche Plus bestätigt einmal mehr, wie gefragt das Fachgebiet momentan für Unternehmen ist. Bereits zum letzten Jahreswechsel hatten die in Nürnberg ansässige Vermittlungsplattform in ihrer Freelancer-Trends-Studie auf diese Entwicklung aufmerksam gemacht.

Freelancer-Kompass 2022 (4 Bilder)

Die historische Entwicklung des durchschnittlichen Freelancer-Stundensatzes.
(Bild: freelancermap/Freelancer-Kompass 2022)

Leidtragende sind die Tätigen mit Beratungs- und Management-Skills, die vormaligen Spitzenverdiener, die derzeit lediglich mit 113 Euro – nur zwei Euro mehr als im Vorjahr – kalkulieren dürfen. Das Schlusslicht bilden mit durchschnittlich 66 Euro die Bereiche Medien, Content und Grafik. Immerhin streichen sie damit vier Euro mehr als 2021 ein. Das ändert allerdings nichts daran, dass die hier Tätigen mit Abstand den höchsten „Unzufriedenheitswert“ in Sachen Salär aufweisen. Konkret sind 61 Prozent mehr oder minder verdrossen über die Einkommenshöhe. Mit einer Rate von 39 Prozent Einkommenszufriedenheit liegen sie deutlich unter dem Durchschnitt aller Branchen von insgesamt 72 Prozent. Wenig überraschend zeigen die SAP-Experten mit 83 Prozent den höchsten „Zufriedenheitswert“.

Neben Aufgabenrolle, Branche und Fachgebiet üben Ort und Region einen beachtlichen Einfluss auf die Stundensatz-Höhe aus. Die Bandbreite reicht in Deutschland laut dem 2022er Kompass von 76 Euro bis zu 102 Euro. Mit Baden-Württemberg (101 Euro), Hamburg (102 Euro) und dem Saarland (102 Euro) befinden sich drei Bundesländer über der Hundert-Euro-Marke. 2021 konnte kein Bundesland diese Hürde nehmen. Das Schlusslicht bildet einmal mehr Bremen (67 Euro). Mecklenburg-Vorpommern (88 Euro) und Thüringen (76 Euro) „scheitern“ ebenfalls an der 90 Euro-Hürde.

Besonders auffällig bei der Betrachtung des monatlichen Nettoeinkommens ist, dass es keinem der sogenannten neuen Bundesländer gelingt, über die 5000 Euro-Marke zu springen. Hier ist das Saarland Spitzenreiter mit 7900 Euro pro Monat, gefolgt von Hamburg mit 6922 Euro. Nach Abzug des Aufwandes für Steuern, Sozialabgaben, Versicherungen, Büro et cetera nehmen Freelancer im Durchschnitt pro Monat aktuell 6178 Euro und damit 211 Euro mehr als 2021 mit nach Hause.

Die Lage zählt: Die Unterschiede im Stundensatz sind sehr groß.

(Bild: freelancermap/Freelancer-Kompass 2022)

Angesichts des vielbeschworenen Fachkräftemangels blicken die IT-Selbstständigen erwartungsgemäß optimistisch auf die Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Berufssituation. Die aktuelle Auftragslage für Selbstständige sieht jedenfalls vielversprechend aus: Aufgrund der eigenen Kapazitätsauslastung bearbeiten Freiberufler im Schnitt jährlich nur 9 von 94 angebotenen Projekten.

Als gut bis sehr gut bezeichnen 67 Prozent ihre Auftragslage (2021: 54 Prozent). Die Zahl derer, die von einer schlechten bis sehr schlechten Situation sprechen, hat sich auf sieben Prozent halbiert. Plagten 2021 noch jeden Fünften Existenzängste aufgrund der Pandemie, schaut in der aktuellen Umfrage nur noch jeder Siebte in diesem Punkt sorgenvoll auf die Zukunft.

Freelancermap veröffentlicht seinen Freelancer-Kompass jährlich. Die Ausgabe im vergangenen Jahr fiel nicht ganz so euphorisch aus. Die gesamte Studie gibt es auf der Seite des Anbieters zum kostenlosen Download.

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(jvo)