Freie Bildbearbeitung Gimp wird 25 Jahre alt

Die kostenlose Open-Source-Bildbearbeitung Gimp feiert 25. Geburtstag. Für Software ist das ein nahezu biblisches Alter. Eine vorläufige Bilanz.

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Im Jahr 2004 lassen sich in Gimp 2.0 dank GTK2+ erstmals mehrere Paletten platzsparend in einem Container unterbringen.

Von
  • André Kramer

Am 21. November 1995 veröffentlichen Spencer Kimball und Peter Mattis die erste öffentliche Betaversion von Gimp für Linux, Solaris und Unix. Das Programm entstand im Rahmen eines Semesterprojekts an der Berkeley-Universität in Kalifornien. Gimp steht für "General Image Manipulation Program" – in der BDSM-Szene aber auch für eine devote Person. Die Entwickler ließen sich von dem 1994 erschienenen Tarantino-Film Pulp Fiction zur Namensgebung inspirieren.

Die im Januar 1996 veröffentlichte erste offizielle Version trägt die Nummer 0.54. Gimp ist ab jetzt nicht mehr aufzuhalten und setzt zu einem beispiellosen Siegeszug an. Nach einem Treffen mit GNU-Gründer Richard Stallman im Jahr darauf ändern Kimball und Mattis den Namen ihres Programms akronymneutral in "GNU Image Manipulation Program". Und disen Namen trägt es bis heute.

Erst im Juni 1998 bekommt Gimp den Status 1.0 und eine Speicherverwaltung, die es ermöglicht große Bilddateien zu öffnen. Außerdem kann Gimp 1.0 Dateien im eigenen XCF-Format inklusive Ebenen ablegen und Skripte der Sprache Skript-Fu ausführen. Mittlerweile steht das Programm auch für Windows und macOS zur Verfügung. Es ist aber eine Zeit, die Nutzern einiges abverlangt, beispielsweise den Installer für ihre Plattform selbst zu kompilieren und das GUI-Toolkit GTK+ manuell zu installieren.

Gimp 2.0 erscheint schon im Dezember 2004, bringt aber keine weltbewegenden Neuerungen. Es kann SVG-Dateien importieren und ausgeben und bringt einfache Funktionen für das Farbmodell CMYK sowie die Druckvorstufe.

Gimp 2.4 bringt ICC-Farbmanagementsystem und Drucksimulation. Beim Öffnen von Dateien fragt das Programm, ob es eingebettete ICC-Profile interpretieren oder verwerfen soll.

Im Oktober 2008 legen die Entwickler mit Gimp 2.6 die Grundlage für den Umstieg auf die neue Grafikbibliothek GEGL. Sie verspricht vollständige ICC-Farbverwaltung und Bildverarbeitung in 32 Bit Farbtiefe pro Kanal – wahlweise in Gleitkommaoperationen. Vorerst arbeitet Gimp 2.8 aber weiterhin lediglich mit 8 Bit Farbtiefe pro Kanal. Mit Gimp 2.8 kommt auch ein optionaler Ein-Fenster-Modus, der die bis dahin üblichen drei schwebenden Paletten in einem Dock zusammenfasst.

Gimp 2.8 läuft erstmals auf Wunsch im Ein-Fenster-Modus.

Zehn weitere Jahre sollte es dauern, bis 2018 die Umstellung auf GEGL mit Gimp 2.10 abgeschlossen ist, dem direkten Nachfolger von Gimp 2.8 übrigens. Die ungeraden Versionsnummern sind den Entwicklerversionen vorbehalten. Endlich ist die ersehnte hohe Farbtiefe Realität. Außerdem bringt GEGL sofortige Vorschau im Dokumentenfenster von Filtern wie dem Gauß'schen Weichzeichner oder des Unscharfen Maskierens. Die aktuelle Entwicklerversion 2.99 verspricht Unterstützung für HiDPI-Monitore, verbesserte Unterstützung für Grafik-Tablets und ein neues Plugin-API.

Gimp 2.10 implementiert GEGL vollständig und zeigt unter anderem die Wirkung von Effekten live im Dokumentenfenster.

Mittlerweile stehen fertig kompilierte Installer wie selbstverständlich unter Gimp.org zum Download bereit. Unzählige Bücher, Artikel und Videos erklären die Bedienung. Gimp wird im Erwachsenenalter benutzerfreundlicher. Die freie Bildbearbeitung hat einen festen Platz auf etlichen PCs und ist aus der Open-Source-Welt nicht mehr wegzudenken. Wir gratulieren und freuen uns auf weitere 25 Jahre.

(akr)