Freitag: Apple-Scans, Foxconn-Chips, Facebook-Kritik, Stress-Bot & Beauty-Filter

iPhone-Scanning alarmiert Experten + Foxconn kauft Chip-Fabrik + USA kritisieren Zuckerberg + Krankenkassen zahlen für Chatbot + Massenexperiment Gesichtsfilter

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen
4 junge Menschen am Handy

(Bild: View Apart / Shutterstock.com)

Von
  • Frank Schräer

Apple hat Maßnahmen für den Kinderschutz angekündigt, die nicht nur umstritten sind, sondern auch Sicherheitsforscher alarmiert haben. Der iKonzern will nämlich nicht nur die Bilder seiner Cloud-Datenbank auf Kinderpornos scannen, sondern auch die iPhones selbst – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.

Apple will mit iPadOS 15 und iOS 15 eine neue Funktion einführen, mit der die Foto-Bibliothek von iPad- und iPhone-Nutzern auf kinderpornografisches Material untersucht werden kann, um die Inhalte dann den zuständigen Behörden zu melden. Sicherheitsforscher fürchten, dass die Funktion zu weitreichend ist, denn es soll künftig auch auf Handys angewendet werden. Sicherheitsforscher sind alarmiert ob des iPhone-Scannings auf Kinderpornos.

iPhone-Fertiger Foxconn stellt sich dagegen breiter auf und stellt künftig eigene Mikrochips her. Dafür übernimmt Foxconn in Taiwan eine Halbleiterfertigungsstätte. Macronix produziert dort bislang Chips auf Basis von Siliziumkarbid – ein nach Ansicht Foxconns wichtiger Teil von Elektroautos. Da diese mittlerweile eine hohe Priorität in der Unternehmensstrategie einnehmen, kauft Foxconns eine Halbleiter-Fabrik für Kraftfahrzeuge.

Mit der eigenen Fabrik erspart sich Foxconn Stress mit Chip-Lieferanten, aber gegen Stress hilft auch die App Pocketcoach. Diese leitet zu einfachen Übungen zur Stärkung der geistigen Gesundheit an. Zum ersten Mal erstatten deutsche gesetzliche Krankenkassen die Kosten für einen Chatbot wie diesen. Während einige Angebote gebührenfrei sind, kostet ein achtwöchiger Kurs 100 Euro. Da dieser Chatbot bei Stress hilft, bezahlt ihn nun auch die Krankenkasse.

Die Krankenkasse hilft leider nicht beim Streit mit oder auf Facebook, aber Ärger gibt es trotzdem. Mit einer Browser-Erweiterung namens AdObserver möchten Forscher empirisch herausfinden, wem Facebook wann welche politischen Anzeigen vorsetzt. Facebook verhindert das durch technische Maßnahmen und behauptet, die Sperre sei Teil eines von der US-Handelsbehörde FTC auferlegten Datenschutzprogramms. Diese Chuzpe treibt die FTC auf die Palme, sodass die US-Behörde Zuckerberg die Leviten liest.

Apropos soziale Netzwerke: Als Augmented-Reality-Gesichtsfilter zum ersten Mal dort auftauchten, waren sie ein Gimmick, eine Art virtuelles Verkleidungsspiel, um wie ein Tier auszusehen oder sich plötzlich einen Schnurrbart wachsen zu lassen. Heute jedoch wollen vor allem Mädchen im Teenageralter mit solchen Filtern ihr Aussehen verschönern, indem sie Gesicht und Körperteile schärfen, verschlanken oder neu einfärben. Nach Ansicht von MIT Technology Review sind Schönheitsfilter ein Massenexperiment an Mädchen und jungen Frauen.

Eine App ganz anderer Art ist CDU-connect. Die Berliner Softwareentwicklerin Lilith Wittmann hatte im Mai in dieser Handy-App der Partei gravierende Sicherheitslücken entdeckt. Im Zuge eines Responsible Disclosure informierte sie auch die CDU. Daraus ergab sich erst ein Jobangebot, dann eine Drohung und schließlich eine inzwischen zurückgezogene Anzeige. Das Ermittlungsverfahren läuft allerdings noch. Im Interview erklärt Wittmann die Lücken in der connect-App: Wenn eine Hackerin bei der CDU anruft.

Auch noch wichtig:

  • Sachsen-Anhalt hat die geplante Anhebung des Rundfunkbeitrags zum Jahreswechsel blockiert. Das geht so nicht, sagt das Bundesverfassungsgericht, und bestätigt die Erhöhung.
  • Toyota als weltgrößter Autobauer steht bei Elektrofahrzeugen weiter auf der Bremse. Dennoch traut die Börse dem Konzern zu, zukunftsfähig zu bleiben. MIT Technology Review erklärt, was hinter Toyotas verwirrender E-Auto-Strategie steckt.
  • Heute vor genau 60 Jahren startete German Titow im Raumschiff Wostok 2 zum zweiten orbitalen Raumflug.

(fds)