Freiwillige gesucht: Forschungsteam lässt nach "Quallen-Galaxien" fahnden

Die gigantische Simulation des Universums IllustrisTNG wird weiter erforscht. Jetzt braucht es Menschen, um darin ganz bestimmte Galaxien zu finden.

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Beispiele für "Quallen-Galaxien"

(Bild: IllustrisTNG collaboration)

Von
  • Martin Holland

Eine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Astronomie bittet Freiwillige in aller Welt, ihr bei der Identifizierung von Galaxien zu helfen, die aus einer gigantischen Simulation stammen und wie Quallen aussehen. Dazu hat das Team ein Projekt auf der Plattform Zooniverse eingerichtet, auf der jede:r mit einem Computer bei derartigen Projekten helfen kann. In unserem Universum haben solche quallenförmigen Galaxien interessante Wechselwirkungen mit dem Gas eines Galaxienhaufens hinter sich, erklärt das Team. Welche genau, wollen sie anhand von Daten aus Simulationen des Universums erforschen, dazu müssen sie diese Galaxien erst einmal finden und hier kommt Zooniverse ins Spiel. Mit der Hilfe der Plattform sollen 38.000 Bilder von Galaxien klassifiziert werden.

Wie das Team nun erklärt, wird Gas in Galaxien durch die Gravitation der Sterne und des Gases selbst zusammengehalten. Übersteige der durch die Bewegung der Galaxien ausgelöste Staudruck diese Gravitation, werde es aber hinaus gedrückt – während die Sterne nicht betroffen sind – und das in einem ganz charakteristischen Muster. Es entsteht ein ausgedehnter Schweif, der auch bereits von Teleskopen nachgewiesen wurde: "Wie Haare, die im Wind flattern, zeigen die Gasschweife die Bewegungsrichtung der Galaxie an." Durch die Analyse dieser Schweife könne man etwas über das Gas innerhalb von Galaxien lernen, aber auch über die Eigenschaften des gasförmigen Mediums um sie herum.

Da dieser Prozess aber über Hunderte Millionen oder sogar Milliarden Jahre andauern, könnten sie nicht in Echtzeit untersucht werden. Stattdessen setzt man in der Forschung unter anderem auf gigantische Simulationen virtueller Universen in Supercomputern. Quallen-Galaxien wurde dabei erstmals in jener namens IllustrisTNG simuliert, erklärt das Team. In deren Daten können sie auch jeweils die individuelle Geschichte der Galaxien einsehen und genau da wollen sie ansetzen. Dazu müssen sie in der Simulation aber erst einmal genügend Galaxien in Quallenform finden, denn Computer können dabei nicht helfen, auch wenn sie für die Simulation verantwortlich sind. Die menschliche Mustererkennung sei hier einfach überlegen.

In einem Pilotprojekt seien unter 2600 Kandidaten 800 Quallen-Galaxien gefunden worden, nun geht es aber um ganz andere Mengen. Die können die Forscherinnen und Forscher um Annalisa Pillepich vom Max-Planck-Institut für Astronomie aber nicht mehr alleine bewältigen. Deswegen bitten sie um Mithilfe. Details und Beispiele für die gesuchte Galaxienform gibt es auf der Projektseite, dort kann man dann auch direkt mit der Identifizierung beginnen. Erste Exemplare wurden bereits gefunden, aber noch warten fast 38.000 Bilder.

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(mho)