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Online-DNA-Test überführt Fruchtbarkeitsarzt

Mit Hilfe eines DNA-Analyse-Dienstes zur Ahnenforschung fand eine Frau heraus, dass ihr biologischer Vater tatsächlich der Arzt ihrer Mutter war.

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(Bild: Gorodenkoff/Shutterstock.com)

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Nach Komplikationen bei ihrer ersten Schwangerschaft hat eine Frau, Arianna Huhn, sich für eine klinische Studie angemeldet, bei der sie die DNA-Proben von sich und ihren Eltern einreichen musste. Im weiteren Verlauf förderte dies einen Fall von Fruchtbarkeitsbetrug zu Tage, wie aus einem Bericht des US-Mediums The Verge hervorgeht.

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Das Internet ist voll von heißen IT-News und abgestandenem Pr0n. Dazwischen finden sich auch immer wieder Perlen, die zu schade sind für /dev/null.

In den 70er Jahren hatten sich Huhns Eltern für eine künstliche Befruchtung entschieden, bei der das Sperma ihres Vaters mit weiterem gemischt wurde. Der Arzt hatte empfohlen, die künstliche Befruchtung vor dem Kind geheim zu halten. Im Nachhinein kaum verwunderlich, denn wie Arianna Huhn herausfand, handelte es sich um das Sperma des Arztes, das die Eizelle ihrer Mutter befruchtete.

Als ihre Eltern ihr anlässlich der Studie sagten, dass ihr Vater nicht ihr biologischer Vater war, begann Huhn nach ihrem genetischen Hintergrund zu forschen. Sie machte einen DNA-Test über ein Testkit bei AncestryDNA und untersuchte akribisch alle Übereinstimmungen der Ergebnisse. Um die Freundesliste ihrer neuen Kontakte ebenfalls zu durchsuchen, nutzte sie auch Facebook. Ihre Suche führte sie auch zu dem Mann, der ihre Mutter befruchtet hatte. Dieser gab am Telefon jedoch an, eine Vasektomie durchgeführt zu haben. Doch erneut fand das Herkunftsanalyse-Unternehmen eine Übereinstimmung – ihre genetische Tante, die Schwester des Arztes.

Nach erneuter Konfrontation entschuldigte er sich, den Betrug nicht vorher zugegeben zu haben. Sein eigenes Sperma hatte er sonst seinem Kollegen für seine Patientinnen gespendet, während er das Sperma seines Kollegen für seine eigenen Patientinnen verwendete. Ihre Mutter sei allerdings die einzige, bei der er sein eigenes Sperma verwendet hatte. Außerdem waren sich ihre Mutter und er auch außerhalb des Arzt-Patienten-Verhältnisses bekannt, weshalb Huhn wohl auch keine rechtlichen Schritte einleitete. Um das Erlebte zu verarbeiten, trat sie außerdem der Facebook-Gruppe "Donor Deceived" mit inzwischen 113 Mitgliedern bei – einer Gruppe, in der Opfer von Fruchtbarkeitsbetrug sich austauschen.

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In den USA gibt es auf Bundesebene kein Gesetz gegen Fruchtbarkeitsbetrug – bei den Bundesstaaten bleibt eine Gesetzgebung nach Angaben von The Verge oft aus. Es fehle an Regulierung der Reproduktionsmedizin. Da immer mehr Menschen auf Ahnenkunde spezialisierte Dienste in Anspruch nehmen, werden Fruchtbarkeitsbetrügereien immer wieder entdeckt. Dabei stellt sich die Frage, ob es Spenderanonymität in Zeiten massentauglicher DNA-Testkits von 23andMe und AncestryDNA für den Hausgebrauch überhaupt geben kann.

2020 hatte die New York Post über einen Arzt berichtet, der 40 Jahre lang Patientinnen mit seinem Samen befruchtete. Im Jahr 2019 gab es einen Bericht über einen niederländischen Arzt, der auf diese Art und Weise schätzungsweise 200 Kinder gezeugt haben soll. In Deutschland darf ein Spender nicht mehr als 15 Kinder zeugen, in Großbritannien sind es bis zu 10 Familien. In einer Fruchtbarkeitsklinik in Los Angeles (Kalifornien) sei sogar zu einem Fall von Embryonenverwechslung gekommen.

(mack)