Früh übt sich: Sechs Spiele, die schon im Early Access ein Hit sind

Early Access, aber richtig: Heise online präsentiert sechs Spiele, die schon jetzt Spaß machen und niemanden abzocken.

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(Bild: heise online)

Von
  • Andreas Müller

Riesen-Hits wie "Minecraft", "Valheim" oder "Fortnite" begannen ihre Karriere als "Early Access"-Titel. Gemeint sind damit Spiele, die noch während ihrer aktiven Entwicklung veröffentlicht werden. Den Entwicklerteams beschert das frühe Einnahmen, die wieder in die Entwicklung gesteckt werden können, und jede Menge Feedback. Spielerinnen und Spieler sollten es sich dagegen gut überlegen, ob sie ihr Geld und ihre Zeit in unfertige Videospiele stecken wollen, die ihr Potenzial möglicherweise nie erreichen werden. Heise online hat deswegen mehrere Early-Access-Spiele zusammengetragen, die sich garantiert schon jetzt lohnen.

Auf den Spuren von "Wing Commander" oder “Freelancer“ geht es in "Everspace 2" auf eine rasante Actiontour durchs All. Spannende Dogfights, knifflige Bergungsmissionen oder die Belagerung einer Piratenbasis bieten eine enorme Missionsvielfalt, die schon in der Early-Access-Phase für stundenlangen Spielspaß sorgt. Die unkomplizierte Steuerung, spektakuläre Effekte und nicht zuletzt einer Prise Rollenspiel machen "Everspace 2" zu einem würdigen Nachfolger der alten Weltraumklassiker.

Dieses Konzept machte Rockfishs Weltraumoper bereits vom ersten Tag an zu einem Steam-Hit. Inzwischen ist ein erstes Inhalts-Update erschienen, Ende Juli folgt ein weiteres. Momentan peilen die Entwickler eine Veröffentlichung der finalen Version für Sommer 2022 an. Unsere Prognose: Anschnallen und Genießen. Mit "Everspace 2" scheint ein Traum für Fans klassischer Weltraumabenteuer wahr zu werden.

"Everspace 2" von Rockfish Games ist im Early Access für Windows erschienen. USK nicht geprüft. Es kostet ca. 38 €.

"Hardspace Shipbreaker" von Blackbird Interactive ist der Gegenentwurf zu herkömmlichen Survival-Abenteuern. Statt sich eine Basis zu bauen und auf Nahrungssuche zu gehen, nehmen wir hier alles auseinander. In der Rolle eines Abwrackers gleiten wir durch den Weltraum, zerteilen Raumschiffe und schmelzen Rohstoffe ein. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Bevor es losgeht, muss der Schrott nämlich erst mal gescannt werden. Danach müssen wir entscheiden, in welcher Reihenfolge wir alles auseinandernehmen, um in einem Zeitlimit den Schrott zu verwerten. Dafür gibt es reichlich Kohle und wer erfolgreich ist, schaltet neue und größere Schiffstypen und Ausrüstungsverbesserungen frei.

Auch wenn die Steuerung durch ihre Trägheit etwas gewöhnungsbedürftig ist, ist dieses Abwracken im All eine willkommene Abwechslung zum üblichen Basisbau. Das Team arbeitet seit 2016 am Spiel und hat im April 2020 die Early-Access-Phase gestartet. Seitdem wird das Spiel regelmäßig mit Updates versorgt. Ein Veröffentlichungsdatum der finalen Version steht aber noch in Sternen.

"Hardspace: Shipbreaker" von Blackbird Interactive, vertrieben von Focus Home Interactive, ist als Early-Access-Version für Windows erschienen. USK nicht geprüft. Es kostet ca. 25 €.

Das Rundentaktikspiel "Gloomhaven" von den Flaming Fowl Studios basiert auf dem gleichnamigen Brettspiel. Bis zu vier Abenteurer und Abenteurerinnen stürzen sich in dunkle Kellergewölbe und liefern sich mit Skeletten und sonstigen Monstern harte Gefechte. Statt guten Reflexen sind Taktik und gute Planung auf den Hexfeldern gefragt. Jede Aktion wird von Karten bestimmt, um die einzelnen Fähigkeiten der Helden auszuspielen. Die Sieger werden am Ende mit Gold und nützlicher Ausrüstung belohnt. Bis man die einzelnen Kartenwerte und besonderen Fähigkeiten ihrer Kämpfer, Diebinnen und Zauberer beherrscht, vergehen unzählige spannende Spielstunden.

Satte zehn Kilo wiegt die preisgekrönte Basisversion der Vorlage, die mit Miniaturen und Spielmaterial vollgepackt ist. Entwickler Flaming Fowl will am Ende ein Komplettpaket abliefern und werkelt schon seit rund zwei Jahren in der Early-Access-Phase an der Computerspielumsetzung. Bis die 17 spielbaren Charaktere und die 95 Spielszenarien fertig sind, wird es noch etwas dauern. Bisher dürfen wir uns besonders im "Guildmaster"-Modus austoben, in dem wir die Welt frei erkunden dürfen. Eine Story-Kampagne soll mit der Veröffentlichung der finalen Version irgendwann 2021 folgen.

"Gloomhaven" von Flaming Fowl Studios, vertrieben von Asmodee Digital, ist als Early-Access-Version für Windows erschienen. USK nicht geprüft. Es kostet ca. 25 €.

Trailer zu "Mount & Blade 2: Bannerlord"

Jetzt wird’s ernst. "Mount & Blade 2: Bannerlord" spielt rund 200 Jahre vor dem ersten Teil und verbindet packende Schlachten, politische Entscheidungen und Rollenspielemente zu einer konkurrenzlosen Mittelaltersimulation. Wer sich geschickt anstellt, schwingt sich am Ende zum Herrscher eines kleinen Reiches auf, der nicht nur seine Feinde niedermetzelt, sondern seine Gefolgschaft durch geschickte wirtschaftliche und politische Entscheidungen bei Laune hält. Diese enorme Spieltiefe hat ihren Preis: Die Präsentation ist nüchtern, in den Schlachten hakt es noch ein wenig und bis alle Spielelemente verinnerlicht sind, vergehen unzählige mühsame Stunden. Aber das gehört zum Konzept, denn durch die kompromisslose Umsetzung setzt sich TaleWorlds Schwergewicht von der Konkurrenz ab.

Wer sich der Größe dieses Spiels bewusst ist, darf getrost zugreifen. Kaum eine andere Mittelaltersimulation bietet diese Fülle an komplexen Entscheidungen. Dennoch hat das Spiel auch nach einem Jahr Early Access seine Ecken und Kanten. Ein finaler Veröffentlichungstermin steht noch nicht fest. Das Spiel braucht noch Zeit, um zu reifen.

"Mount & Blade 2: Bannerlord" von TaleWorlds Entertainment ist als Early-Access-Version für Windows erschienen. USK nicht geprüft. Es kostet ca. 50 €.

Trailer zu "Going Medieval"

Nochmal ab ins Mittelalter: Foxy Voxels Mix aus Aufbausim und Survival-Abenteuer entführt die Spieler in eine alternative Zeitlinie, in der die Menschen des Mittelalters durch die Pest dahingerafft wurden. Nun muss eine zusammengewürfelte Truppe von Überlebenden ihre Welt von Grund auf neu aufbauen. Neben dem üblichen Sammeln von Rohstoffen und dem Bau einer Siedlung können die einzelnen Bewohner und Bewohnerinnen Expertise und eigene Persönlichkeiten entwickeln. Am Ende belohnen sie sich mit prunkvollen Festungen, die nicht nur Feinde abhalten, sondern auch über komplexe, mehrstöckige Gebäude und unterirdische Kavernen verfügen.

"Going Medieval" sieht auf den ersten Blick knuddelig aus, entpuppt sich aber schnell als komplexe Aufbausimulation, die an den Indie-Hit ”Rimworld” erinnert. Foxy Voxels Aufbausimulation ist erst Anfang Juni 2021 gestartet und bietet bisher nur grundsätzliche Spielmechaniken. Handel, Diplomatie oder zusätzliche Belagerungswaffen sollen folgen. Geht der ambitionierte Plan von Foxy Voxel auf, dürfen wir uns auf einen erfrischenden und tiefgründigen Genre-Mix freuen.

”Going Medieval” von Foxy Voxel, vertrieben von The Irregular Corporation, ist für Windows als Early-Access-Version erschienen. USK nicht geprüft. Es kostet ca. 23 €.

Satisfactory im Multiplayer bei c't zockt

"Satisfactory" war vom Start weg ein echter Hit: Seit dem Early-Access-Launch 2019 hat es bereits weit über eine Million Spieler begeistert. In der Aufbausimulation von schwedischen Entwicklerstudio Coffee Stain landet ein Astronaut auf einem fremden Planeten und baut Rohstoffe ab, die er seinem Auftraggeber ins All schickt. Was zunächst wie ein typischer Genre-Vertreter in der Egoperspektive aussieht, entwickelt sich schnell zu einer komplexen Fabrikbau-Simulation im Stil von "Factorio", nur eben in 3D.

Das Geheimnis des Erfolgs liegt nämlich in der Automatisierung der Arbeitsabläufe: Minenbohrer bauen die Rohstoffe ab, die über Förderbänder zur Weiterverarbeitung in Schmelzöfen transportiert werden. So entstehen mit der Zeit gigantische Fabriken, die immer anspruchsvollere Gegenstände herstellen. Wird ein bestimmtes Produktionsziel erreicht, wird der Astronaut mit neuen Bauplänen belohnt.

Das braucht Zeit und Mühe, ist aber auch enorm befriedigend – der Name "Satisfactory" verspricht nicht zu viel. Mit zunehmender Komplexität wächst auch die Freude, wenn ein Plan endlich aufgeht. Bis jetzt hat das Spiel einen Sandbox-Modus, den Spieler und Spielerinnen alleine oder im Koop-Modus beackern können. Laut Entwicklerangaben dauert es über 150 Spielstunden, bis die höchste Entwicklungsstufe erreicht ist. Dennoch wird weiter fleißig am Spiel gearbeitet. Wann das Spiel die Early-Access-Phase verlässt, ist noch völlig offen.

"Satisfactory" von Coffee Stain Studios ist für Windows als Early-Access-Version erschienen. USK nicht geprüft. Es kostet ca. 30 €.

(dahe)