Für Nord Stream 2 geplantes Gas soll durch andere Pipeline nach China fließen

Russland arbeitet weiter daran, sein Gas "umzuleiten". Die für Deutschland und Europa vorgesehenen Mengen könnten per Kraft Sibiriens 2 nun nach China fließen.

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(Bild: PHOTOCREO Michal Bednarek / Shutterstock.com)

Von
  • Tobias Knaack

Russland arbeitet offenbar weiter daran, das Gas, das es bisher nach Europa geliefert hat, in andere Teile der Welt zu verkaufen. Konkret geht es darum, Lieferungen, die durch Nord Stream 2 nach Deutschland und Europa hätten geliefert werden sollen, durch eine neue Pipeline nach China zu leiten. Die Nachricht kommt zu einem Zeitpunkt, da infolge des Ukraine-Krieges die russischen Gaslieferungen durch in Richtung Deutschland und Europa drastisch reduziert sind.

So fließt beispielsweise durch die Pipeline Nord Stream 1 seit Anfang September kein Gas mehr – und das mittlerweile länger als geplant. Zuvor hatte es bereits wegen Wartungsarbeiten eine Unterbrechung der Lieferung gegeben. Für Aufsehen hatte vor Kurzem zudem die Meldung gesorgt, Russland würde aktuell täglich Erdgas im Wert von zehn Millionen Euro verbrennen.

Die Bauarbeiten für die neue Pipeline Kraft Sibiriens 2 sollen einer Meldung der Nachrichtenseite Euronews zufolge im Jahr 2024 beginnen. Künftig sollen dann 50 Milliarden Kubikmeter Erdgas jährlich von Russland nach China fließen. Die Nachrichtenseite bezieht sich auf Aussagen des russischen Energieministers Alexander Novak im russischen Fernsehsender Rossija 1 vom Donnerstagabend (15.09.2022).

Am Rande des Gipfeltreffens der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Usbekistan sagte Novak der Euronews-Meldung nach, dass entsprechende Verträge zwischen Russland und China in Kürze unterzeichnet würden.

50 Milliarden Kubikmeter entsprächen in etwa der maximalen Kapazität der Pipeline Nord Stream 1, die bei 55 Milliarden Kubikmetern liegt. Das entspricht in etwa einem Drittel der insgesamt von Russland in die EU gelieferten Gasmenge. Nach russischen Angaben wurden die Lieferungen im September wegen technischer Probleme gestoppt, was der Westen für vorgeschoben hält. Die Pipeline Nord Stream 2 ist wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine nicht in Betrieb genommen worden.

Die neue Pipeline Kraft Sibiriens 2 soll aus dem Westen Russlands über die Mongolei bis nach China führen, berichtet Euronews. Durch die bereits bestehende Pipeline Kraft Sibiriens 1 fließt seit 2019 Gas von Jakutien nach China. Der Energieminister kündigte an, die Lieferungen durch die Pipeline würden erhöht, um 20 Milliarden Kubikmeter pro Jahr zu erreichen. Der Anschluss des Feldes Kowitka nahe des Baikalsees im kommenden Jahr werde dies erleichtern.

Kraft Sibiriens 2 soll 2025 ihr Leistungsmaximum erreichen. Dann könnten jährlich bis zu 61 Milliarden Kubikmeter Gas von Russland in Richtung China fließen.

(tkn)