Fujinon XF 50mm F1.0 im Test: Lichtriese für Fujifilm-Systemkameras

Kein Hersteller pflegt seine Objektivpalette für APS-C so wie Fujifilm. Nun hat der Hersteller mit dem XF 50mm F1.0 einen weiteren Leckerbissen präsentiert.

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(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

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  • Peter Nonhoff-Arps

Fujifilm hat gerade sein Fujinon XF 50mm F1.0 R WR (Schreibweise der Blendenzahl auf dem Objektiv: 1:1) vorgestellt. Es richtet sich an die spiegellosen Systemkameras mit X-Bajonett und ist die bisher lichtstärkste Optik im Fujifilm-Portfolio. Auch grundsätzlich dürfte das Objektiv zu den APS-C-Festbrennweiten mit der größten Offenblende gehören. Bezogen auf das Kleinbildformat kommt es einem 75-mm-Objektiv gleich, also einem leichten Tele. Bislang war die Porträtlinse XF 56mm F1.2 R das lichtstärkste Objektiv im Fujifilm-Angebot.

Lichtstarke 50-mm-Festbrennweite für APS-C (4 Bilder)

Mit 845 Gramm ist das Fujinon XF 50mm F1.0 R WR kein Leichtgewicht. Die Streulichblende gehört zum Lieferumfang.

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Lichtstarke Festbrennweiten zählen zu den Schätzen eines jeden Objektivparks. Im Brennweitenbereich zwischen 50 und 85 Millimetern werden sie gerne für Porträts genutzt, wenn es darum geht, einen besonders harmonischen Hintergrund zu erschaffen. Ebenso eignen sie sich für Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen, um die ISO-Werte im Zaum zu halten. Letzteres ist in Zeiten, da viele Kameras selbst bei ISO 12.800 noch ansehnliche Ergebnisse liefern, kaum noch ein Argument für eine große Blendenöffnung. Der Reiz besteht vielmehr in der hauchdünnen Schärfenebene, mit der sich Motive oder Details hervorheben lassen, oder im besonderen Bokeh, das mit zunehmender Blendenöffnung immer weicher wird.

Wann ein Objektiv als lichtstark gilt, hängt von der Brennweite, von der Konstruktion und den persönlichen Erfahrungen ab. Jemand, der normal mit Standardzooms fotografiert, empfindet eine 50-mm-Festbrennweite mit f/1.8 bereits als lichtstark. Zoomobjektive im unteren und mittleren Brennweitenbereich gelten schon bei einer Anfangsblende von f/2.8 als lichtstark. Die empfindlichsten Objektive mit Blendenwerten von f/1.2 und kleiner gibt es im Bereich zwischen 50 und 85 Millimetern. Als Krönung gelten schließlich Edellinsen mit Offenblenden von f/1.0 und darunter.

Für die Hersteller sind solche Optiken auch eine Leistungs-Show, um unter Beweis zu stellen, wozu sie in der Lage sind. Da wundert es kaum, dass gerade Nikon und Canon nach der Einführung ihrer neuen Bajonette fürs spiegellose Vollformat zunächst einige extrem lichtstarke Festbrennweiten vorgestellt haben, um die Leistungsfähigkeit ihrer Systeme zu demonstrieren. Beispiele sind das Nikkor Z 58mm 1:0,95 S Noct von Nikon oder das RF 85mm F1.2L USM von Canon – beides Objektive, die über jeden Zweifel erhaben sind.

Technik. Wir haben uns das neue XF 50mm F1.0 R WR in die Redaktion geholt und es sowohl im Labor an einer aktuelle X-T4 getestet als auch in der Praxis an einer X-H1. Zunächst zu den nackten Tatsachen: Die Konstruktion besteht aus neun Gruppen mit zwölf Elementen. Darunter sind eine asphärische Linse sowie zwei ED-Linsen, um chromatische Aberrationen und Verzerrungen gering zu halten. Die Blende besteht aus neun Lamellen und reicht von f/1.0 bis f/16 in Drittelstufen. Die Naheinstellgrenze liegt bei 0,7 Metern, der Filterdurchmesser beträgt 77 Millimeter.

Das Fujifilm XF 50mm 1:1 nutzt im mittleren Blendenbereich die gesamte Sensorauflösung der X-T4 mit 26,2 Megapixeln.

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Messwerte. Im Labor erzielten wir über den Blendenbereich mittig bei Offenblende eine Auflösung 94 Prozent der maximalen Auflösung der X-T4 entsprechend 1980 Linienpaaren pro Bildhöhe (Lp/Bh). Um zwei Stufen abgeblendet erzielte die Optik 100 Prozent der Maximalauflösung (2080 Lp/Bh) und hielt dieses Niveau bis f/5.6, um dann kontinuierlich bis F/16 auf Werte von 73 Prozent (1530 Lp/Bh) zurückzufallen. Im Randbereich erreicht das XF 50mm F1.0 eine rund 20 Prozent geringer Auflösung. Das Maximum liegt bei Blende f/5.6 bei knapp 80 Prozent (1640 Lp/Bh).

Fujifilm hat bei der Fehlerkorrektur einiges richtig gemacht. Das zeigen die folgenden Messwerte. Das Objektiv verzeichnet nicht und Farbsäume spielen oberhalb von Blende f/2.0 mit 0,1 Pixeln keine Rolle nur bei Blende f/1.0 und f/1.4 liegen sie bei 0,2 Pixeln – ebenfalls vernachlässigbar. Die Randabschattung ist mit werten von 0,1 Blendenstufen oberhalb von Blende f/2.0 vernachlässigbar und selbst bei f/1.0 und f/1.4 mit Werten unter 0,5 Blendenstufen erstaunlich gut. Die Auslöseverzögerung haben wir mit 0,43 Sekunden ermittelt.

Fujinon XF 50mm F1.0 R WR c't Testszene (10 Bilder)

Zur Beurteilung der Darstellungsqualität des Fujifilm XF 50mm F1.0 R WR haben wir zwei Bereiche – einen im Randbereich und einen eher zentral angeordneten ausgesucht, die wir im Folgenden in einer Ausschnittsvergrößerung für unterschiedliche Blendeneinstellungen zeigen.
(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Bildkritik. Bei den ersten beiden Blendenstufen (f/1.0 und f/1.4) ist die Schärfe sowohl in der Mitte als auch am Rand noch nicht ganz auf der Höhe. Details wirken etwas weichgezeichnet. Ab f/2.8 bis f/11 gibt es zumindest mittig nichts auszusetzen. Die Maserung der Holzpalette wird klar ohne nennenswerte Verluste dargestellt. Bei Blende f/16 kommt die Beugungsunschärfe zum Vorschein und zeichnet die gesamte Darstellung weich. Am Rand liegt der stärkste Bereich zwischen f/4.0 und f/11 auf.

Das Bokeh einer Lichterkette bei unterschiedlichen Blendenwerten des Fujifilm XF 50mm 1:1, der Reihe nach: f/1.0, f/1.4, f/2.0, f/2.8, f/4.0

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Vergleich der Bokehs des XF 50mm 1:1 und des XF 56mm 1:1.2 bei Blende f/1.4 (f/1.2) (links), f/2.0 (Mitte) und f/2.8 (rechts)

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Das Bokeh ist gleichmäßig und bei kleinen Blendenwerten angenehm harmonisch, Lichtpunkte erscheinen rund. Oberhalb von Blende f/4.0 werden aus den Lichtkreisen mehreckige Formen. Das Aussehen des Bokehs ähnelt dem des Fujinon XF 56mm F1.2 R, das wir bereits früher schon einmal in der Redaktion hatten.

Fujifilm XF 50mm F1.0 R WR, Beispielbilder (21 Bilder)

Fujinon XF 50mm F1.0 R WR an Fujifilm X-H1 bei 50 mm (75 mm KB), ISO 200, f/1.4, 1/220 s
(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

In der Praxis macht das Objektiv sehr viel Spaß. Es ist schön, mit verschiedenen Hintergründen zu spielen – von harmonisch glatt bis unruhig strukturiert. So lassen sich Bereiche gezielt im Bild hervorheben und in ein passendes Umfeld einbetten. Ein kleines Handycap ist die mit 0,7 verhältnismäßig große Naheinstellgrenze, da wünscht man sich manchmal, mit der Kamera etwas näher ans Motiv heranzukommen. Der Autofokus reagiert sehr sicher und exakt, wenn es um statische Motive geht. Bewegte Motive sind bei weit geöffneter Blende freilich eine Herausforderung. Bei vielen statischen Motiven mit Stativ empfiehlt es sich allerdings, die Schärfe von Hand einzustellen.

Mit dem Fujinon XF 50mm F1.0 R WR hat Fujifilm sein Portfolio für X-Kameras um eine beachtenswerte Optik erweitert. Im Labor schlägt sich das Objektiv tadellos. Es ist sehr gut korrigiert und zeichnet nur bei Offenblende etwas weich. Die Haptik ist, wie von Fujifilm gewohnt, gut. Der Schärfering hat einen weiten Einstellbereich und läuft sauber. In der Praxis hätten wir uns eine etwas geringere Naheinstellgrenze gewünscht. Der Preise – er liegt derzeit bei 1560 Euro – erscheint auf den ersten Blick hoch, im Vergleich zur Vollformatkonkurrenz ist er aber noch moderat. Als Alternative bietet sich das XF 56mm F1.2 aus dem eigenen Haus an, das bereits für unter 900 Euro erhältlich ist.

(pen)