Fukushima: Südkorea und China beteiligen sich an Aufsicht über Tritium-Wasser

China und Südkorea hatten Japans Pläne, kontaminiertes Wasser ins Meer zu leiten, scharf kritisiert. Die IAEA beteiligt nun Experten von dort an der Aufsicht.

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 17 Beiträge

Behälter mit Kühlwasser auf dem Gelände der Atomruine Fukushima Daiichi.

(Bild: meti.go.jp)

Von
  • Andreas Wilkens

China und Südkorea wollen sich daran beteiligen, das Ablassen von aufbereitetem Kühlwasser aus dem vor gut zehn Jahren havarierten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zu überwachen. Die stellvertretende IAEA-Generaldirektorin Lydie Evrard sagte laut Medienberichten während eines Besuchs in Fukushima, ihre Atomenergieagentur werde mit Experten aus elf Ländern den Prozess der Ableitung des vor allem mit Tritium belasteten Wassers begleiten, darunter auch welche aus den beiden Ländern.

Die japanische Regierung hatte im August beschlossen, 1,27 Millionen Tonnen Wasser, mit dem seit dem Super-GAU die geschmolzenen Brennstäbe gekühlt und das aufbereitet wurde, durch einen 1 km langen unterseeischen Tunnel ins Meer zu leiten. Der Vorgang soll im März 2023 beginnen und mehrere Jahre dauern. Südkorea und China hatten auf die Pläne mit scharfer Kritik reagiert.

Die IAEA hatte bereits mehrmals Experten nach Fukushima entsandt, um die Atomruine zu inspizieren, dieser Tage war Evrard selbst vor Ort. Dabei ließ sie laut dem südkoreanischen Sender KBS offen, ob die IAEA von Japan fordern werde, das Wasser nicht abzulassen, wenn es zu gefährlich erscheine.

Die IAEA hat diese Woche mit der japanischen Regierung vereinbart, das Ableiten des Tritium-Wassers zu begleiten und dafür einen Zeitplan festgelegt. Details dazu wurden nicht veröffentlicht, erst einmal lediglich, dass noch dieses Jahr eine Prüfkommission nach Fukushima reisen werde. Außerdem hat die IAEA eine Arbeitsgruppe für die Wasserentsorgung eingerichtet, die sich in den kommenden Wochen treffen werde, um die Überprüfungen vorzubereiten. Diese Überprüfung werde sich insbesondere auch auf Material stützen, das von Japan vorgelegt werde, teilte die IAEA mit.

Ein derartiges Projekt habe die IAEA noch nie beaufsichtigt, betonte Evrard in Japan. Ihrer Agentur gehe es darum, das Projekt vor allem mit den Aspekten Transparenz und Sicherheit zu begleiten. "Wir werden sicherstellen, dass unsere Überprüfung umfassend und objektiv ist und die Ergebnisse der internationalen Gemeinschaft klar vermittelt werden."

In Fukushima Daiichi müssen drei Reaktoren, in denen nach dem Erdbeben und Tsunami im März 2011 eine Kernschmelze stattfand, ständig gekühlt werden. Das dabei verwendete Wasser kommt dabei in Kontakt mit dem radioaktiven Material und muss aufbereitet werden, zusammen mit Grundwasser, das in die Gebäude steigt, und dem Regenwasser, das ebenfalls eindringt. Dabei wird ein Verfahren nahmens Advanced Liquid Processing System (ALPS) angewendet.

Durch die bisherigen Arbeiten konnte nach Angaben der japanischen Regierung das täglich kontaminierte Wasser von 540 m3 auf 140 m3 reduziert werden. Etwa 70 Prozent des in Tanks gespeicherten aufbereiteten Wassers enthielten andere Radionuklide als Tritium, und zwar in einer Konzentration, die die regulatorischen Standards überschreitet. Daher muss es noch einmal aufbereitet werden.

Tritium lässt sich nur sehr schwer entfernen, da es die gleichen Eigenschaften hat wie H2O, erklärt das japanische Industrieministerium. Tritium komme auch in der Natur vor, im Regen- und Meerwasser vor und werde als Leitungswasser, in dem 1 Becquerel/L davon enthalten seien, von Menschen aufgenommen und wieder ausgeschieden. Es gebe keine Erkenntnisse darüber, dass es sich in Menschen oder in bestimmten Organismen ansammle.

Das aufbereitete Wasser soll ins Meer entsorgt werden, weil die Speicherkapazitäten vor Ort nicht mehr ausreichen werden. Das Wasser außerhalb des Geländes zu lagern komme nicht in Frage, weil das Risiko auf Fukushima Daiichi beschränkt werden solle, außerdem würden vermutlich Verhandlungen mit den politisch Verantwortlichen vor Ort zu viel Zeit beanspruchen. Wegen der internationalen Rechtslage dürfe Japan das Wasser auch nicht mit Schiffen auf hoher See verklappen.

Zehn Jahre Super-GAU von Fukushima (75 Bilder)

Das AKW Fukushima Daiichi mit seinen sechs Reaktorblöcken vor der Katastrophe. Es liegt Luftlinie rund 250 km von Tokio entfernt. Alle sechs Blöcke basieren auf den Siedewasserreaktor-Baureihen BWR 3 bis BWR 5 des US-Unternehmens General Electric; gebaut wurden sie zwischen 1971 und 1979. Block 1 sollte ursprünglich Ende März 2011 stillgelegt werden, die japanischen Behörden genehmigten Februar 2011 aber eine Laufzeitverlängerung um zehn Jahre.
(Bild: dpa)

Wenn das Wasser in einem lanwierigen Prozess wie geplant abgeleitet werde, würden pro Jahr 22 Billionen Bq Tritium und andere Radionuklide ins Meer gelangen. Die Exposition würde nicht mehr als 1/100.000 der natürlichen Hintergrundstrahlung in Japan betragen, betont die japanische Regierung.

Lesen Sie auch

(anw)