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Funkstörung: Regulierer zieht "Wasservitalisierer" aus dem Verkehr​

"Gesundes, hexagonales Wasser" verspricht das sündhaft teure Gerät. Der Bundesnetzagentur schreitet ein: Das Wunderding stört den Amateurfunk.

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Stört den Amateurfunk: Wasservitalisierer nach Lakhovsky.

(Bild: Bundesnetzagentur)

Von
  • Volker Briegleb

Die Bundesnetzagentur hat den Verkauf und die Nutzung eines sogenannten "Wasservitalisierers" der Schweizer Wassermatrix AG verboten. Das Gerät verursache Funkstörungen im Amateurfunkband, teilte die Regulierungsbehörde am Freitag mit. Demnach haben Funkamateure und andere Marktüberwachungsbehörden im vergangenen Jahr wiederholt Störungen gemeldet.

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Das Internet ist voll von heißen IT-News und abgestandenem Pr0n. Dazwischen finden sich auch immer wieder Perlen, die zu schade sind für /dev/null.

Nach Angaben des Herstellers soll der Wasservitalisierer das Wasser mittels einer Handsonde energetisieren und dadurch die Selbstheilungskräfte des Körpers stärken. Bei Anwendung des Geräts werde das Wasser "hexagonal" strukturiert. "Gesundes, hexagonales Wasser ist die Basis von Gesundheit und Wohlbefinden", heißt es auf der Website des Herstellers, der sich auf die "Grundlagentheorie" von Nikola Tesla und Georges Lakhovsky beruft. Der Wasservitalisierer sei eine Weiterentwicklung von Lakhovskys "Multiwellenoszillator".

Laut Bundesnetzagentur ist das Ding nicht billig: "Das Gerät kostet rund 8000 Euro und wurde mehr als 2400 mal von Verbrauchern in Deutschland gekauft", teilte die Behörde mit. Die Betroffenen dürfen das Gerät behalten, es in Deutschland aber nicht mehr benutzen. "Unser Prüf- und Messdienst sorgt dafür, dass Frequenzen störungsfrei genutzt werden können", erklärte Wilhelm Eschweiler, Vizepräsident der Bundesnetzagentur. "Gleichzeitig schützen wir mit dem Vertriebsverbot Verbraucher davor, viel Geld für ein Gerät auszugeben, das sie nicht benutzen dürfen."

Der Prüf- und Messdienst der Bundesnetzagentur hatte den Wasservitalisierer im Messlabor überprüft und festgestellt, "dass das Gerät eine fehlerhafte Konformitätserklärung besitzt und eine unzulässige Störaussendung erzeugt". Der Wasservitalisierer erfülle damit nicht die grundlegenden Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit, sagt die Behörde. Der Hersteller habe mittlerweile Warnhinweise auf seiner Internetseite für die Nutzung des Geräts in Deutschland aufgenommen. Die Bundesnetzagentur hat darüber hinaus die EU-Mitgliedsstaaten und die EU-Kommission informiert, da die Geräte offenbar auch in den anderen Mitgliedsstaaten vertrieben werden.

Den betroffenen Besitzern des nun nur noch als teurer Elektroschrott zu bezeichnenden Geräts mag zur Energetisierung ihres Wassers vielleicht die ungleich preiswertere Uriella-Methode ans Herz gelegt werden. Dafür werden nebst Wasser nur eine Badewanne, ein Silberlöffel und 21 Minuten Zeit benötigt. Hilfreich ist offenbar auch ein direkter Draht zu Jesus Christus.

(vbr)