GEW in NRW: IT-Fachkräfte zur Entlastung der Lehrkräfte einstellen

Auch in Nordrhein-Westfalen fehlen tausende Lehrerinnen und Lehrer. Die Gewerkschaft GEW will, dass Lehrkräfte von nicht pädagogischen Aufgaben befreit werden.

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(Bild: eanstudio/Shutterstock.com)

In Nordrhein-Westfalen endet am heutigen Freitag das Schulhalbjahr. Anlässlich dieses Termins schlägt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW Alarm. Der Lehrkräftemangel sei eklatant, bisher vorgeschlagene Maßnahmen des Schulministeriums, diesem zu begegnen, seien unzureichend. Um Lehrkräfte zu entlasten, drängt die GEW deshalb auch darauf, dass für den IT-Support der Schulen Fachkräfte angestellt werden. Oftmals übernehmen Lehrkräfte den IT-Support an Schulen, werden dafür aber in der Regel kaum entlastet.

Dass die Schulen in Deutschland – nicht nur in Nordrhein-Westfalen – bereits Schwierigkeiten haben, die Unterrichtsversorgung aufgrund des bestehenden Lehrkräftemangels zu garantieren, ist schon lange bekannt. Im Sommer 2022 brachte aber auch die Kultusministerkonferenz (KMK) das Thema wieder auf die Dringlichkeitsliste, nachdem sie sich seit 2020 vor allem mit der Coronapolitik und deren Auswirkungen auf die Schulbildung auseinandersetzte.

Absehbar liefen die Bundesländer in einen massiven Lehrermangel, hieß es dort. Die damalige KMK-Präsidentin Karin Prien (CDU) erklärte schon zu diesem Zeitpunkt, dass der Lehrkräftemangel auch mehr Technikeinsatz erfordern könne. Ohnehin forderte sie eine "Debatte ohne Tabus": So müsse zum Beispiel auch geprüft werden, wer an den Schulen welche Aufgabe wahrnehmen müsse – Multiprofessionalität sei eine Möglichkeit, die geprüft werden müsse.

Dieser Forderung stellt sich die GEW nun noch einmal klar entgegen. Lehrkräfte seien ohnehin bereits überlastet, das mache den Lehrberuf auch für viele Studierende unattraktiv. Die Landesregierung in NRW müsse "mit einer echten Attraktivitätsoffensive dafür sorgen, dass sich mehr Menschen für den Beruf als Lehrkraft entscheiden und Abgänge von Lehrer:innen verhindert werden. Dafür müssen die Arbeitsbedingungen grundlegend verbessert werden – vor allem muss endlich Entlastung in das System. Gute Arbeitsbedingungen und Maßnahmen, die die Lehrkräfte vor Ort entlasten, sind die beste Werbung!", so Ayla Çelik, Vorsitzende der GEW NRW. Die Gewerkschaft schlägt konkret etwa die Reduzierung von Klassenarbeiten sowie die Verschlankung von Curricula vor. Zudem wird auch "eine Unterstützung durch Schulverwaltungsassistenzen und IT-Support" angemahnt.

Statt dass Lehrkräfte zukünftig ihr Aufgaben- und Lehrspektrum zu mehr Multiprofessionalität erweitern, wird hier also eher nach multiprofessionellen Teams und zusätzlichen Angestellten gerufen, wie sie etwa in anderen europäischen Ländern längst die Regel sind.

Um dem Lehrkräftemangel zu begegnen, wird auch in anderen Bundesländern diskutiert, was zu tun ist. So überlegt etwa der thüringische Bildungsminister einen digital unterstützten Hybrid-Unterricht dort anzubieten, wo spezielle Lehrkräfte an Schulen fehlen. Schülerinnen und Schüler mehrere Schulen könnten dann etwa an einem Physikunterricht in einer anderen Schule teilnehmen, die noch über Physiklehrkräfte verfügt.

In anderen Bundesländern bemüht man sich um die vermehrte Einstellung von interessierten Quer- bzw. Seiteneinsteigern. Sachsen-Anhalt lädt hierfür sogar zum virtuellen Speeddating ein. Dass Seiteneinsteiger für die Lehrkräfte-Gewerkschaften allerdings keine Ideallösung sind, machte Anfang Januar der frisch gewählte neue Landes- und Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) in Baden-Württemberg, Gerhard Brand, deutlich. Mittels Seitensteigern könnten zwar "relativ schnell Leute an die Schule" gebracht werden, der Profession werde das aber nicht gerecht. "Aber über den Schatten müssen wir angesichts der prekären Lage springen. Es wird nicht anders gehen, wenn wir den Karren nicht in die Grütze fahren wollen."

Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, verkündete vor kurzem, dass er anderen Bundesländern Lehrkräfte abwerben wolle – schließlich sei die Besoldung in Bayern oft besser. Auch wird politisch teilweise gefordert, dass Lehrkräfte in der aktuellen Situation nicht mehr in Teilzeit gehen dürfen sollten. Dieser Forderung hat aber etwa Bildungsministerin Simone Oldenburg (Die Linke) in Mecklenburg-Vorpommern gerade erst wieder eine Absage erteilt. Sie setzt vielmehr auf Zusicherungen, dass etwa auch ältere Lehrkräfte auf mehr Entlastung hoffen dürfen.

Artikelserie "Schule digital II"

Wie sollte die Digitalisierung in unseren Schulen umgesetzt werden? Wie beeinflusst die Coronavirus-Pandemie das Geschehen? Was wurde im Schuljahr 2020/2021 erreicht - wie ging es 2021/2022 weiter? Das möchte unsere Artikelserie beleuchten.

(kbe)