GI: Informatik spielt in deutschen Schulen kaum eine Rolle

Die Landkarte der Informatikbildung präsentiert sich für die Gesellschaft für Informatik als Flickenteppich. Auch würde zu oberflächlich gelehrt.

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(Bild: Gesellschaft für Informatik)

Von
  • Andreas Wilkens

"Auch fast sechzig Jahre nach Erfindung des Computers und dreißig Jahre nach Gründung des World Wide Webs spielt die Informatik in deutschen Schulen kaum eine Rolle." Zu diesem Ergebnis kommt die Gesellschaft für Informatik (GI), die die Situation des Schulfachs Informatik in den Bundesländern von der Uni Rostock in einer Synopse abbilden ließ.

Auf den ersten Blick erkennbar ist auf der Landkarte des Informatikmonitors , dass Informatik ab der 5. Klasse nur in Mecklenburg-Vorpommern in allen Jahrgangsstufen ein Pflichtfach ist, nur in Sachsen in den meisten Jahrgangsstufen ab der 5. Klasse und in Bayern und Baden-Württemberg in manchen Jahrgangsstufen.

In Bremen und Hessen gibt es kein Angebot für informatische Bildung im Sekundarbereich I. In neun Bundesländern wird Informatik ausschließlich nur im Wahlpflicht- und Wahlbereich angeboten. In 13 Bundesländern gibt es in der Einführungsphase der Sekundarstufe II Angebote für Informatikunterricht im Wahlpflichtbereich; dabei variiert der Umfang zwischen einer Wochenstunde und vier Wochenstunden. In Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gibt es in der Einführungsphase verbindlichen Informatikunterricht. In der Qualifikationsphase kann in allen Bundesländern Informatik auf grundlegendem Anforderungsniveau im Umfang von zwei oder drei Wochenstunden als Wahlpflichtmöglichkeit belegt werden.

Schriftliche Abiturprüfungen auf grundlegendem Niveau der Informatik sind in neun Bundesländern möglich, auf erhöhtem Niveau in zwölf Bundesländern. Andere Prüfungsleistungen wie Präsentationsprüfungen oder besondere Lernleistungen sind in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein möglich.

Die Gesellschaft für Informatik merkt neben diesen quantitativen Ergebnissen an, die öffentliche Diskussion über digitale Bildung in der Schule beschränke sich zu oft auf die Entwicklung von Kompetenzen, auf die Benutzung digitaler Tools und Apps oder auf Aspekte der Nutzung digitaler Medien. Digitale Mündigkeit aber umfasse auch ein "fundiertes Urteilsvermögen in Bezug auf technische Entwicklungen, die Kompetenz zur Bewertung der Auswirkungen neuer Techniken auf die Gesellschaft sowie vor allem die Fähigkeit zur bewussten und kreativen Mitgestaltung und Nutzung digitaler Systeme". Diese werde derzeit nicht umfassend und überall vermittelt.

Es fehle insbesondere in der Bildung eine breitere Einsicht und Akzeptanz der verantwortlichen Stellen, meint die Gesellschaft für Informatik. Dazu fehle auch ein abgestimmtes und für die Schulpraxis im jeweiligen Bundesland passendes Konzept.

Vergleiche zwischen den Ländern würden von der Kultusministerkonferenz nicht veröffentlicht. Die bis dato letzte vergleichende Studie zum Informatikunterricht stamme aus dem Jahr 2010 und sei wegen einiger positiver Veränderungen in jüngster Zeit nicht mehr aussagekräftig. Im Sekundarbereich I in Sachsen gebe es seit 1992, in Mecklenburg-Vorpommern seit 1998 und in Bayern seit 2001 ein Pflichtangebot in den einzelnen Jahrgangsstufen. Aus den Schulen heraus habe sich die Situation beispielsweise in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen verbessert. Die nun vorliegende Synopse hat Richard Schwarz als Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien erstellt.

(anw)