Gamestop will Aktien für eine Milliarde US-Dollar verkaufen

Nach schwachen Quartalszahlen möchte der Videospielhändler nun offenbar durch einen Aktienverkauf Profit aus der Kursrally im Januar schlagen

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Eine Gamestop-Filiale

Der Videospielhändler Gamestop möchte Aktien im Wert von einer Milliarde US-Dollar verkaufen.

(Bild: John Minchillo/dpa, Foto: dpa)

Von
  • Teo Lukas

Nach einem relativ schwachen Quartalsergebnis vor zwei Wochen überraschte der US-Videospielehändler Gamestop Corp am Montag mit der Mitteilung nun Aktien im Wert von einer Milliarde US-Dollar verkaufen zu wollen. Zuvor war die Rede von 100 Millionen Dollar gewesen. Offenbar will das US-Unternehmen aus Grapevine (Texas) nun auf diese Weise Kapital aus der starken Kursrally von Anfang des Jahres schlagen.

Gamestop hatte im Januar durch eine regelrechte Spekulationsschlacht an der Börse für Schlagzeilen gesorgt. Die Firma steckte schon länger in der Krise, doch angetrieben von im Internet organisierten Kleinanlegern hatten die Aktien eine atemberaubende Rally hingelegt. Das wiederum brockte Hedgefonds, die auf einen Kursverfall wetteten, enorme Verluste ein. Im Januar hatte die Aktie ein Rekordhoch von über 483 Dollar erreicht, zuletzt kostete sie nur noch 182 Dollar, was aber immer noch einem Kursplus von 865 Prozent seit Jahresbeginn entspricht. Die GameStop-Aktie ist seit Januar in einem sehr volatilen Handel sehr stark gestiegen.

In der vorletzten Woche konnte das Unternehmen mit seinem Quartalsergebnis nicht sonderlich überzeugen. Doch am gestrigen Montag veröffentlichte Gamstop vorläufige, bisher nicht geprüfte Geschäftszahlen, in denen es einen deutlichen Umsatzanstieg von bis zu 11 Prozent meldet. Damit wolle man die Investoren auf den neusten Stand der Entwicklungen bringen – und offenbar auch neue für den Aktionkauf umwerben.

In einer anderen Mitteilung erklärt Gamestop weiter, dass es bis zu 3,5 Millionen Aktien im Wert von nicht mehr als einer Milliarde Dollar verkaufen kann und den Erlös dazu verwenden wird, den Wechsel zum E-Commerce zu beschleunigen, der von dem Milliardär Ryan Cohen, dem größten Aktionär und Vorstandsmitglied von GameStop, geleitet wird.

Die Aktien von GameStop waren am Montag zunächst bis zu 13,9 Prozent gefallen. Dann aber wieder leicht angestiegen. Der jetzt angekündigte Aktienverkauf ist der Erste seit dem Hype im Januar, hauptsächlich, weil Sicherheitsgesetze Gamestop daran hinderten, ohne geprüfte Quartalszahlen weiterhin Aktien zu verkaufen. Die extremen Schwankungen der Aktien in den vergangenen drei Monaten reichten von 19,94 US-Dollar bis zu 483 US-Dollar.

Im Dezember hatte sich die Firma bei der US-Börsenaufsicht (SEC) registriert, um Aktien im Wert von 100 Millionen US-Dollar über ein "at-the-market offering" (ATM) zu verkaufen, das aber nie durchgeführt wurde. Dieser Verkauf wird jetzt durch den Verkauf im Wert von einer Milliarde US-Dollar ersetzt.

Laut der am 23. März vorgestellten Quartalszahlen leidet Gamestop leidet weiter unter Geschäftseinbußen. In den drei Monaten bis Ende Januar sank der Umsatz im Jahresvergleich um drei Prozent auf 2,1 Milliarden US-Dollar (1,8 Milliarden Euro). Der Gewinn stieg aber – nicht zuletzt dank geringerer Ausgaben – von 21,0 Millionen auf 80,5 Millionen US-Dollar. Zudem legten die Online-Verkäufe um 175 Prozent zu. Die Markterwartungen wurden dennoch enttäuscht.

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2020 waren die verschiedenen Geschäftsbereiche des Unternehmens in 14 Ländern aufgrund der weltweiten Ausbreitung von COVID-19 durch vorübergehende Schließungen von Geschäften und andere behördlich angeordnete Einschränkungen beeinträchtigt, die zu einer eingeschränkten Geschäftstätigkeit führten. Doch auch in den ersten neun Wochen des Geschäftsjahres 2021 kam des aufgrund der Pandemie zu ähnlichen Einschränkungen, weshalb es sein Filialnetz zuletzt um 13 Prozent ausdünnte.

Bei der Präsentation der Quartalszahlen vor zwei Wochen hatte Gamestop angekündigt, sich weiter vom Geschäftsmodell einer klassischen Einzelhandelskette für Computerspielbedarf verabschieden zu wollen. Stattdessen will sich die Firma in ein Technologie-Unternehmen für Online-Gamer verwandeln. Passend dazu stellte Gamestop mit Jenna Owens eine Tech-Veteranin, die bereits für die Internetriesen Google und Amazon tätig war, als neue für das Tagesgeschäft zuständige Vorständin vor.

Die Kurskapriolen bei den Aktien von Gamestop hatten im Februar den Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses auf den Plan gerufen. Dort waren Manager von Kapitalmarkt-Firmen, Reddit-Chef Steve Huffmann und Blogger Keith Gill vorgeladen und ins Kreuzverhör genommen worden. Insbesondere Keith Gill gilt als eine treibende Kraft der Anleger-Community, die der Gamestop-Aktien eine absurde Berg- und Talfahrt beschert hat. Viele private Anleger haben sich dabei verschuldet. Dafür hatte sich dieser entschuldigt, aber jede rechtliche Verantwortung zurückgewiesen.

(tol)