Gasspeicher: "Wir kommen gut durch den Winter, wenn es nicht zu kalt wird"

Die deutschen Gasspeicher-Betreiber haben durchgerechnet, ob das Gas im kommenden Winter ausreicht. Angesichts von Prognosen zeigen sie sich optimistisch.

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Gasspeicher Nüttermoor

(Bild: EWE)

Die deutschen Gasspeicher-Betreiber können Gasmangellagen nicht komplett ausschließen, sie seien aber angesichts aktueller Wetterprognosen "äußerst unwahrscheinlich". Das geht aus einer Mitteilung der Initiative Energie Speichern (INES) hervor, die einige Szenarien zur Gasversorgung in Deutschland im kommenden Winter erstellt hat. In dem Interessenverband sind 14 Unternehmen der Gasspeicher-Branche versammelt und damit etwa 90 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazitäten.

"Die Szenarien zeigen, dass Deutschland unter den festgelegten Modellparametern gut durch den Winter kommt, wenn keine extrem niedrigen Temperaturen auftreten", teilte die INES mit. Die Berechnungen basierten auf "verbandseigenen Kompetenzen zur Modellierung europäischer Gasmärkte", heißt es zur Erläuterung. Selbst wenn die Gasspeicher im kommenden Winter starkt entleert würden, könnten sie vor dem Winter 2023/2024 erneut umfangreich gefüllt werden. Das wiederum hänge davon ab, wie gut Flüssigerdgas (LNG) auf dem EU-Binnenmarkt verfügbar sein werde.

Der Infrastrukturbetreiber Gas Infrastructure Europe (GIE) hatte diese Woche bekannt gegeben, dass die Gasspeicher in Deutschland zu 100 Prozent gefüllt seien. Zu Mittwoch betrug der Füllstand 99,98 Prozent. "Die vollständige Befüllung der Gasspeicher hat dazu geführt, dass wir aller Voraussicht nach gut durch den anstehenden Winter kommen werden", sagte INES-Geschäftsführer Sebastian Bleschke.

"Um keine bösen Überraschungen zu erleiden, sollten allerdings die zentralen Parameter der Versorgungssicherheit weiterhin beobachtet werden", erklärte Bleschke weiter. Das heißt, die Gasspeicherfüllstände in den EU-Mitgliedstaaten, der europäischen Gasverbräuche bei niedrigeren Temperaturen sowie des Imports von Flüssigerdgas (LNG) sollten kontinuierlich im Blick bleiben. Das gelte auch für russisches Erdgas, das die EU vor allem über die Türkei und die Ukraine weiterhin erreiche.

Die INES modelliert nach eigenen Angaben fortlaufend die europäischen Gasmärkte, um die Sicherheit der Gasversorgung einzuschätzen. Dabei hat sie drei Szenarien für die Gasversorgung in Deutschland im Winter 2022/2023 und für die anschließende Befüllung der Gasspeicher vor dem Winter 2023/2024 betrachtet. In dem ersten wurden die Temperaturen des EU-Wetterjahres 2016 zugrundegelegt, um normale Temperaturen zu betrachten. In einem weiteren Szenario wurden "warme Temperaturen" wie im europäischen Winter 2020 angenommen und in einem weiteren "kalte Temperaturen" entsprechend dem europäischen Winter 2010.

INES-Szenarien 2022/2023 für Deutschland, Gasspeicher-Füllstände bei unterschiedlichen Temperaturen.

(Bild: INES)

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat jüngst anhand von saisonalen Klimavorhersagen den Temperaturtrend in Deutschland für Dezember 2022 bis Februar 2023 abgeschätzt. "Der kommende Winter könnte, wenn die Modellrechnungen des DWD eintreten, eine Mitteltemperatur von mindestens 2 °C erreichen und damit zu den 33 Prozent der mildesten Winter der Referenzperiode 1991 - 2020 gehören", hieß es vorige Woche in einer DWD-Mitteilung. Das vieljährige Mittel dieser Referenzperiode liege bei 1,4 °C. Auch Modelle des britischen Met Office oder von Meteo France gingen von einem etwas zu milden Winter in Deutschland aus.

Dabei betonte der DWD, dass saisonale Klimavorhersagen keine Wettervorhersagen seien, die für einen bestimmten Ort und Zeitpunkt gelten. Vielmehr gehe es dabei um Prognosen klimatischer Tendenzen über größere Gebiete und längere Zeiträume im Vergleich zu einem durch Messwerte abgedeckten Referenzzeitraum der Vergangenheit. Das heißt, auch wenn die aktuelle DWD-Prognose eher mildere Bedingungen vorhersagt, könnte es trotzdem an einzelnen Tagen oder Wochen deutlich kälter als im vieljährigen Mittel werden.

(anw)