Gasspeicher in Deutschland: Füllstand im September schon beim Oktober-Ziel

Der Füllstand der Gasspeicher in Deutschland steigt weiter. Schon Anfang September könnte das Oktober-Ziel erreicht werden, so sagt Wirtschaftsminister Habeck.

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(Bild: Roschetzky Photography/Shutterstock.com)

Von
  • Tobias Knaack
  • mit Material der dpa
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In der Energiekrise kommt Deutschland beim Füllen der Gasspeicher offenbar schneller voran, als zunächst geplant. Der Füllstand der deutschen Erdgasspeicher nähert sich trotz erheblich gedrosselter Liefermengen aus Russland weiter der 85-Prozent-Marke, wie die Nachrichtenagentur dpa meldet. Anfang der vergangenen Woche hatte der Füllstand der Gasspeicher in der Bundesrepublik bei knapp über 80 Prozent gelegen.

Infolge des russischen Angriffskrieges in der Ukraine drohen europaweit gerade mit Blick Richtung Herbst und Winter Energieengpässe. Durch die Einspeicherung versucht Deutschland einem akuten Mangel vorzubeugen. Andererseits wird aber auch diskutiert, wie viel Einsparpotenziale es gibt, etwa in der deutschen Wirtschaft.

Wie aus im Internet veröffentlichten Daten der europäischen Gasspeicher-Betreiber hervorging, lag der Füllstand dem DPA-Bericht zufolge am vergangenen Donnerstagmorgen bei 81,78 Prozent. Für Freitag (26. August 2022) war ein Anstieg auf 82,2 Prozent erwartet worden. "Die Speicher füllen sich schneller als vorgegeben", sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck dem "Spiegel". Der Grünen-Politiker geht davon aus, dass die von ihm vorgegebenen Zielmarken deutlich früher erreicht werden. Das Oktober-Speicherziel von 85 Prozent dürfte aus Sicht des Ministeriums schon Anfang September erreicht werden, bestätigte eine Sprecherin.

Zuvor hatte der "Spiegel" aus einem internen Vermerk des Ministeriums zitiert. Auch der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hatte jüngst gesagt, die Gasspeicher würden mit einer "bewundernswerten Geschwindigkeit" befüllt. Nach Habecks Worten werden die Unternehmen das Gas in den Speichern dann über den Winter planmäßig ausspeichern können, um auch darüber Industrie und Haushalte zu versorgen. Eine Verordnung sieht vor, dass die deutschen Speicher am 1. Oktober zu mindestens 85 Prozent gefüllt sein müssen. Am 1. November sollen es mindestens 95 Prozent sein.

Die Speicher gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus und bilden damit eine Art Puffersystem für den Gasmarkt. Der Füllstand wird immer erst mit Verzögerung gemeldet. Russland hatte zuletzt angekündigt, Gaslieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 Ende August für drei Tage zu unterbrechen. Vom 31. August bis zum 2. September werde wegen Wartungsarbeiten kein Gas nach Deutschland fließen. Danach sollten täglich wieder 33 Millionen Kubikmeter Erdgas geliefert werden. Das entspricht den 20 Prozent der täglichen Maximalleistung, auf die Russland die Lieferung schon vor einigen Wochen verringert hat.

Der Bezug von russischem Gas ist laut Wirtschaftsministerium deutlich gesunken. Im August seien nur neuneinhalb Prozent des Gasverbrauchs über die russischen Pipelines angekommen, bestätigte die Sprecherin. Das liege auch am geringen Verbrauch des Sommers. Das Gros der russischen Pipeline-Importmengen sei über andere Wege kompensiert worden, heißt es in dem Vermerk laut "Spiegel". Neue Bezugsquelle solle nun Frankreich werden. Bislang hat Frankreich auch russisches Gas über Deutschland bezogen. Zudem importiert das Land wegen zahlreicher heruntergefahrener Atomkraftwerke große Mengen von Strom aus Deutschland. Dieser stammt überwiegend aus Gaskraftwerken, die extra für den Frankreich-Export laufen.

Doch ab Herbst soll dem Ministerium zumindest der Gasstrom nun umkehren. Auch Flüssiggasterminals in Frankreich könnten für den deutschen Einkauf von Gas genutzt werden und die Versorgungslage deutlich entspannen. Deutschland verfügt in Mittel- und Westeuropa über die größten Speicherkapazitäten für Erdgas. Laut Branchenverband Ines können sie Gas mit einem Energiegehalt von maximal rund 256 Terawattstunden speichern. Das entspricht etwa einem Viertel des jährlichen Gasverbrauchs in Deutschland.

Das Speichervolumen alleine kann Deutschland nach früheren Angaben der Bundesregierung zwei bis drei durchschnittlich kalte Wintermonate mit Gas versorgen. Für gewöhnlich sind die Speicher mit Beginn der Heizperiode im Herbst gut gefüllt. Bis zum Frühjahr nehmen die Füllstände ab. An kalten Wintertagen werden bis zu 60 Prozent des Gasverbrauchs in Deutschland aus deutschen Speichern abgedeckt.

(tkn)