Gedenken an die Reichspogromnacht: Stolpersteine-App für ganz Deutschland

Das Gedenken an die Opfer der NS-Zeit soll lebendig gehalten werden. Eine App will nun auf Stolpersteine deutschlandweit hinweisen und Daten zugänglich machen.

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Stolpersteine geben über die Opfer des Nationalsozialismus Auskunft – an den Orten, an denen sie vor der systematischen Verfolgung zuvor lebten.

(Bild: d-Sire)

Gegen das Vergessen der Gräueltaten der Nationalsozialisten wurden von dem Künstler Gunter Demnig und seinen Vertretern mittlerweile mehr als 90.000 Stolpersteine verlegt. Die Agentur d-sire aus Köln hat nun eine App herausgegeben, welche Menschen den Weg zu den Stolpersteinen deutschlandweit weist.

Unter anderem anlässlich des Gedenkens an die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 werden die Stolpersteine von vielen Freiwilligen Jahr für Jahr geputzt und auch Blumen und Kerzen an ihnen aufgestellt. Die Stolpersteine geben darüber Auskunft, welche ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner von Gebäuden während der NS-Zeit enteignet, vertrieben, deportiert und auch getötet wurden.

Die Stolpersteine gelten als eines der größten dezentralen Mahnmale der Welt. Nicht nur in Deutschland werden die quadratischen Messingtafeln, die von Hand mittels Hammer und Schlagbuchstaben beschriftet werden, verlegt. Auch in 29 weiteren Ländern gibt es Stolpersteine. Gunter Demnig hat mit der Verlegung im Jahr 1992 begonnen.

D-Sire hat für die App nach eigenen Angaben öffentlich verfügbare Daten von Wikipedia und OpenStreetMap verwendet. Bisher sind etwas mehr als 20.000 Stolpersteine in der App vorhanden, weitere sollen regelmäßig ergänzt werden.

Screenshot aus der App

(Bild: d-sire)

In der App kann über eine Kartenansicht oder Orts-Verzeichnisse nach Stolpersteinen gesucht werden. In größeren Städten können schon durch die Standortermittlung Steine in der Nähe angezeigt werden. Von den Steinen sind jeweils Fotografien und die eingeklopften Daten in der App sichtbar. Für Menschen mit erheblicher Sehschwäche und eingeschränkter Motorik soll die App weitestgehend barrierefrei sein.

D-Sire weist darauf hin, dass die App "Stolpersteine Deutschland" (verfübgar bei Google Play und im Apple App Store) eigeninitiativ ohne Steuer- und Spendengelder realisiert wurde und dem Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus dient. Die Erinnerungskultur solle mit ihr digital unterstützt werden.

Es gibt bereits ein paar Apps zu den Stolpersteinen, allerdings lokal begrenzt. Der Westdeutsche Rundfunk hat etwa für das Land Nordrhein-Westfalen eine entsprechende App herausgegeben.

(kbe)