Gefängnisse in Bayern: Ausbau des Drohnenabwehrsystems trotz fehlender Drohnen

Gegen Drohnen als Gefängnis-Drogenkuriere geht Bayern mit technischen Mitteln vor. Das System hat noch keine Drohne gestoppt – und soll doch ausgebaut werden.

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(Bild: alexfan32/Shutterstock.com)

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  • Tilman Wittenhorst

Vor knapp einem Jahr nahmen mehrere Gefängnisse in Bayern ein Drohnenabwehrsystem in Betrieb. Jedoch haben diese Systeme bis heute keine einzige Drohne abgefangen, erklärt das bayerische Justizministerium. Seit der Einführung im Oktober 2020 seien überhaupt nur zwei Drohnen gesichtet worden, diese hätte sich jedoch außerhalb der Reichweite des Abwehrsystems befunden. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Dennoch soll laut dem Bericht der Einsatz solcher Abwehrsysteme gegen Drohnen in Bayern ausgebaut werden. An der JVA Amberg etwa setzt das Justizministerium ein Drohnendetektionssystem ein, das die Fluggeräte bereits aufspüren kann, bevor diese abheben. Die Kosten dafür sollen sie auf ungefähr 600.000 Euro belaufen. Der Einsatz diene als präventive Maßnahme, um das Abwerfen von Drogen über Gefängnissen zu verhindern.

Das Pilotprojekt begann im Herbst vergangenen Jahres. Acht Justizvollzugsanstalten begannen damals mit dem Test eines Systems zum Abschießen von Drohnen. Mit den Dropster genannten Netzpistolen können Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalten die kleinen, unerwünschten Flugobjekte vom Himmel holen.

Seit 2015 gab es über Gefängnissen in Bayern oder in ihrer unmittelbaren Nähe insgesamt 57 Drohnensichtungen. Davon sei in zwei Fällen versucht worden, etwas in ein Gefängnis zu schmuggeln (einmal ein Mobiltelefon, einmal Drogen). In beiden Fällen war das jedoch erfolglos geblieben.

Die oppositionelle SPD in Bayern hat grundsätzlich nichts gegen die Abwehr der Drohnen über Gefängnissen. Ihr rechtspolitischer Sprecher Horst Arnold sagte aber laut RND, das sei nicht ausreichend, um das Drogenproblem in den Haftanstalten anzugehen. "Das Drogenproblem muss durch entsprechend medizinisch betreuten Substitutionsmaßnahmen ganz offiziell entschärft werden", sagte Arnold. Auf diesem Weg würde man den illegalen Beschaffungsdruck schwächen.

(tiw)