Gehaltsexpertin: "Inflation ist kein Grund für mehr Geld"

Jeder fünfte Deutsche nutzt einer Umfrage zufolge die Inflation als Argument für eine Gehaltserhöhung. Eine Expertin rät davon ab und nennt bessere Gründe.

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(Bild: Andrey_Popov/Shutterstock.com)

Von
  • Peter Ilg

Im Mai lag die Inflationsrate bei 8 Prozent. Das bedeutet: Das Einkommen ist 8 Prozent weniger wert. Deshalb denkt laut einer YouGov-Umfrage jeder fünfte Deutsche darüber nach, den Kaufkraftverlust durch eine Gehaltserhöhung auszugleichen. Gehalts- und Verhandlungsexpertin Claudia Kimich rät von dieser Begründung allerdings ab: "Mehr Geld kann man wegen guter Leistung verlangen und nicht wegen einer stark gestiegenen Inflation." Die Informatikerin empfiehlt vor Gehaltsgesprächen, den eigenen Marktwert in Unternehmen herauszufinden, in denen man nicht unbedingt arbeiten möchte.

Rechtfertigt die hohe Inflation die Frage nach mehr Geld?

Nein, das tut sie nicht. Ich halte es für keine gute Idee, die Inflation als Argument für eine Gehaltserhöhung zu nutzen. Wenn man auf die letzten zehn Jahre schaut und voraussetzt, jährlich fünf Prozent mehr Gehalt herausgehandelt zu haben, ergibt das bei einem Jahresgehalt von 48.000 Euro eine Gehaltssteigerung von insgesamt rund 26.500 Euro. Wird demgegenüber eine Gehaltserhöhung auf dem Niveau der Inflation gestellt, ergibt das etwa 8.200 Euro. Die Zahlen sprechen eindeutig gegen die Inflation als Argument für mehr Geld.