Gigabit-Netze: Kabel ist modernisiert, FTTH nimmt Fahrt auf​

In einem halben Jahr wurden laut VATM-Marktanalyse rund 800.000 Glasfaseranschlüsse ausgebaut. Den Großteil der Gigabit-Versorgung leisten die Kabelnetze.

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(Bild: ThomBal / Shutterstock.com)

Von
  • Volker Briegleb

Rund 26 Millionen Haushalte in Deutschland können Gigabit-Internet beziehen. Damit werden bereits zwei Drittel der deutschen Haushalte erreicht, geht aus einer Markterhebung von Dialog Consult im Auftrag des Branchenverbands VATM hervor. Bis Mitte des Jahres dürfte es demnach rund 29,3 Millionen gigabitfähige Anschlüsse geben, von denen knapp 11 Millionen auch tatsächlich geschaltet wurden. Das entspricht einer Steigerung von jeweils 5 Prozent im Vergleich zum Jahresende 2020.

Der Großteil der verfügbaren Gigabit-Anschlüsse entfällt auf die Kabelnetzbetreiber, die ihre Netze in den vergangenen Jahren auf Docsis 3.1 aufgerüstet haben und nun Bandbreiten von bis zu 1 Gbit/s anbieten können. 23,3 Millionen Kabelanschlüsse sind in Deutschland verfügbar, 8,7 Millionen davon geschaltet. Dazu kommen knapp sechs Millionen direkte Glasfaseranschlüsse (FTTH/B), von denen 2,1 Millionen geschaltet sind.

Dabei ist die Modernisierung der Kabelnetze weitgehend abgeschlossen. "Die restlichen 3 Millionen Anschlüsse dürften in den kommenden 12 Monaten noch aufgerüstet werden", sagte Telekommunikationsexperte Torsten Gerpott bei der Vorstellung der Marktanalyse Gigabit-Anschlüsse des VATM. Doch dürfen sich die Kabelnetzbetreiber dann nicht auf die faule Haut legen: Sie werden weiter in ihre Netze investieren müssen, um die versprochenen Bandbreiten liefern zu können.

Während der Zuwachs an verfügbaren Gigabit-Kabelanschlüssen gemächlicher wird, wuchs die Zahl der verfügbaren Glasfaserzugänge im Vergleich zum Jahresende 2020 um 800.000, das sind fast 16 Prozent. Im Sommer werden somit gut 62 Prozent der Haushalte mit gigabittauglichen Anschlüssen versorgt werden können, schätzt Gerpott. Das entspricht etwa 26 Millionen Haushalten. Die Diskrepanz zur Gesamtzahl der verfügbaren Anschlüsse erklärt sich mit den rund 3 Millionen Haushalten, die die Wahl zwischen Kabel und FTTH haben.

(Bild: VATM)

Bei FTTH liegt der Anteil der Telekom bei 2,3 Millionen Anschlüssen, von denen 675.000 (knapp 30 Prozent) aktiv genutzt werden. Wettbewerbsunternehmen wie die deutsche Glasfaser und andere haben 3,7 Millionen Anschlüsse ausgebaut, von denen 1,5 Millionen geschaltet sind (40 Prozent). Gerpott begrüßte, dass die Telekom nun auch verstärkt in den Glasfaserausbau investiert. "Durch diese Intensivierung des Wettbewerbs wird sich der Ausbau insgesamt beschleunigen."

Der Telekommunikationsexperte zeigte sich zuversichtlich, dass die Branche beim Glasfaserausbau deutliche Fortschritte machen werde. Die verbreitete Kritik, Deutschland hänge beim Netzausbau hinterher und bewege sich knapp über dem Niveau eines Drittweltlandes, will Gerpott nicht teilen. "Das Glas ist immer halbvoll oder halbleer", sagte der Experte. "Ich denke, es ist halbvoll und wir bewegen uns weiter gut voran im Markt."

Für VATM-Präsident David Zimmer hängt dieser Fortschritt auch an den politischen Rahmenbedingungen. Die von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angeschobene Förderung der sogenannten "grauen Flecken" – also Regionen, in denen weniger als 100 Mbit/s verfügbar sind – bleibt ein Zankapfel. Für Zimmer zeigt die gute Entwicklung bei FTTH, dass die Branche das auch ohne Förderung gut hinbekommt. "Eigenwirtschaftlich geht viel mehr als man denkt", sagte der VATM-Präsident. "Wir brauchen weniger Förderung, wir brauchen eine Beschleunigung der Verfahren".

Bis 2030 sollen nahezu alle Haushalte in Deutschland an Gigabit-Netze angeschlossen werden. Aus Sicht von VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner ist das ein realistisches Ziel. "2030 werden wir es geschafft haben." Ab dann dürfte der Anteil der Kabelnetze abnehmen und sukzessive mit Glasfaser überbaut werden. Allerdings werde man "die letzten zwei, drei Prozent" der Haushalte nicht erreichen könne. Für sie bieten sich dann Alternativen, etwa Satelliten-Angebote.

Oder das "Recht auf schnelles Internet", dass Bundestag und Bundesrat zuletzt mit der Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) beschlossen haben? Gerpott winkt ab. "Das Recht auf schnelles Internet ist ein reines Politik-Schaufensterthema", meint der Experte. "Das wird keinem in der Praxis irgendwas nutzen. Bis Sie das eingeklagt haben, sind Sie alt. Das ist politisches Geklapper mit keiner Relevanz für den Markt."

(vbr)