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Gigapixelbilder: Panoramakopf für Einsteiger

Für ein Gigapixelbild müssen hunderte bis tausende Einzelfotos lückenlos fotografiert werden, was am besten mit einem motorisierten Panoramakopf gelingt. Wir haben die preiswerteste am Markt erhältliche Ausrüstung getestet und geben Tipps für den Praxiseinsatz und die Kameraeinstellungen.

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Inhaltsverzeichnis

Beim Einsatz des Merlin auf dem Berliner Funkturm wurden Panoramakopf und Kamera auf einem Hochstativ durch das Absperrgitter geschoben. Um mehr Stabilität und größere Schwenkwinkel zu erreichen, sind Kamera und Objektiv am nach oben gedrehten Objektivring „aufgehängt“. Die Steuerung erfolgte mit Papywizard über Bluetooth von einem Notebook aus.

(Bild: Ralph Altmann)

Motorbetriebene, automatisch gesteuerte Panoramaköpfe, wie sie für die Gigapixelfotografie fast unabdingbar sind, kosten oft mehr als eine High-End-Kamera. Die Ausnahme unter diesen auch Panobots genannten Spezialhalterungen heißt Merlin, auch unter dem Handelsnamen Orion bekannt. Das Grundgerät inklusive einer ansteckbaren Handsteuerung ist bei Teleskop Austria schon für 159 Euro erhältlich. Der „einarmige“, recht robuste Panoramakopf wurde eigentlich für die Teleskop-Nachführung in der Astrofotografie entwickelt. Er enthält je einen Motor für die horizontale und die vertikale Drehachse und eine einfache Steuerelektronik.

Unter der Haube finden noch zwei Batteriehalter für je vier AA-Zellen Platz, alternativ lässt sich ein Netzteil anschließen. Mit acht 1,5-V-Einwegbatterien beträgt die Versorgungsspannung 12 Volt, mit Mignon-Akkus nur etwa 9,6 Volt – leider sinkt mit der Spannung auch die Drehgeschwindigkeit der Motoren. Kurze Positionierzeiten lassen sich nur mit höheren Spannungen erreichen, 17 bis 18 Volt stellen für die Motoren noch kein Problem dar. Die integrierte Steuerelektronik erlaubt nur das Anfahren einzelner Positionen und muss für die Panoramafotografie durch eine Steuerung von außen ergänzt werden – entweder per PC oder einen angesteckten Handheld-Controller.

Ein Merlin-Panoramakopf, zwei Schienen und ein Bluetooth-Adapter gehören zum Panogear-Set von Kolor, das außerdem Auslösekabel und spezielle Akkus samt Ladegerät enthält.

(Bild: Ralph Altmann)

Das ist zwar etwas umständlicher als das Arbeiten mit dem Panobot Gigapan Epic Pro, den wir für den Gigapixelbilder-Schwerpunkt in c’t Digitale Fotografie 4/11 eingesetzt haben, aber dieser kostet mit rund 900 Euro auch erheblich mehr als der Merlin. Um auf dem Grundgerät eine Kamera zu montieren, benötigt man allerdings mindestens noch eine gerade Schiene für 49 Euro, die in der Prismenklemme des Merlin befestigt wird. Man kann diese ziemlich teure Schiene auch durch einen Selbstbau ersetzen – es gibt sogar Anwender, die dafür erfolgreich Hartholz an Stelle von Aluminium verwendet haben. Für die horizontale Kamerapositionierung ist eine L-Schiene für ebenfalls 49 Euro erhältlich, die man am besten mit einer geraden Schiene kombiniert, um die Kamera ein Stück nach hinten versetzt montieren zu können.

Dies ist notwendig, um den Nodalpunkt einigermaßen zu treffen, und generell vorteilhaft bei langen und schweren Objektiven. Laut Hersteller beträgt die maximale Last 4 Kilogramm. Falls sich der Kopf schon allein durch das Übergewicht eines langen Objektivs verdreht, verstärken Sie einfach die Friktion: Prismenaufnahme lösen und die darunter befindliche 16er-Mutter etwas anziehen. Das Auslösekabel (12 bzw. 20 Euro, nur für Canon EOS) sowie der Bluetooth-Adapter für die Ansteuerung per PC (99 Euro) müssen separat bestellt werden.

Insgesamt kommt man damit schnell über 300 Euro. Teleskop Austria bietet die notwendigsten Teile im Set als „Rundum-Sorglos-Paket“ für 289 Euro an. Ein besser ausgestattetes Paket ist unter dem Namen Panogear bei der französischen Firma Kolor erhältlich: Für 597 Euro bekommt man hier den Merlin mit beiden Schienen und Bluetooth-Adapter, einen ganzen Satz von Auslösekabeln für mehrere Kameratypen sowie zwei Lithium-Akkus mit Ladegerät, die mit ihrer höheren Kapazität und Spannung mehr Fotos und schnellere Aufnahmefolgen erlauben.

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