Facebook: Giphy-Übernahme durch Meta vor Veto aus Großbritannien

Eigentlich hatte Facebook die Übernahme von Giphy schon vor anderthalb Monaten angekündigt. Doch der Widerspruch aus Großbritannien wurde wohl nicht abgewendet.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen

(Bild: Giphy)

Update

Die britische Wettbewerbsaufsicht CMA wird angeblich am heutigen Montag die Übernahme des GIF-Verteilers Giphy durch Facebooks Mutterkonzern Meta untersagen. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf in die Entscheidung eingeweihte Personen. Es wäre das erste Mal, dass sie solch eine Übernahme eines großen Tech-Konzerns untersagt, aber angesichts der Entwicklungen in den vergangenen Monaten nicht überraschend. Schon im August hatte die CMA ihre Überzeugung bekannt gemacht, dass die Übernahme den Wettbewerb zwischen sozialen Netzwerken gefährden würde. Außerdem handle es sich um eine "Killer-Übernahme" zur Ausschaltung eines aufstrebenden Konkurrenten. Zu diesem vorläufigen Urteil wurden danach aber noch Stellungnahmen angenommen.

Meta – damals noch als Facebook – hatte die geplante Übernahme des populären Anbieters animierter Bilder im Mai 2020 angekündigt und war damit in Großbritannien umgehend auf Widerstand gestoßen. Die CMA hatte Facebook damals vorläufig untersagt, die Geschäfte Giphys zu übernehmen, beide Unternehmen müssen dort nach wie vor getrennt arbeiten. Weil sich Facebook aber geweigert hatte, für die sich anschließende Untersuchung alle Informationen zu übermitteln, verhängte die CMA Ende Oktober eine Geldbuße in Höhe von umgerechnet fast 60 Millionen Euro – der höchste Betrag ihrer Geschichte. Die Behörde war von einem vorsätzlichen Verstoß gegen ihre Vorschriften ausgegangen.

Mit welcher Begründung die Übernahme nun abgelehnt wird, schreibt die Financial Times nicht, die Zeitung erinnert aber an die im August geäußerten Vorbehalte. So hält es die CMA für möglich, dass Meta Konkurrenten den einfachen Zugang zu den beliebten GIF-Dateien vorenthalten oder im Gegenzug mehr Nutzungsdaten verlangen könnte. Damit könnte der US-Konzern seine Vormachtstellung zementieren. Dazu komme die Sorge, dass Meta seine Marktmacht bei Displaywerbung durch die Übernahme vergrößern könnte. So ist Giphy in den USA auch Anbieter von Werbung, eine Ausweitung des Geschäfts auf Großbritannien sei naheliegend. Das Unternehmen habe Berichte über derartige Pläne geleugnet.

Sollte die CMA die Übernahme nun tatsächlich untersagen, dürfte Meta gerichtlich dagegen vorgehen. Der US-Konzern war die Äußerungen "aggressiv" angegangen, schreibt die Zeitung noch. Der beispiellose Schritt aus Großbritannien sei auch ein Anzeigen für die wachsende Sorge von Regulierungsbehörden in aller Welt vor der Macht der IT-Riesen. Vor allem gegen "Killer-Übernahmen" solle deswegen entschiedener vorgegangen werden, nachdem man Facebooks Übernahmen von Instagram und Whatsapp einfach durchgewunken habe.

[Update 01.12.2021 – 13:20 Uhr] Einen Tag später als erwartet hat die CMA inzwischen verfügt, dass Facebook Giphy verkaufen muss.

(mho)