Glasfaser-Ausbau in Deutschland: "Der Markt funktioniert"

Die Netzbetreiber können beim Glasfaserausbau Tempo aufnehmen, sehen aber noch eine gute Strecke des Wegs vor sich. Probleme macht unter anderem der Chipmangel.

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(Bild: ThomBal / Shutterstock.com)

Von
  • Volker Briegleb

Der Glasfaserausbau in Deutschland macht Fortschritte, bis zu einem flächendeckenden FTTH-Angebot ist aber noch ein weiter Weg zu gehen. Im vergangenen Jahr haben die deutschen Netzbetreiber eine Anschlussmöglichkeit für fast zwei Millionen weitere Haushalte geschaffen. Insgesamt haben inzwischen 8,3 Millionen Haushalte direkten Zugang zum Glasfasernetz, das sind knapp 30 Prozent mehr als 2019. Das geht aus einer Marktanalyse für 2020 hervor, die der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) am Dienstag vorgestellt hat.

Etwa ein Viertel der bereitgestellten Anschlüsse entfallen auf die Deutsche Telekom, den Löwenanteil stellen die zahlreichen Wettbewerber. Unter den 8,3 Millionen prinzipiell anschlussfähigen Haushalten sind auch solche, bei denen noch kleinere Baumaßnahmen notwendig sind ("Homes Passed"). Von den insgesamt 6,2 Millionen Haushalten, die von den Breko-Unternehmen erreicht werden, sind 4,4 Millionen tatsächlich angeschlossen, von denen wiederum 1,9 Millionen mit aktiven Kundenverträgen am Netz sind. Im Marktsegment der in Deutschland verfügbaren Anschlüsse mit Bandbreiten von 200 MBit/s und mehr wächst der Anteil der Glasfaser von 13 Prozent im Vorjahr auf 17 Prozent.

Die Nachfrage nach den tatsächlich verfügbaren Anschlüssen bleibt dabei auf Vorjahresniveau, die sogenannte "Take-up rate" liegt bei knapp über 40 Prozent, bei der Telekom sind es einer anderen Studie zufolge etwa 30 Prozent. Die Branche ist zuversichtlich, dass die Nachfrage steigen wird. Studienleiter Jens Böcker, der die Marktanalyse für den Breko durchgeführt hat, rechnet nicht nur angesichts des Trends zum Homeoffice auch mit steigender Nachfrage nach hohen Uploadraten: "Wir werden mehr Angebote mit symmetrischen Bandbreiten sehen."

Alleine das Datenvolumen pro Monat und Nutzer wächst weiter stark und lag 2020 bei durchschnittlich 200 Gbyte (2019: 142 GByte). Der Breko erwartet, dass sich die Bandbreitennachfrage in den nächsten fünf Jahren um das fünf- bis sechsfache erhöhen wird. Für Privatkunden hieße das durchschnittlich 845 Mbit/s (Download) und 302 Mbit/s (Upload), bei Geschäftskunden wird die nachgefragte Bandbreite 2026 demnach bei 1,5 Gbit/s (Download) und 922 Mbit/s (Upload) liegen. Während bei Privatkunden der Bandbreitenbedarf von IPTV und Streaming-Dienste getrieben wird, ist es bei Geschäftskunden die Cloud.

(Bild: Bundesverband Breitbandkommunikation)

"Auch wenn wir noch nicht am Ziel sind, so können wir doch feststellen, dass jetzt alle Parameter auf Grün stehen", zeigte sich Breko-Präsident Norbert Westfal erfreut. Immer mehr Unternehmen gehen Ausbauprojekte an und verzichten auf die staatliche Förderung, weil die Förderverfahren bremsen. Die Breko-Unternehmen haben im vergangenen Jahr 5,9 Milliarden Euro in den Glasfaserausbau gesteckt, bei der Telekom sind es 4,6 Milliarden Euro. "Der Markt funktioniert", sagte Westfal. Der Breko geht davon aus, dass noch im laufenden Jahr die Zahl von 11,5 Millionen verfügbaren Glasfaseranschlüssen erreicht wird. Bis 2024 sollen es dann insgesamt 26 Millionen mögliche Anschlüsse werden, von denen 10 Millionen die Telekom bereitstellt.

Und das trotz immer noch bestehender Hindernisse. So ist auch der Glasfaserausbau vom weltweiten Chipmangel betroffen: "Die Knappheit bei Glasfasermodems scheint sich zu bessern", sagte Westfal. "Auch Netzelemente sind betroffen, aber das haben wir für die nächsten Monate im Griff." Auch beim Tiefbau ist die Lage nach wie vor angespannt, auch wenn inzwischen mehr ausländische Unternehmen ihre Kapazitäten anbieten.

(Bild: Bundesverband Breitbandkommunikation)

Nicht nur im Hinblick auf die Baukapazitäten warnt die Branche eindringlich vor politisch verordneten Ausbauverpflichtungen, mit denen einige Parteien im Wahlkampf liebäugeln. Das wäre ein "fatales Signal für die Investoren", die jetzt den Glasfaserausbau vorantreiben, mahnte Westfal. Eine Ausbauverpflichtung bremse den bedarfsgerechten und wettbewerbsgetriebenen Ausbau.

Der Verband wiederholte seine Forderung nach einem Digitalministerium, in dem die für den Ausbau entscheidenden politischen Kompetenzen gebündelt werden. Die Politik müsse so der wichtigen Rolle des Netzausbaus Rechnung tragen. "Der Glasfaserausbau ist das für zukunftsentscheidende Infrastrukturprojekt der nächsten Jahre", mahnte Breko-Geschäftsführer Stephan Albers. "Da kann man nicht in Legislaturperioden denken."

(vbr)