Glasfaserbetreiber stimmen Verbraucher auf steigende Preise ein

Bei der Telekommunikation gingen die Preise in den vergangenen Jahrzehnten ständig nach unten. Nicht nur angesichts des Inflationsdrucks könnte sich das ändern.

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(Bild: ThomBal/Shutterstock.com)

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  • Stefan Krempl

Der Zugang zu schnellen Internetanschlüssen dürfte in den kommenden Monaten teurer werden. Die Zeit kontinuierlich sinkender Preise im Telekommunikationsmarkt sei nicht nur aufgrund des allgemeinen Inflationsdrucks weitgehend vorbei, waren sich Chefs und führende Mitarbeiter von Glasfasernetzbetreibern und Investitionsfirmen am Dienstag auf den Messe und Konferenz vereinenden Fiberdays 22 des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko) in Wiesbaden einig.

Wenn der Markt sich weiter von den Eingangskosten entwickele, werde es keinen Weg vorbei an einer Preiserhöhung geben, erklärte Soeren Wendler, Verkaufsleiter der Deutschen Giganetz. "Die Großen müssen anfangen", appellierte er an die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica & Co. "Lasst uns den Versuch unternehmen." Die Inflation könne dabei auch ein Anlass sein, den Technologiewechsel von Kupfer hin auf Glasfaser und die damit verknüpften Mehrwerte wie Anwendungen im Smarthome zu erklären. Dies sei ähnlich wie der Umstieg von 4G auf 5G im Mobilfunk.

Der Materialaufwand in der Telco-Branche sei zum Glück mit 10 bis 15 Prozent nicht so hoch, erläuterte Wendler die bisherige Preistendenz. Spätestens 2025 erwartet er aber auch "erste Anzeichen für eine Konsolidierung" in dem Markt: "Flickenteppichnetze werden sich nicht mehr tragen." Kleine City-Carrier etwa seien "nicht überlebensfähig". Der Verkaufsexperte hat zudem die große Sorge, dass "im Übereifer" eine "Tsunamiwelle" des geförderten Breitbandausbaus auf die Branche zukomme. Dabei sei der Fachkräftemangel auf Bau- und Behördenseite bereits groß, was zu weiterem Zeitverzug führen könne.

Alle in der Branche planten aktuell fürs nächste Jahr, in dem die Kapazitäten eng werden und die Preise nach oben ziehen könnten, ergänzte Thorsten Dirks, Chef der Deutschen Glasfaser. Derzeit lägen die Monatskosten bei einem Glasfaseranbieter zwischen 70 und 90 Euro für 1 GBit/s, auf anderer Infrastruktur wie dem Kabel teils bei nur 39 Euro. Da sei es nötig, nicht nur immer über Bandbreiten, sondern auch über kurze Antwort- und Latenzzeiten sowie damit ermöglichte neue Anwendungen etwa fürs Homeoffice in Pandemiezeiten zu reden.

Die Inflation schlage sich schon jetzt mit aktuell 7,9 Prozent auf die Baukosten und die allgemeinen Endkundenpreise nieder, betonte Jürgen Hansjosten, Geschäftsführer des Infrastrukturfonds Infrafiber. Im Baubereich dürfte die Rate nächstes Jahr zweistellig werden. Der Investor sieht damit den "Zwang" verknüpft, die Preise für Glasfaseranschlüsse zu erhöhen. Dazu komme die "Unsicherheit in der Förderkulisse", da die Gigabitstrategie der Bundesregierung noch nicht stehe. In den Gemeinden treffe daher momentan keiner eine Entscheidung, auch wenn Glasfaser dort mittlerweile zumindest prinzipiell Vorrang habe.

"Liebe ISPs, habt den Mut, die Preise zu erhöhen", wandte sich Jens Prautzsch, Chef von Unsere Grüne Glasfaser (UGG), direkt an die Provider. "Wir werden in diese Richtung gehen müssen." Dazu gebe es "von unserer Vorleistungsseite auch Druck". Das Joint-Venture von Allianz und dem spanischen Telefónica-Konzern versuche parallel, eine höhere Auslastung aufs Netz zu bekommen. Allenfalls wenn diese Strategie erfolgreich sei, könne die Preisfrage nicht mehr so wichtig sein.

"Der Inflationsdruck betrifft uns noch nicht so stark", ließ Stefan Holighaus, Mitglied der Geschäftsleitung des Glasfaseranbieters DNS:NET durchblicken. "Wir haben früh eingekauft." Er befürchtet aber, dass die Entwicklung "uns nächstes Jahr massiv einholen" und "auf die Füße" fallen werde. Dann werde wohl maximal noch "an der Marge gekratzt". Allein die Steigerung der Energiekosten sei bisher noch nicht einmal vorstellbar gewesen, was sich besonders auf den parallelen Betrieb von Rechenzentren durch die Firma auswirke, an der der britische Investmentkonzern 3i Infrastructure eine Mehrheit hält.

Für Holighaus ist ein Drehen an der Schraube der Endverbraucherpreise daher nur noch eine Frage der Zeit: Den Ersten, der sich aus der Deckung wage, "werden alle verprügeln", prognostizierte er. Drei Monate später werde die gesamte Branche aber nachziehen.

"Wir beginnen uns im Glasfasermarkt gegenseitig zu überbauen", verwies der Chefvermarkter von DNS:NET zudem auf neue Auswüchse des staatlich geförderten Gigabitausbaus. Dagegen brauche es wirksame Instrumente. Ein "Fördertsunami" mache das Modell irgendwann kaputt. Wenn Netzbetreiber eigenwirtschaftlich ausbauten, dürften staatliche Gelder für parallele Projekte nicht mehr verwendet werden.

Prautzsch von der UGG plädierte an dieser Front zumindest für ein Einfrieren der Förderung, wenn ein Betreiber bereits vor Ort tätig sei und sein Netz über das Open-Access-Modell für Wettbewerber öffne. Hier sei eine Art Investitionsschutz nötig.

Breko-Präsident Norbert Westfal nutzte die Gelegenheit, um den ihre eigene Agenda verfolgenden Ländern eindringlich ins Gewissen zu reden, "im konstruktiven Dialog mit der Branche Wege für eine effiziente Verzahnung von eigenwirtschaftlichem und gefördertem Ausbau zu entwickeln". Nur so sei das Ziel zu erreichen, hierzulande bis 2030 Gigabit mit Glasfaser flächendeckend anbieten zu können.

(olb)