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Glosse: Ich kauf mir 'ne Leica von Moncler, yeah!

Kennen Sie Moncler? Hören Sie deutsche Rap-Musik? Interessieren Sie sich für Bushido und Kay One? Falls nicht, ist auch egal. Sie sollten in jedem Fall weiterlesen! Inzwischen mischt selbst die altehrwürdige Leica Camera AG indirekt in der schrägen Gangster-Posse mit.

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Kennen Sie Moncler? Hören Sie deutsche Rap-Musik? Interessieren Sie sich für Bushido und Kay One? Falls nicht, ist auch egal. Sie sollten in jedem Fall weiterlesen! Inzwischen mischt selbst die altehrwürdige Leica Camera AG indirekt in der schrägen Gangster-Posse mit.

Regelmäßig trudeln in der Redaktion Pressemeldungen ein, in denen mal mehr und mal weniger gelungene Sondereditionen neue Kaufanreize setzen sollen. Die Bandbreite reicht von blütenweißen Sonderausgaben der Canon EOS 100D über grotesk bunte Pentaxe bis zu umgelabelten Sony-Kameras, die Hasselblad mit angeschraubtem Edelholzgriff zum vierfachen Preis verkaufen möchte.

Ein Kommentar von Sascha Steinhoff

Sascha Steinhoff ist Redakteur bei c't Digitale Fotografie und schreibt seit 2008 regelmäßig über techniklastige Fotothemen. Privat ist er seit analogen Zeiten bekennender Nikon-Fanboy, beruflich ist er da flexibler. Als Softwarespezialist kümmert er sich insbesondere um die Themen Raw-Konvertierung, Bildbearbeitung und Bildarchivierung.

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Als Leica kürzlich die Meldung über die Leica X Edition Moncler lancierte, konnte ich es ehrlich gesagt nicht wirklich einordnen. Was bitte ist Moncler? Nun, Moncler produziert gesteppte Daunen-Jacken, in denen man ein bisschen aussieht wie das Bibendum. Ganz früher hingen solche Designs für 20 Mark beim New Yorker, inzwischen gibt’s die Jacken ab 900 Euro aufwärts in der Boutique. Damit sie trotzdem jemand kauft, posen populäre Rapper medienwirksam in Moncler-Outfits. Der aus dem Privatfernsehen bekannte Kay One hat der Moncler, zusammen mit dem doch eher übel beleumundeten Bushido, in seinem Song Style & das Geld sogar ein kleines Denkmal gesetzt. Textprobe gefällig?

„Affe komm doch her, ich trag' ne nagelneue Jacke von Moncler.
Und chill' am Meer, Yeah!“

Das Video zu Style & das Geld gibt's auf Youtube: Krasser Gangster-Style, und wer sein ganzes Taschengeld für eine Moncler rausbläst, darf sich irgendwie dazugehörig fühlen.

Aber was bitteschön hat Leica von einer Kooperation mit einem Modelabel, das in der Halbwelt als Statussymbol gilt? Und mal ganz abgesehen von der Marke Moncler als solcher: Wenn ein traditionsreicher Kamerahersteller sich selbst in der Lifestyle-Ecke positioniert, dann ist das immer auch ein Statement über die eigene Produktqualität. Wer eine gute und vor allem zeitgemäße Kamera hat, muss sie nicht mit modischem Firlefanz im Gespräch halten.

Mein Tipp an Leica-Fans wäre jedenfalls folgender: Investieren sie keinesfalls 2450 Euro in das Moncler-Sondermodell! Für 1850 Euro bekommen Sie schon eine normale Leica X und für den Differenzbetrag von rund 600 Euro kaufen Sie sich so eine schicke Moncler-Weste, wie sie Kay One im Video getragen hat. Ähnlich wie bei der Leica hebt sich auch bei der Moncler das Logo gut sichtbar vom Hintergrund ab. Man kann die Marke in beiden Fällen auch aus großer Entfernung erkennen und darum geht es ja schließlich. (sts)