GoStudent: Künstliche Intelligenz wird unser Geschäft mit Nachhilfe stärken

Der Nachhilfe-Anbieter GoStudent glaubt an große Marktgewinne durch die Integration von KI in sein Angebot. Dafür hat er nun eine Strategie vorgestellt.

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(Bild: Besjunior/Shutterstock.com)

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Der digitale Nachhilfeanbieter GoStudent hat eine Strategie für die Integration von Künstlicher Intelligenz in sein Geschäftsmodell vorgestellt. Mittels KI will das Unternehmen sein personalisiertes Nachhilfeangebot stärken und damit seinen Umsatz in den nächsten fünf Jahren um 40 Prozent steigern. Die Implementierung von KI könne die eigene Nachhilfe zugänglicher, bezahlbar und interaktiver machen. Auch werde KI "als grundlegend" für das künftige Wachstum betrachtet.

Laut GoStudent habe das Unternehmen für seine Strategie die neuesten Datenquellen zur Quantifizierung des Marktpotentials genutzt. Demnach erreiche der globale Markt für KI im Bildungswesen bis 2027 schätzungsweise 10-20 Milliarden US-Dollar. GoStudent will bis zu 10 Prozent dieses Marktpotentials für sich erobern.

"KI hat das Potenzial, einen erheblichen Mehrwert zu schaffen, sowohl in Bezug auf Umsatzmöglichkeiten als auch auf die Verbesserung des Lernerlebnisses", erklärt Felix Ohswald, CEO und Co-Founder von GoStudent. "Um diese Technologie richtig zu nutzen, müssen Bildungsunternehmen herausfinden, wie KI eingesetzt werden kann, um ihre bestehenden USPs (Unique Selling Propositions) zu verstärken."

Zwar wolle das Unternehmen weiterhin auf menschliche Tutorinnen und Tutoren setzen, ein KI-Tutor könne aber wesentlich kostengünstiger sein. Langfristig will GoSstudent deshalb einen KI-Tutor entwickeln, "der auf der Grundlage der Erfahrungen der mehr als 11 Millionen Familien, die die GoStudent-Gruppe weltweit unterstützen, geschult ist." Auf diese Weise könne ein breiteres Spektrum an Familien bedient und das Marktpotential erschlossen werden.

Des Weiteren investiere das Unternehmen in den Aufbau von KI-gesteuerten Tools, mit denen die Tutorinnen und Tutoren entlastet werden könnten. Für sie könne beispielsweise ein Unterrichtsplan-Generator eingesetzt werden, der auf den jeweiligen Lehrplan geschult ist, und der laut GoStudent durchschnittlich 15 Minuten pro Unterrichtsstunde einsparen könne. Zudem solle ein "Tutoren-Support-Bot" eingeführt werden, der Auffrischungskurse anbiete und so die Weiterbildung unterstütze.

Schon jetzt wirbt GoStudent mit individuellen Lehrplänen. Je nach Bundesland, Jahrgangsstufe und Schulform können Nachhilfe-Inhalte sehr verschieden sein, hinzu kommen dann noch die persönlichen Schwächen und Stärken der Schülerinnen und Schüler.

(Bild: GoStudent)

Ziel sei es, so Ohswald, "die Erfahrung von Schüler*innen und Tutor*innen weiter zu verbessern – indem wir zunehmend maßgeschneiderte Unterrichtsstunden und Lernumgebungen schaffen und Prozesse automatisieren, sodass die Tutor*innen mehr Zeit mit den Schüler*innen verbringen können."

Für die Nachhilfeschüler solle das Angebot durch KI-gesteuerte Lern-Einheiten erweitert werden. Diese würden auf Grundlage der gewünschten Nachhilfe individuell zusammengestellt und könnten ohne menschliche Hilfe durchgeführt werden.

Automatisiert zusammengestellte Lerneinheiten dieser Art werden mittlerweile auch schon von den großen Schulbuchverlagen für den Schulunterricht angeboten – dort wird das Angebot zumeist unter den Stichworten "Diagnose" und "Fördern" zusammengefasst und ist als automatisierte Lernstandsanalyse zu verstehen (vgl. auch Learning Analytics). Die Leistung der Kinder wird anhand von standardisierten Online-Tests eingeschätzt und auf Grundlage der Ergebnisse werden Lerneinheiten zur weiteren Förderung oder zum Fordern vorgeschlagen. Lehrkräften soll damit unter anderem Arbeit abgenommen werden, um mehr Ressourcen für andere Tätigkeiten freigeben zu können.

Während die automatisierte Erhebung zum einen dazu führen kann, dass Kinder objektiver eingeschätzt werden können, und das zu mehr Fairness und zielgenauerer Förderung im Unterricht beitragen kann, dürfen diese Systeme zugleich in ihrer Aussagekraft nicht überbewertet und die Leistungen der Kinder nur anhand solcher Systeme eingeschätzt werden, wurde etwa am Stand von Cornelsen anlässlich der Didacta 2023 erklärt. Lehrkräften kommt auch mit dieser Software immer noch eine große Bedeutung bei der (Leistungs-)Einschätzung von Kindern und Jugendlichen zu.

Update

Auch der digitale Nachhilfe- und Lernanbieter Simpleclub setzt auf die Einbindung von KI. Nicolai Schork, Gründer und CEO von simpleclub, dazu: "Wir wissen, dass jeder anders lernt und speisen die Stärken, Schwächen und Lernpräferenzen unserer Nutzerinnen und Nutzer in personalisierte Lernpfade. Vor diesem Hintergrund sehen wir (generative) KI als enorme Chance, um Lerninhalte schneller zu skalieren und weiter personalisieren zu können. Dafür arbeiten wir bereits an einer KI-basierten Übungsapplikation, die den Lernenden zum gewählten Thema unbegrenzt viele unterschiedliche Übungsaufgaben im passenden Schwierigkeitsgrad zur Verfügung stellt. Die Basis dafür sind unsere bestehenden Inhalte, die die didaktische Qualität der Aufgaben sicherstellen und uns einen Vorsprung gegenüber generalisierten Modellen bieten. Der nächste Entwicklungsschritt ist die Nutzung von KI für interaktive personalisierte Erklärungen."

Angst vor einem Geschäftseinbruch aufgrund der Einführung von KI in immer mehr Lebens- und Lernbereiche zeigt GoStudent in der aktuellen Mitteilung nicht. Nenad Marovac, Gründer und Managing Partner von DN Capital, erklärt dort. "Wir sehen es als entscheidend an, dass die Unternehmen nicht aus den Augen verlieren, was sie in ihrem Bereich einzigartig macht. Bei GoStudent ist es klar, dass KI den Wert des Unternehmens nur steigern kann. Schüler*innen kommen nicht zu GoStudent, um Fakten zu lernen, sondern um ihren perfekten Bildungspartner zu finden, und aus diesem Grund werden sie ihren Wert beibehalten. Ihre Arbeit mit KI wird nur dazu dienen, ihr Angebot zu verbessern."

Die Schätzung der Größe des globalen KI-Marktes im Bildungswesen wurde laut GoStudent durch die Analyse von drei Berichten erstellt: Global Market Insights, Grand View Research und Global Market Estimates sowie Erkenntnisse von Holon IQ.

Artikelserie "Schule digital II"

Wie sollte die Digitalisierung in unseren Schulen umgesetzt werden? Wie beeinflusst die Coronavirus-Pandemie das Geschehen? Was wurde im Schuljahr 2020/2021 erreicht - wie ging es 2021/2022 weiter? Das möchte unsere Artikelserie beleuchten.

Artikelserie "Schule digital"

(kbe)