Google Cloud: Künftig verstärkt auch im Rechenzentrum und an der Edge

Google hat auf der Nutzerkonferenz Next '21 ein Produkt-Portfolio angekündigt, das die Cloud-Infrastruktur an die Edge und in die Rechenzentren bringen soll.​

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Von
  • Bruno Stömer

Google Distributed Cloud heißt der Mix aus Hard- und Software-Angeboten, die die Infrastruktur der Google Cloud auf den Edge-Bereich und in die Rechenzentren der Kunden ausdehnt. Auch lokal verarbeitete Workloads, etwa weil sie niedrige Latenzen benötigen oder aus branchen- und regionsspezifischen Compliance- und Sicherheitsanforderungen nicht vollständig oder nicht sofort in die Cloud verlagert werden können, sollen damit künftig die Vorzüge der Google Cloud genießen. Das kündigten Google Cloud CEO Thomas Kurian und Google und Alphabet CEO Sundar Pichai bei der Opening Keynote der Next ’21 neben einer ganzen Reihe von neuen Partnerschaften mit Großunternehmen an.

Den individuellen Anforderungen folgend können Kunden die Google Distributed Cloud an mehreren Standorten und über verschiedene Instanzen verteilt betreiben. Googles Network Edge verteilt sich auf 146 globale Edge-Netzwerkstandorte. Die Operator-Edge ist für Anwendungsfälle mit niedriger Latenz optimiert: Kunden können damit 5G- und LTE-Dienste nutzen, die Google mit Kommunikationsdienstleistern wie Nokia und Ericsson entwickelt. Customer-Edges unterstützen kundeneigene Edge- und Remotestandorte wie Einzelhandelsgeschäfte, Fabriken oder Zweigstellen, die das Verarbeiten von Daten direkt an den „Edge“-Standorten vor Ort erfordern. Um On-Premises-Implementierungen einzubinden, will Google ebenfalls kundeneigene Rechenzentren und Colocation-Einrichtungen unterstützen.

Auf der Next '21 präsentierte Google sein künftiges Cloud-Konzept.

(Bild: Google)

Eines der ersten beiden Produkte im Google Distributed Cloud-Portfolio ist Google Distributed Cloud Edge, das sich bereits im Preview befindet. Es ermöglicht, Unternehmensanwendungen zusammen mit 5G-Core- und Radio Access Network-Funktionen am Edge auszuführen. Cloud Solution Provider können damit Workloads auf Intel- und NVIDIA-Technologien ausführen, um neue 5G- und Edge-Anwendungsfälle bereitzustellen. Zudem will Google ISV- und Netzwerkfunktionspartner sowie Anwendungsentwickler ansprechen: Ihre Produkte sollen schneller und effizienter skalieren.

Das zweite Produkt in der Suite ist Google Distributed Cloud Hosted, das den Aufbau einer eigenen Cloud im Rechenzentrum ermöglicht. Google preist das Produkt als eine Möglichkeit zur Modernisierung von On-Premises-Umgebungen an, die strengen Sicherheitsanforderungen unterliegen.

Die Verwaltungsplattform Google Anthos bildet das Fundament der beiden Google Distributed Cloud-Produkte. Die Open-Source-Software Anthos selbst basiert auf der von Google implementierten Container-Plattform Google Kubernetes Engine (GKE) und kann auf von Google verwalteter Hardware beim Kunden oder am Edge-Standort implementiert werden.

Mit dem ebenfalls neu vorgestellten Anthos for VMs bietet Google eine einheitliche Entwickler-Plattform, auf der Kunden sowohl Container als auch virtuelle Maschinen in einer gemeinsamen Umgebung erstellen, bearbeiten und bereitstellen können. Darin können Anwender über die Anthos-Control-Plane eine Verbindung zu einer vSphere-Umgebung herstellen, um bestehende vSphere-VMs in Anthos einzubinden. Damit will Google konsistente Sicherheit über Cluster hinweg, die Verwaltung des Datenverkehrs sowohl für VMs als auch für Container, sowie die Observability über alle betriebenen Services gewährleisten.

Die neue Anthos Cloud-API ist ab Ende 2021 verfügbar. Sie ermöglicht die Bereitstellung und Verwaltung von GKE-Clustern, die auf AWS oder Azure-Infrastrukturen laufen, direkt über die CLI und die Google Cloud Console.

Anthos Config Management, Anthos Service Mesh und eine Reihe weiterer Dienste, die Google ursprünglich für Hybrid und Multi-Cloud-Anwendungsfälle in Anthos entwickelt hatte, sind nun auch für die Google Cloud Plattform verfügbar:

Anthos Config Management soll GKE-Kunden die Konfigurations- und Richtlinienautomatisierung vereinfachen. Das ab sofort verfügbare Anthos Service Mesh erweitert Sicherheits- und Netzwerkfunktionen für die Konfiguration von Container-basierten Microservices. Zudem unterstützt es hybride Meshs aus Google Cloud- und On-Premises-Implementierungen.

Im Bereich Big Data und Künstliche Intelligenz hat Google ebenfalls weitere Produkte angekündigt: Dabei liegt der Fokus verstärkt auf Echtzeit-Analysen. Mit der Vertex AI Workbench erweitert Google das im Mai 2021 veröffentlichte Vertex AI. Die Workbench ist eine überarbeitete Entwicklungsumgebung, die Benutzerführung vereinfachen und damit die Entwicklung von Machine Learning–Modellen verkürzen soll. Zur Bewältigung des komplexen Datenmanagements in Hybriden- und Multi-Cloud-Umgebungen kündigt das Unternehmen zudem die allgemeine Verfügbarkeit von BigQueryOmni (GA) an: Dabei handelt es sich um ein Multi-Cloud-Analysewerkzeug, mit der man nicht nur auf Daten in der Google Cloud, sondern auch auf die in bei AWS und bald auch Azure zugreifen kann.

Die Open-Source-Datenverarbeitungs-Engine Spark ist künftig zusätzlich Teil des Premiumangebots der Google Cloud. Darüber hinaus kündigte Google Erweiterungen für die KI- und ML-Anwendungen Contact Center AI (CCAI) und DocAI an. CCAI Insights soll mithilfe von künstlicher Intelligenz den Kundenkontakt im Service-Center von Unternehmen verbessern. Die Software simuliert künstliche Servicemitarbeiter, die verstehen, interagieren und sprechen können. Aus den Unterhaltungen zwischen virtueller Servicekraft und Kunden kann es Daten generieren und auswerten.

DocAI automatisiert die Datenerfassung und soll Unternehmen dabei helfen, Dokumente effizient zu analysieren und auszuwerten. Dabei nutzt die Software KI-Texterkennung und Natural Language Processing (NLP), die vortrainierte Modelle für Dokumente auf hohem Niveau erstellen können.

Neben den Produkt-Ankündigungen thematisierte Google auch das Thema Nachhaltigkeit: Eine Reihe von Partnern, darunter Planet, Carto, Climate Engine, Geotab und NGIS, bringen ihre Daten und Anwendungen in die Google Cloud ein, um den Kunden zu helfen, nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Mit dem Carbon Footprint Reporting wird etwa für jeden Google Cloud Plattform-Kunden ein CO2-Fußabdruck-Bericht erstellt. Darüber hinaus will Google seine Kunden proaktiv über alle ungenutzten Cloud-Instanzen und die damit verbundenen CO2-Emissionen informieren: Das Löschen dieser Instanzen soll den CO2-Fußabdruck in der Cloud verkleinern.

Die ebenfalls bekanntgegebenen erweiterten Geschäftsbeziehungen fußen auf den fünf Cloud-Fokusbereichen des Unternehmens: Bereitstellung zukunftsfähiger Daten, Analysen und KI-Funktionen; Unterstützung der Kunden bei der Beschleunigung von Nachhaltigkeitsinitiativen; Angebot einer offenen und flexiblen Infrastruktur; Unterstützung bei der Zusammenarbeit und Vernetzung von verteiltem Arbeiten; Bereitstellung vertrauenswürdiger, sicherer Produkte und Dienstleistungen.

Zudem kündigte Google bei der Veranstaltung Updates seiner Workspace-Plattform an, unter anderem etwa die Integration von Jira in Google Chat und Spaces.

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(jvo)