Google feuert Gründerin und Co-Leiterin des Teams für ethische KI

Margaret Mitchell hat angeblich mehrfach gegen den Verhaltenskodex und Sicherheitsrichtlinien verstoßen. Sie zählt zu schärfsten internen Kritikern Googles.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 71 Beiträge

Google-Logo

(Bild: JHVEPhoto/Shutterstock.com)

Von
  • Frank Schräer

Google hat nach dem viel beachteten Streit mit Timnit Gebru, Co-Leiterin des eigenen Teams für Ethik künstlicher Intelligenz, nun die Gründerin und führende Mitarbeiterin dieses Teams gefeuert. Margaret Mitchell ist bereits seit vorherigen Monat aus Googles Firmensystem mit E-Mails und Kalender ausgesperrt. Jetzt hat sie per Twitter ihre Entlassung verkündet.

Dr. Margaret Mitchell hat nach einem Bericht von Axios automatisierte Skripte zur Durchsuchung ihrer E-Mails genutzt. Damit wollte sie Beispiele zur diskriminierenden Behandlung ihrer Kollegin Dr. Timnit Gebru finden. Googles System sperrte das Konto Mitchells automatisch, als dieses mögliche Verstöße gegen Verhaltenskodex und Sicherheitsrichtlinien vermutete. Dazu gehört das externe Weiterleiten interner Dokumente und Informationen.

Mitchell gehörte zum selben Team wie Gebru. Deren Abgang im Dezember 2020 ist umstritten und hatte bei Google zu Mitarbeiterprotesten geführt. Ob sie selber gegangen ist oder entlassen wurde, darüber gibt es unterschiedliche Darstellungen.

Klar ist bislang nur, dass der Auslöser des Streits die geplante Veröffentlichung eines Papers war, in dem Gebru gemeinsam mit Kollegen die Gefahren kritisiert, die von großen KI-Sprachmodellen ausgehen. Google hatte sich geweigert, die Publikation freizugeben, wenn Gebru als Co-Autorin genannt wird – offiziell, weil das Paper "die Anforderungen an eine Publikation nicht erfüllt". Doch der Verdacht steht im Raum, dass Google auf diese Weise eine unliebsame Kritikerin loswerden wollte.

Lesen Sie auch

Dass Google-Chef Sundar Pichai sich mittlerweile in einem Memo für den Vorfall entschuldigt und eine interne Untersuchung angekündigt hat, konnte Gebru nicht beschwichtigen. Die interne Untersuchung ist letzte Woche abgeschlossen worden, aber Details zu den Ergebnissen wurden bislang nicht veröffentlicht. Google kündigte lediglich eine Reihe geänderter Richtlinien an, darunter die unternehmensweite Bindung der Vergütung von Führungskräften an die Bemühungen um Vielfalt und Integration. Praktisch gleichzeitig erklärte Mitchell bei Twitter, dass sie gefeuert ist.

Wie viele andere ihrer Kollegen bei Google hat sich Mitchell besorgt gezeigt anlässlich des Umgangs mit Gebru. Das Ausscheiden Gebrus stünde in einem bedenklichen Zusammenhang mit Sexismus und Diskriminierung, erklärte sie bei Twitter Anfang dieses Monats.

Googles US-Mitarbeiter haben mittlerweile eine Gewerkschaft gegründet. Einer der Gründe dafür ist der Umgang mit internen Kritikern wie Gebru, aber Konflikte zwischen Google und seinen Mitarbeitenden schwelen bereits seit mehreren Jahren. Anfang Dezember hatte der US-Arbeitsstaatsanwalt im Namen von zwei ehemaligen Google-Angestellten Klage gegen Google wegen Verstoßes gegen Arbeitsrecht erhoben. Beide Personen waren Teil einer Google-internen Bewegung, die nach gewerkschaftlicher Organisierung strebt.

Lesen Sie auch

Als neue Leiterin des Teams für ethische KI hat Google Dr. Marian Croak eingesetzt. Croak ist eine langjährige Google-Mitarbeiterin mit dunkler Hautfarbe und eine prominente Forscherin. Keine ihrer Arbeiten bezieht sich jedoch direkt auf ethische KI. Croak war zuvor überwiegend im Bereich Voice-over-IP tätig.

(fds)