Google verzichtet auf individualisiertes Tracking, setzt auf Gruppen-Werbung

Von Dritten gesetzte Cookies haben im Desktop-Browser ausgedient. Google verzichtet auch auf Ersatz-Methoden. Pseudonymisiertes Gruppen-Tracking soll reichen.

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(Bild: PixieMe/Shutterstock.com)

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  • Frank Schräer

Google verspricht eine Zukunft, in der Datenschutz im Web an erster Stelle steht: "Privacy First". Entsprechend verzichtet der Datenkonzern auf das Tracking einzelner User für Werbenetzwerke. Googles Chrome-Browser unterstützt in absehbarer Zeit keine von Dritten gesetzte Cookies (Third-Party-Cookies) mehr. Während manche Werbevermittler Ersatzmethoden entwickeln, plant Google keinen direkten Nachfolger. Dies gilt allerdings zunächst nur für PCs, nicht für Android und Handy-Apps.

Der bei Google für Datenschutz im Reklamebereich zuständige David Temkin erklärt dazu im Google-Blog, dass Werbetreibende im Internet Verbraucher nicht einzeln verfolgen müssen, um die Vorteile digitaler Werbung zu nutzen. Stattdessen sollen Nutzer Interessengruppen zugeordnet werden, die ebenfalls effiziente Reklame erlauben. Das sei dank Fortschritt bei Aggregation, Pseudonymisierung und Datenverarbeitung auf Endgeräten möglich.

Google geht es dabei nicht um eine simple Ablösung der Cookie-Technik, sondern um die Einführung einer ganzen Reihe von Verfahren. Diese sollen die gezielte Auslieferung zugeschnittener Werbung ermöglichen, ohne die Privatsphäre der Nutzer komplett über Bord zu werfen. Teil des "Privacy Sandbox" genannten Maßnahmenbündels ist FLoC – Federated Learning Of Cohorts, also personalisierte Werbung ohne Nutzerprofile.

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Bisher erlauben im Browser abgelegte Cookies den Werbenetzwerken, persönliche Profile zu erstellen und darauf basierend Werbung auszuspielen. Mit dem neuen System soll das Targeting in den Browser verlagert werden. Dazu wird der Browser-Verlauf in unscharfe Hash-Werte umgerechnet. User mit ähnlichen Surfgewohnheiten errechnen sich den selben Hashwert. Nur ein Teil des Hashwertes wird mit einem Google-Server geteilt.

Dieser stellt sicher, dass die von Werbetreibenden adressierbaren Gruppen eine gewisse Mindestgröße haben, aber auch nicht zu groß werden. Werbekunden und Netzwerke sollen dann nicht mehr auf einzelne Nutzeridentitäten zugreifen, sondern nur noch Gruppen als Ganze adressieren. Das sei eine Reaktion auf zunehmenden Wunsch nach Datenschutz bei Nutzern und bei Gesetzgebern, sagt Temkin.

Nach Angaben des Google-Managers wird der Desktop-Browser Google Chrome noch in diesem Monat FLoC integrieren, um es bei Nutzern in der Praxis zu erproben. Im zweiten Quartal möchte Google das FLoC-Konzept mit Google-Ads-Kunden testen.

Für das Mobilbetriebssystem Android ist der jetzt im Desktop-Bereich anlaufende Privacy-Sandbox-Ansatz noch nicht bestätigt. Google erwägt bereits eine Android-Alternative zu Apples Tracking-Erlaubnis, die sich des FLoC-Konzepts bedienen könnte. Dies wird bei Google derzeit intern diskutiert.

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Cookies, die vom selben Server kommen wie die aufgerufene Webseite, tastet Google nicht an. Zudem werden Werbetreibende bei Google-eigenen Diensten weiterhin einzelne Nutzer ansprechen können, deren Kontaktdaten der jeweilige Werbetreibende bereits kennt. Kennt beispielsweise ein Unternehmen Ihre G-Mail-Adresse, wird es Ihnen auch in Zukunft auf YouTube Reklame direkt vorsetzen können. Allerdings wird es für das Unternehmen schwieriger sein, Ihre exakten Surfgewohnheiten zu kennen. (fds)