Google wehrt sich gegen Klage des US-Justizministeriums

Es sei halt die beste Suchmaschine – lautet Googles Verteidigung gegen eine neu eingereichte US-Kartellklage. Mozilla warnt vor Kollateralschäden.

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(Bild: Bubble_Tea Stock/Shutterstock.com)

Von
  • Eva-Maria Weiß

"Zutiefst fehlerhaft" und "für den Konsumenten nicht hilfreich" sei die Klageschrift, die vom US-Justizministerium und elf Bundestaaten gegen Google eingereicht worden ist. Das Kartellverfahren soll sich mit Googles Dominanz auf dem Suchmaschinenmarkt auseinandersetzen. Nicht zum ersten Mal wird dem Unternehmen vorgeworfen, seine marktbeherrschende Stellung mit wettbewerbswidrigem Vorgehen zu festigen.

Google hingegen meint, Menschen nutzten die Suchmaschine, weil sie einfach die beste sei – und nicht, weil sie dazu genötigt würden. Entsprechend könnte die Klage dazu führen, dass Suchmaschinen minderer Qualität künstlich unterstützt werden. Sogar die Preise für Telefone könnten in die Höhe getrieben werden.

"Die Beschwerde der Behörde fußt auf dubiosen Argumenten, die unsere Erfolge, Google zur einfach verfügbaren Suchmaschine für die Menschen zu machen, kritisieren", heißt es in einem Blogbeitrag von Kent Walker geschrieben, Senior Vice President für Global Affairs bei Google. Wie jedes andere Unternehmen zahle Google, um die eigenen Produkte zu promoten. Als Vergleich dient Kent eine Müsli-Marke, die den Supermarkt dafür bezahlt, Produkte in der Mitte des Regals statt am Ende aufzustellen.

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Digitale Geräte kämen immer mit einer Grundausstattung. Bei Mobilgeräten dominiere Apple, ebenso wie AT&T, Verizon, Samsung und LG. Desktop sei vorwiegend von Microsoft kontrolliert. Also habe man mit diesen Unternehmen Verträge geschlossen, um dort sichtbar zu sein. Wie eben im Supermarkt das Müsli. "Andere Suchmaschinen, wie etwa Microsofts Bing, konkurrieren dabei mit uns. Und unsere Verträge haben mehrfach Wettbewerbs-Prüfungen bestanden."

In dem Blogbeitrag geht Google auf konkrete Beispiele ein. Apple unterstütze etwa Google in Safari, weil sie meinen, es sei die beste Suchmaschine. Bing und Yahoo haben aber ebenfalls Verträge, um vorgeschlagen zu werden. Microsoft-Geräte kommen mit Edge und einer Voreinstellung für Bing.

Android-Geräte kämen mit Unterstützung von Google-Diensten, was aber nötig sei, um das Betriebssystem dafür kostenlos anzubieten. Das wiederum käme dem Verbraucher zu Gute, da er weniger für Smartphones zahlen müsse. Zugleich sei trotz der Verträge mit Google eine Vielzahl anderer Apps vorinstalliert.

Google ist in Europa allerdings auch schon dazu gezwungen worden, andere Suchmaschinen auf den eigenen Geräten anzubieten. Dafür müssen die Anbieter in ein Bieterverfahren gehen: Wer an Google das meiste Geld zahlt, wird beim Einrichten eines neuen Android-Geräts dem Nutzer zur Auswahl angeboten. Nicht nur die kürzlich von Microsoft überbotene und damit rausgeflogene Suchmaschine DuckDuckGo kritisiert dieses Verfahren als fundamental fehlerhaft, da Google mit den Auktionen Geld verdiene und selbst nicht zahle.

Den größten Fehler der Klageschrift sieht Google aber im Vergessen, dass Menschen freiwillig die Suchmaschine auswählten und es ein leichtes wäre, zu wechseln. "Die Klage unterstellt Amerikanern damit, nicht anspruchsvoll genug zu sein, dies zu tun."

Als Beweis führt Google an, dass Firefox eine Weile Yahoo als voreingestellte Suchmaschine angeboten hat und die meisten Amerikaner daraufhin sofort gewechselt haben. Nun zahlt Google an Mozilla einen beträchtlichen Betrag. Und tatsächlich warnt auch Mozilla in einem Blogbeitrag, dass die Klage keinen Kollateralschaden für kleinere und unabhängige Organisationen anrichten sollte: "Auch wir sehen die wachsende Macht großer Tech-Unternehmen mit Sorge und wissen, dass sie Innovation verhindern und Verbraucherentscheidungen verhindern kann." Es müsse das Ökosystem im Ganzen angeschaut werden, um Heilmittel zu finden.

(emw)