Google will Suchergebnisse öfter übersetzen, stärker personalisieren

Viele Neuerungen rund um die Suche nach Information kündigt Google an – von der Verschleierung personenbezogener Daten bis zur CO₂-Bilanz von Käse.

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Eingabemaske der Google Suchmaschine, künsterlisch verzerrt

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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  • Daniel AJ Sokolov
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Zahlreiche neue Dienstmerkmale für die Suchmaschine, Maps, Lens und News hat Google am Donnerstag präsentiert. Die Verfügbarkeit der neuen Features ist unterschiedlich, je nach Zeitpunkt, Sprache und Land. So können US-Anwender auf Englisch jetzt beantragen, dass Google Suchergebnisse unterdrückt, in denen bestimmte personenbezogene Daten enthalten sind.

So kann man in der US-amerikanischen Google-App darum ansuchen, dass Google personenbezogene Daten unterdrückt.

(Bild: Google)

Die neue Funktion wird seit einigen Tagen mit Updates für die "Google"-App für Android ausgerollt. Wer damit etwa seine Adresse, E-Mail-Adresse oder Telefonnummer im Netz findet, kann Google darum ersuchen, das Suchergebnis nicht mehr öffentlich anzuzeigen. Ob der betroffene Seitenbetreiber erfahren kann, welche Seiten deswegen für Google tabu sind, um die Informationen gegebenenfalls entfernen zu können, ist bislang unklar. heise online hat Google um Auskunft ersucht.

In der englischen Version der Google News werden bald automatisch übersetzte Nachrichten angezeigt, die im Original Deutsch, Französisch oder Spanisch sind. Dabei geht es in erster Linie darum, lokale Nachrichtenquellen zu lokalen Ereignissen anzuzapfen.

Google Lens soll in einem Bild enthaltenen Text nicht nur automatisch übersetzen, sondern auch grafisch besser in das Bild einbetten. Bereits im April hat Google seiner Lens sogenanntes "Multisearch" beigebracht. Dabei können Anwender eine Suchanfrage nicht nur entweder mit einem Bild oder geschriebenem Text stellen, sondern diese beiden Eingaben kombinieren.

Nun kommt als Suchoperand near me hinzu: Damit gibt der Nutzer dem Server zu verstehen, dass sich die Suchergebnisse für das im Bild gezeigte auf Ergebnisse mit Bezug zur näheren Umgebung fokussieren mögen. Wer also beispielsweise in Albuquerque Turnschuhe vor die Lens hält und "near me" dazuschreibt, möchte eher nicht allgemeine Angaben zu dieser Fußbekleidung erhalten, sondern wissen, wo er sie in Albuquerque erstehen kann.

Speziell für Restaurantgerichte kommt eine vergleichbare Funktion zu Google Suchmaschine: Wer beispielsweise nach Germknödeln sucht, soll erfahren, in welchen Gaststätten in seiner Umgebung diese Köstlichkeit kredenzt wird. Für pikante Gerichte sollen Speisewillige einen Schärfegrad wünschen dürfen, um die Suchergebnisse weiter einzuschränken.

Die Suchmaschine soll in Zukunft auch mehr Rezeptvorschläge unterbreiten und dabei anzeigen, welche Zutaten für wie viel CO₂-Ausstoß verantwortlich sind. So können Anwender etwa auf einen Blick erkennen, dass Käse für deutlich mehr CO₂-Äquivalente verantwortlich ist als Fisch oder Geflügel. Dies vermarktet Google als Teil seiner Anstrengungen zur Reduktion des Treibhausgasausstoßes.

Dazu gehören auch detaillierte Angaben zu Elektroautos in Suchergebnissen (Preis, Reichweite, Ladedauer sowie US-Subventionen) oder die Einführung einer API, über die Informationen zum spezifischen Energieverbrauch unterschiedlicher Routenvorschläge abgerufen werden können. App-Entwickler sollen sogar angeben können, welcher Motor für eine Strecke genutzt wird, damit Google den voraussichtlichen CO₂-Ausstoß für die jeweilige Route schätzen kann.

Noch mehr Personalisierung ist Google generell ein Anliegen. Wer Google verrät, welche Streamingdienste er abonniert hat, bekommt dann in Suchergebnissen vorrangig Unterhaltungsangebote angezeigt, die bei diesen Streamingdiensten gelistet sind. Und wer bei Googles Shopping-Suche seine Lieblingsmarken hinterlegt, bekommt vorwiegend Produkte dieser und ähnlicher Marken feilgeboten.

Gleichzeitig verspricht Google, deutlich zu machen, wann Suchergebnisse personalisiert sind (was dann abgeschaltet werden kann), und wann nicht. Auf den Aufenthaltsort des Users zugeschnittene Suchergebnisse – etwa Hinweise auf lokale Geschäfte und Restaurants – sind laut Googles Definition allerdings nicht personalisiert.

Der neue Suchoperand shop schränkt Suchergebnisse auf feilgebotene Waren ein. Darunter werden in Zukunft häufiger Gebrauchtwaren sein, ebenfalls Teil der Öko-Bestrebungen des Konzerns. Geschäftsinhabern möchte Google die Anfertigung von Bildern erleichtern, die die feilgebotene Ware aus allen Richtungen zeigen, sodass der Kunde das Produkt virtuell drehen kann. Das soll in Zukunft mit deutlich weniger Einzelbildern möglich sein.

Suchergebnisse sollen verstärkt Treffer auf Diskussionen und Foren zeigen, die Google im Internet crawlt. Und schon während des Eintippens von Suchanfragen möchte Google mehr Vorschläge unterbreiten als bisher.

Für Google Maps kündigt der Datenkonzern eine längere Liste neuer Angebote an: Digitale Speisekarten von Restaurants sollen noch mehr Bilder erhalten. Der Augmented-Reality-Dienst LiveView, bei dem Routenführung in ein Livebild der Umgebung eingeblendet wird, soll selbst zur Suchoberfläche gereichen. Wer etwa im geschäftigen Treiben eines Marktes ein bestimmtes Geschäft oder einen Geldautomaten sucht, kann sich das in LiveView anzeigen lassen. Das soll in einigen Monaten in London, Paris, Tokio und drei US-Städten funktionieren.

Für 250 Wahrzeichen in aller Welt hat Google aufwendige Luftaufnahmen namens "Immersive View" in Google Maps integriert, in denen der Nutzer herumfliegen kann. Außerdem sollen Nutzer eine Vorschau auf einzelne Stadtviertel bekommen, um ein Gefühl dafür zu erhalten, wie Lage und Stimmung dort sind – das soll auch für zukünftige Zeitpunkte, die der Nutzer angibt, funktionieren.

(ds)