Googles US-Mitarbeiter gründen Gewerkschaft

Seit längerem schwelen bei Google Konflikte zwischen Konzernführung und Mitarbeitern. Nun gründen Angestellte in den USA eine Gewerkschaft.

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(Bild: JHVEPhoto/Shutterstock.com)

Von
  • Axel Kannenberg

US-Mitarbeiter von Google und anderer Tochterfirmen der Google-Holding Alphabet wollen erstmals eine Gewerkschaft gründen. Die Alphabet Workers Union soll sowohl Vollzeitmitarbeitern wie auch Angestellten in Leiharbeit und befristeten Verhältnissen offenstehen. Die Arbeitnehmervertretung soll dann Teil des Netzes von Lokalgewerkschaften der "Communications Workers of America" werden, einer Gewerkschaft mit rund 700.000 Mitgliedern in den USA, Kanada und Puerto Rico.

"Unsere neue Gewerkschaft wird eine nachhaltige Struktur dafür schaffen, dass unsere gemeinsamen Werte als Alphabet-Angestellte respektiert werden, auch wenn die Schlagzeilen schon verblasst sind", sagte die Google-Mitarbeiterin Nicki Anselmo laut Mitteilung. Der Entwickler Dylan Baker bezeichnete die Gründung als "historisch" – es sei die erste derartige Gewerkschaft bei einem der großen Tech-Unternehmen.

Laut Bericht von The Verge strebe man aber keine Gesamtvertretung an, die etwa Tarifverhandlungen in Namen aller Angestellten führe – es solle sich lediglich um eine Vertretung der Gewerkschaftsmitglieder handeln. Dem Bericht nach hatten zuvor 230 Personen ihre Unterstützung für die Gründung bekundet. Unter anderem kritisieren die Gewerkschaftsgründer die schlechtere Behandlung von Leiharbeitern, hohe Abfindungen für Führungskräfte, denen Belästigungen vorgeworfen worden sei, sowie Verträge mit US-Behörden, die sich als ethisch zweifelhaft auffassen ließen.

Konflikte zwischen Google und seinen Mitarbeitenden schwelen bereits seit mehreren Jahren. Zuletzt sorgte der Abgang der KI-Ethik-Forscherin Timnit Gebru für Proteste unter Mitarbeitern. Anfang Dezember hatte der US-Arbeitsstaatsanwalt im Namen von zwei ehemaligen Google-Angestellten Klage gegen Google wegen Verstoßes gegen Arbeitsrecht erhoben. Beide Personen waren Teil einer Google-internen Bewegung, die nach gewerkschaftlicher Organisierung strebt. Google soll sich bereits auch seit längerem von der Firma IRI beraten lassen, die für Bekämpfung der gewerkschaftlichen Engagements von Angestellten bekannt ist.

Zuvor hatten Angestellte auch schon interne Proteste gegen eine Zusammenarbeit mit dem US-Militär bei der automatischen Auswertung von Drohnenaufnahmen organisiert, ferner gegen eine Kooperation mit den US-Grenzbehörden sowie gegen eine als "Dragonfly" bekannt gewordene Suchmaschine für den chinesischen Markt.

"Natürlich haben unsere Angestellten geschützte Arbeitnehmerrechte, die wir unterstützen. Aber wir werden auch weiterhin, so wie wir es immer getan haben, den direkten Kontakt zu den Mitarbeitern suchen", erklärte Google laut The Verge zu den Bestrebungen der Alphabet Workers Union.

Generell stellen betriebliche Mitbestimmung und gewerkschaftliche Organisation für Firmen der US-Digitalwirtschaft eher einen Kulturschock dar. Anti-Gewerkschaftsmaßnahmen und wie etwa bei Amazon die Überwachung von Mitarbeitern, die sich einschlägig engagieren, sind keine Seltenheit. Eines der wenigen Tech-Unternehmen, in dem Mitarbeiter eine Gewerkschaft gegründet haben, ist die Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Der Gründung im vergangenen Dezember war eine anderthalbjährige Auseinandersetzung mit der Unternehmensführung vorausgegangen.

(axk)