Googles frisch gegründete Open-Source-Stiftung soll vor allem Marken schützen

Mit Open Usage Commons hat Google eine Organisation zunächst für eigene Marken wie Istio und Angular gegründet – IBM und die Community kritisieren das scharf.

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(Bild: Blackboard/Shutterstock.com)

Von
  • Silke Hahn

Google hat gemeinsam mit dem Cloud-Unternehmen SADA Systems und einem Akademiker-Gremium eine neue Open-Source-Organisation aus der Taufe gehoben, die Open Usage Commons (OUC) heißt. Deren Fokus soll eingangs offenbar der Schutz von Marken eigener quelloffener Projekte sein, konkret hat Google zum Auftakt hauseigene Projekte wie das JavaScript-Framework Angular, den Service-Mesh Istio und das kollaborative Review-System Gerrit an die neu gegründete Stiftung übergeben.

Langfristig soll sie sich auch für Projekte anderer öffnen, die am Schutz ihrer Trademarks interessiert sind, heißt es in den FAQ. In Abgrenzung von einem Copyright ist Trademark ein Sammelbegriff für Namen, Logos und Abzeichen, die ein bestimmtes Projekt gegenüber Entwicklern und Nutzern ausweisen. Open Usage Commons will künftig Lizenzierungen für Trademarks anbieten und beruft sich dabei auf die Richtlinien der Open Source Initative (OSI).

In der Ankündigung nennt Chris DiBona, Leiter der Open-Source-Abteilung von Google und Alphabet, als Ziel den Erhalt der "Projektidentität durch programmspezifisches Trademark-Management" und beschreibt die Stiftung als Garantin eines "neutralen, unabhängigen Ownership-Konzepts", das Beitragenden "Seelenruhe (peace of mind) durch Fairness und Transparenz beim Verwenden ihrer Projektnamen" verschaffen solle. Hintergrund seien offene Fragen bezüglich geistigen Eigentums und Open Source bei den derzeit über 3000 aktiven Open-Source-Projekten von Google, ergänzte DiBona in einem Interview.

Vorstand der Stiftung sind zwei leitende Mitarbeiter der Open-Source-Abteilung von Google (DiBona selbst und der Senior Program Manager Jen Phillips), der CTO von SADA Systems Miles Ward sowie zwei unabhängige Informatikerinnen und ein Informatiker aus dem akademischen Bereich. Eine davon ist die Open-Source-Software-Entwicklerin Allison Randal, Vorstandsmitglied bei OpenStack und zuvor in leitender Funktion bei der Perl Foundation und der Python Software Foundation. Bei geistigem Eigentum von Open-Source-Projekten gibt es laut Stiftungs-Webseite zwei schützenswerte Güter: den Quellcode, um dessen Schutz sich bereits bestehende Stiftungen kümmerten – und die Handelsmarken von Projekten, die in bestehenden Open-Source-Richtlinien nicht klar erfasst seien.

Es gehe Google darum, Markenschutz in Einklang mit Open-Source-Richtlinien (gemäß OSI) zu betreiben, nach DiBonas Auffassung geben das bestehende Lizenzmodelle offenbar nicht her. "Wenn man sich die meisten Open-Source-Lizenzen anschaut, dann behandeln sie die Verwendung von Trademarks nicht, erwähnen sie nicht, lehnen sie ab oder erteilen keine Erlaubnis dazu, und deshalb wollten wir das beheben", begründet er den Schritt zur Gründung der eigenen Stiftung.

Der Service-Mesh Istio und das Code-Review-Tool Gerrit unterliegen der Apache-Lizenz 2.0, während Angular die MIT-License zugrunde liegt – beides sind in der Open-Source-Entwicklung gängige Lizenzwege, die bislang nicht als unsicher galten. Der Service-Mesh linkerd befindet sich bereits unter dem Dach der Cloud Native Computing Foundation (CNCF), die eigentlich eine naheliegende Heimat für Istio sein könnte. Von der Community getragene bestehende große Stiftungen könnten die Äußerungen DiBonas durchaus als Affront auffassen. Erste Reaktionen reichen erwartungsgemäß von erstaunt bis enttäuscht darüber, dass Google nun einen Sonderweg einschlägt, statt Angular, Istio und Co. zur Weiterentwicklung an eine etablierte Open-Source-Organisation zu übergeben.

Deutliche Worte fand eine Mitarbeiterin des Istio-Projekts, die ihrer Enttäuschung auf Twitter Luft machte. Auch IBM als Gründungspartner im Istio-Projekt hat in einer offiziellen Stellungnahme Kritik an Googles Alleingang geäußert, da dieser den Ansprüchen von Open-Source-Projekten an Anbieterneutralität widerspreche. Google breche damit die früher getroffene Vereinbarung, Istio im reifen Zustand der CNCF zu übergeben, und verstoße gegen den Open-Governance-Prozess.

Die Ankündigung der neuen Stiftung gibt es in Googles Open Source Blog zum Nachlesen, Open Usage Commons verfügt für weitere Informationen über eine eigene Internetpräsenz. Darin lohnt sich der Blick ins Kleingedruckte: Interessierte Projekte können ihren Beitrittswunsch bereits anmelden, die Kriterien für den Beitritt befinden sich laut FAQ allerdings noch in Arbeit. Die Open Source Definition (OSI), auf die Google sich beruft, lässt sich im Netz einsehen. Eine kritische Stellungnahme von IBM zu der Neugründung ist in IBMs Entwickler-Blog zu finden.

(sih)