Greenpeace-Studie: Homeoffice verringert CO2-Ausstoß um Millionen Tonnen

Wenn 40 Prozent der Arbeitnehmer an zwei Tagen in der Woche von zu Hause aus arbeiten, spart allein die fehlende Pendelei 5,5 Millionen Tonnen CO2 ein.

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Greenpeace-Studie: Homeoffice verringert CO₂-Ausstoß um Millionen Tonnen

(Bild: ddisq/Shutterstock.com)

Von
  • Stefan Krempl

Wer normalerweise mit dem Auto zum Arbeitsplatz fährt und nun – etwa aufgrund der Coronavirus-Pandemie – im Homeoffice bleibt, vermeidet nicht nur zeitsparend den täglichen nervenaufreibenden Stau in der Rushhour, sondern schont auch die Umwelt. Greenpeace hat vom IZT-Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung kalkulieren lassen, wie stark das Klima von wegfallenden Pendelwegen profitiert.

Wenn in einem "fortschrittlichen Szenario" 40 Prozent der Arbeitnehmer an zwei Tagen in der Woche von zu Hause aus arbeiten, sinkt der CO₂-Ausstoß im Verkehr laut der am Donnerstag von der Umweltschutzorganisation veröffentlichten Studie "Arbeiten nach Corona" um 5,4 Millionen Tonnen pro Jahr. Dies entspreche 18 Prozent aller durch Pendeln entstehenden Emissionen des Treibhausgases. Zugleich fielen im Jahr gut 35 Milliarden, bislang meist mit dem Pkw zurückgelegte Personenkilometer weg, was die Straßen entlasten würde.

Blieben 40 Prozent der Pendler nur einen Tag pro Woche im Homeoffice, läge die Ersparnis noch bei 2,8 Millionen Tonnen CO₂ jährlich. Greenpeace hält ein solches Modell durchaus für realistisch: Schon vor der Pandemie seien Unternehmen und ihre Mitarbeiter davon ausgegangen, dass etwa 40 Prozent aller Angestellten auch von zu Hause arbeiten könnten.

Die Forscher haben alternativ noch ein konservatives Szenario mit einem Telearbeit-Anteil von lediglich 25 Prozent der Arbeitnehmer berechnet. Demnach könnte ein zusätzlicher Homeoffice-Tag in Deutschland unter diesen Voraussetzungen 1,6 Millionen Tonnen des Treibhausgases pro Jahr einsparen und die Verkehrsleistung des Pendelverkehrs um 10,9 Milliarden Personenkilometer reduzieren. Falls Arbeitnehmer zwei Tage pro Woche von Zuhause arbeiten, läge das Potenzial hierbei jährlich bei 3,2 Millionen Tonnen CO₂ weniger.

Für die Analyse bezogen sich die Wissenschaftler auf die Gesamtemissionen des Pendelverkehrs in Deutschland, die das Bundesverkehrsministerium im Datensatz Mobilität in Deutschland für 2017 ausweist. Dafür wurden die zurückgelegten Personenkilometer auf dem Weg zur und von der Arbeit mit den verkehrsträgerspezifischen Emissionsfaktoren multipliziert.

Greenpeace erinnerte anhand der Resultate daran, dass der am Mittwoch vorgelegte Klimaschutzbericht der Bundesregierung erneut den Rückstand des Verkehrssektors in diesem Bereich belege. In den vergangenen Jahrzehnten seien die Emissionen hier nicht zurückgegangen, sondern sogar gestiegen. Die von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ergriffenen Maßnahmen "liefern allesamt deutlich weniger als von ihm angekündigt".

Auch wenn weniger Pendelverkehr die ausgemachte "enorme", für das Erreichen der Pariser Klimaziele schädliche Lücke nicht ganz schließen könne, fordert die zivilgesellschaftliche Organisation ein Recht auf Homeoffice: "Arbeitende, deren Tätigkeiten sich auch von zu Hause erledigen lassen, sollten daran von ihren Arbeitgebern rechtlich nicht gehindert werden können." Nötig sei es zudem, durch einen raschen Ausbau von Glasfaseranschlüssen und eines flächendeckenden 5G-Netzes für "alle Haushalte, auch in ländlichen Regionen, die Voraussetzungen für Telearbeit" zu schaffen.

Zudem macht sich Greenpeace für Steuervorteile für Homeoffice stark: Wer in den eigenen vier Wänden arbeite, sollte die dadurch entstehenden Kosten einfach und unkompliziert absetzen können. Parallel sollte laut der Vereinigung die Pendlerpauschale abgeschafft werden, da sie "einen Anreiz setzt für weite Arbeitswege". Die so gewonnen Steuereinnahmen müssten in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs fließen, "um auch Menschen zugute zu kommen, die nicht aus dem Homeoffice arbeiten können".

(mho)