Greenpeace taucht zu Nord Stream 1 ab: Explosion kam wohl nicht von innen

Die Umweltorganisation Greenpeace hat mit einem Tauchroboter die zerstörte Gaspipeline Nord Stream 1 untersucht. Dabei gab es eine Auffälligkeit.

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Die zerstörte Gaspipeline Nord Stream 1 mit einer Friedensfahne von Greenpeace

Die zerstörte Gaspipeline Nord Stream 1 mit einer Friedensfahne von Greenpeace

(Bild: Greenpeace)

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat auf eigene Faust die Schäden an der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 1 nahe der dänischen Insel Bornholm untersucht. Mit einem Tauchroboter inspizierten Meeresbiologen und Aktivisten die Schäden in knapp 80 Metern Tiefe und nahmen Boden- sowie Wasserproben. Die Expedition wurde damit begründet, dass auch Monate nach der Explosion der Erdgasverbindung zwischen Russland und Deutschland nur sehr wenige Informationen über Ursache und Auswirkungen bekannt sind. Greenpeace geht es vor allem um die Umweltfolgen.

Nahe den vier Schadstellen der beiden Pipelines Nord Stream 1 und 2 befinden sich laut Greenpeace Tausende Tonnen Giftgas und Munitionsrückstände aus dem Zweiten Weltkrieg, die durch die Wucht der Explosion aufgewirbelt sein könnten. Ein Reporter des Südwestrundfunks begleitete die mehrtägige Expedition. Die Untersuchungsergebnisse der 40 Proben sollen in zwei bis drei Wochen vorliegen. Sie werden im toxikologischen Institut der Universität Kiel und von einer auf chemische Kampfstoffe und Gefahrstoffe spezialisierten Firma in Visselhövede in Augenschein genommen.

Die Greenpeace-Untersuchung könnte auch Aufschluss über die Explosionen und die Ursache geben. Die für die Gewässer zuständigen Ermittlungsbehörden in Dänemark und Schweden haben bislang nur sehr wenig bekannt gegeben, außer dass sie von grober Sabotage ausgehen und im Falle Schwedens auch Rückstände von Sprengstoff gesichert hätten. Verdächtige wurden bislang nicht genannt. Auffällig ist nach Angaben von Greenpeace, dass trotz der immensen Schäden auf 250 Metern Länge nicht so viele Trümmerteile wie erwartet gefunden wurden. Vor Greenpeace waren die Schäden nach den Ermittlern schon von einem schwedischen Fernsehsender und der Betreibergesellschaft von Nord Stream vor Ort angesehen worden.

Sprengstoffexperten gehen nach Sichtung der Aufnahmen von Greenpeace nicht davon aus, dass die Pipeline von innen gesprengt wurde. Alles deute auf den Gebrauch von Sprengstoff von außen hin. Aufgrund der wenigen öffentlichen verfügbaren Informationen gibt es viele Spekulationen. Eine lautet, dass Russland angeblich schon beim Bau in oder an der Pipeline deponierte Sprengsätze zur Explosion gebracht habe. Die Unterwasserbilder zeigen die zerstörte Röhre, aus der Stahlteile herausragen sowie die beschädigte Betonummantelung.

Am Ende der mehrtägigen Fahrt, nach der das Aktionsschiff Beluga II nach Deutschland zurückkehrte, setzten die Aktivisten mit dem Tauchroboter eine Friedensflagge in die zerstörte Röhre ab.

(mki)