Großbritannien: Google entwickelt Cookie-Nachfolger unter Aufsicht weiter​

Die britische Marktaufsicht macht dem IT-Konzern Auflagen, wenn er neue Techniken seiner Privacy Sandbox zur Personalisierung von Online-Werbung einführen will.

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(Bild: PixieMe/Shutterstock.com)

Von
  • Torsten Kleinz

Google hat sich mit der britischen Aufsichtsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) auf einen Kompromiss verständigt, der dem Werberiesen die Weiterentwicklung von neuen Trackingmethoden in der "Privacy Sandbox" ermöglicht. Demnach soll die Fortentwicklung der verschiedenen Google-Vorschläge unter direkter Einbeziehung der Behörde weitergehen. Das geht aus einer Veröffentlichung der CMA vom Freitag hervor, mit der die Behörde zu Stellungnahmen interessierter Parteien einlädt.

Eigentlich sollte Googles "Privacy Sandbox" Werbe-Cookies längst überflüssig gemacht haben, doch der Konzern war im Sommer von seinem Zeitplan abgerückt. In der Privacy Sandbox sammelt Google verschiedene Ansätze, mit denen die Datenschutzinteressen der Nutzer und die Bedürfnisse der Werbeindustrie unter einen Hut gebracht werden sollen. Die Vorschläge will Google über einen Prozess bei der Standardisierungsorganisation W3C einführen. Dazu gehören etwa anonyme Nutzerprofile, die mittels föderalem Lernen direkt im Browser angelegt werden (Federated Learning of Cohorts, FLoC).

Die Vorschläge sind nicht unumstritten. Konkurrenten und Geschäftspartner hatten befürchtet, dass der Konzern seine Kontrolle über Chrome zum eigenen Vorteil nutzen werde. Datenschützer wiederum mahnten, dass die Profilbildung im Browser noch intrusiver sein könnte als die heutige Werbepraxis, bei der Interessenprofile in Werbenetzwerken und bei Adtech-Firmen entstehen. Das hat auch die britische Marktaufsicht auf den Plan gerufen.

Google und die CMA haben sich nun daraufhin geeinigt, die Entwicklung unter direkter Einbeziehung der britischen Marktaufsicht fortzuführen. In der Einigung verpflichtet sich der Konzern zudem, den Entwicklungsprozess für seine Vorschläge wie das chrome-basierte FloC künftig noch offener zu führen.

Die Behörde soll darüber hinaus einen Treuhänder ernennen, der von Google ständig über die neuen Entwicklungen informiert werden und die Auswirkungen auf das komplexe Werbegeschäft erforschen soll. Zugleich soll Google klarstellen, wie viele Daten künftig zur Personalisierung von Werbung verwendet werden können. Google muss überdies garantieren, das eigene Werbegeschäft beim Zugang zu den Nutzerdaten nicht zu bevorzugen.

Der Kompromiss weist vielleicht einen Weg aus einer Zwickmühle: Auf der einen Seite drängen Verbraucher- und Datenschützer die großen Konzerne, ihre Datenverarbeitung zu Werbezwecken zu reformieren, und verleihen dieser Forderung zum Teil mit hohen Bußgeldern Nachdruck.Andererseits wird jeder Versuch dieser Konzerne, das Werbegeschäft grundlegend zu reformieren, von Kartellbehörden als möglicherweise illegale Marktbeeinflussung angesehen.

Mit der Einigung hat Google gute Aussichten, teure Klagen und nachträgliche Aufsichtsverfahren zu vermeiden – ein Vorteil gegenüber Alternativvorschlägen wie Unified ID. Gleichzeitig verpflichtet die CMA den Konzern auch, die behördlichen Vorbehalte in allen Kommunikationsmaßnahmen zu erwähnen. Das wiederum wird es für Google schwerer machen, Partner zu finden, die Googles Vorschläge unterstützen müssten.

(vbr)