HDMI 2.0 wird zu HDMI 2.1: Irreführende Angaben bei PC-Monitoren und Smart-TVs

Der HDMI-Lizenzgeber will die Bezeichnung HDMI 2.0 einstampfen. Selbst Full-HD-Displays ohne neue Funktionen sollen mit HDMI 2.1 beworben werden.

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(Bild: Shutterstock / Vitalii Stock)

Von
  • Mark Mantel

HDMI 2.1 ist nicht gleich HDMI 2.1 – so viel war schon seit Bekanntgabe der Spezifikation bekannt. Außer der erhöhten Übertragungsrate von 18 auf bis zu 48 Gbit/s, etwa für Ultra-HD-Auflösungen mit 144 Hertz, gibt es optionale Funktionen wie Variable Refresh Rates (HDMI VRR), Auto Low Latency Mode (ALLM) für niedrige Eingabelatenzen beim Spielen und dynamische HDR-Formate.

Bisher haben Display-Hersteller die HDMI-2.1-Kennzeichnung verwendet, solange mindestens eine neue Funktion mit dabei ist. Ein von Xiaomi in China vorgestellter Gaming-Monitor geht jetzt allerdings noch einen Schritt weiter: Das Modell hat einen reinen HDMI-2.0-Anschluss, der als HDMI 2.1 beworben wird. Nur in den Fußnoten steht, dass es sich eigentlich um HDMI 2.0 handelt.

TFT Central hat den Xiaomi-Monitor zum Anlass genommen, die Zertifizierungsstelle HDMI Licensing Administrator, Inc. zur Lage zu befragen. Die Antwort:

  • HDMI 2.0 gibt es nicht mehr – Hersteller müssen ihre Geräte nach der neuesten Version spezifizieren und sollen nicht mehr auf HDMI 2.0 verweisen.
  • Die Funktionen von HDMI 2.0 sind jetzt eine Teilmenge von HDMI 2.1. Alle Fähigkeiten und Funktionen der HDMI-2.1-Spezifikation sind für die Kennzeichnung optional.
  • Hersteller sollen immerhin angeben, welche HDMI-2.1-Funktionen ein Gerät beherrscht.

Auf eine Anfrage von heise online bestätigten Industriekontakte die Aussagen von Herstellerseite. Die alleinige Angabe von HDMI 2.1 ist demnach nichts mehr wert.

Die Situation erinnert an das Chaos bei aktuellen USB-Bezeichnungen seit der 3.0-Generation: USB 3.0 mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 5 Gbit/s wurde zunächst in USB 3.1 Gen 1 und später in USB 3.2 Gen 1 umbenannt. USB 3.2 kann somit Übertragungsraten von 5, 10 oder 20 Gbit/s bedeuten. Was man bekommt, weiß man nur, wenn der Hersteller explizit die Generation oder Übertragungsrate angibt. Funktionen wie das Aufladen verbundener Geräte oder eine Bildausgabe sind optional. USB 4 führt die Verwirrung fort.

Die Herangehensweise des HDMI-Forums kann insbesondere bei PC-Monitoren irreführend sein, die etwa 3840 × 2160 Pixel (Ultra HD) mit 144 Hertz über DisplayPort 1.4 anzeigen, über HDMI 2.0 aber nur 60 Hertz oder ein stark komprimiertes Bild darstellen. Wirbt ein Hersteller mit HDMI 2.1, würde man eher erwarten, dass der Monitor auch über HDMI den vollen Funktionsumfang leistet. Schließlich müssen Firmen nicht darauf hinweisen, wenn Funktionen fehlen. Das böse Erwachen kommt, wenn man etwa eine Playstation 5 oder Xbox Series X anschließt, die keine DisplayPorts haben.

In Deutschland ist die Praxis, HDMI 2.0 als HDMI 2.1 zu bewerben, derweil noch nicht angekommen. c't und heise online geben in Tests schon seit jeher an, welche HDMI-2.1-Funktionen ein Monitor oder Fernseher unterstützt. In News-Meldungen zu Neuankündigung werden wir verstärkt auf das Thema achten.

(mma)